Frankfurt - Konstantinos Karetsas und Giannis Konstantelias beim BVB, Afonso Moreira in Leverkusen, Nathan De Cat bei der TSG Hoffenheim: Die teuersten Einkäufe vieler Bundesligisten sind in diesem Jahr keine gestandenen Top-Profis, sondern junge Talente. Was steckt hinter dieser Strategie?
„Es ist wichtig, dass wir Werte für Borussia Dortmund schaffen, sodass wir auch in Zukunft dauerhaft gut dastehen“, sagte Sportdirektor Ole Book bereits zu Beginn des Sommers. Der BVB ist das auffälligste Beispiel für den Trend. Neben Karetsas und Konstantelias, die jeweils rund 30 Millionen Euro kosteten, verpflichtete der Vizemeister unter anderem Joane Gadou, Kauã Prates und Justin Lerma.
Im Optimalfall sind die jungen Spieler eine Soforthilfe. Noch wichtiger ist aber ihr Entwicklungspotenzial. „Dabei geht es dann auch direkt um die Perspektive der Wertsteigerung mit dem Ziel, die Spieler weiterzuverkaufen. Diese Strategie haben mittlerweile fast alle Clubs in der Bundesliga“, sagte Sportökonom Christoph Breuer von der Deutschen Sporthochschule Köln.
Wie lukrativ das sein kann, zeigt RB Leipzig mit Yan Diomande. Der 19-Jährige wechselte nach nur einem Jahr für rund 125 Millionen Euro zu Real Madrid. Auch Union Berlin erzielte nun mit Ilyas Ansah einen erheblichen Gewinn: Der 21-Jährige kam vor einem Jahr für rund vier Millionen Euro aus Paderborn und wechselt für mindestens 21 Millionen Euro zu Hull City. Leipzig setzt mit dem 20-jährigen Marc Guiu, der für rund 17 Millionen Euro vom FC Chelsea kam, derweil weiter auf Wertsteigerung.
„Die Strategie funktioniert aber nur, solange das nicht alle machen“, warnt Breuer. Steigende Preise für immer jüngere Spieler erhöhen das Risiko. Zugleich sind viele Clubs auf Transfererlöse angewiesen. „Letztendlich ist die Bundesliga, wenn man Bayern München ausklammert, eine Ausbildungsliga geworden“, sagt Breuer.
Der Deadline Day zeigt allerdings auch, dass Erfahrung weiter gefragt ist. Der Hamburger SV holte den 26-jährigen Fabio Vieira für rund neun Millionen Euro vom FC Arsenal London aus der Premier League zurück. Vieira spielte in der vergangenen Saison bereits auf Leihbasis für den HSV und erzielte in 29 Bundesliga-Spielen sieben Tore. Zudem kauften die Hamburger den 24-jährigen Rechtsverteidiger Zakaria El Ouahdi vom belgischen Erstligisten KRC Genk.
Ebenfalls auf einen Rückkehrer setzt Bayer Leverkusen. Die Werkself holte Flügelspieler Moussa Diaby (27) vom saudi-arabischen Club Al-Ittihad FC.
Union Berlin verpflichtete derweil den 26-jährigen Schweizer Nationalspieler Kastriot Imeri (Young Boys Bern). Schalke band den 24-jährigen Adil Aouchiche bis 2030. Der BVB wiederum reagierte auf den Kreuzbandriss von Konstantelias mit der geplanten Leihe des 19-jährigen Ethan Nwaneri von Arsenal.
Für den deutschen Nachwuchs ist die Entwicklung ambivalent. Während München mit Ismael Saibari und Nathaniel Brown jeweils rund 50 Millionen Euro für Top-Transfers ausgab und der VfB Stuttgart U-21-Nationalspieler Dzenan Pejcinovic holte, setzen viele andere Clubs auf Talente aus dem Ausland.
„Für deutsche Talente ist das natürlich nicht gut. Ihre Wahrscheinlichkeit auf Einsatzzeit sinkt“, sagt Breuer – ein Zielkonflikt zwischen den kurzfristigen Interessen der Clubs und den langfristigen Zielen des Nationalteams. Bis Dienstagmorgen hatten die Bundesligisten laut transfermarkt.de 670 Millionen Euro ausgegeben und 770 Millionen Euro eingenommen.
