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Die Bietigheim Steelers bezahlen Lehrgeld

In Dresden verspielt das Team aus dem Ellental einen Zwei-Tore-Vorsprung in der Schlussphase, weil es sich zu viele Strafzeiten leistet. Das Heimspiel gegen Kassel wird von den Torhütern geprägt und geht im Shoot-Out verloren.

  • Eine bärenstarke Leistung hat Felix Noach im Kasten der Bietigheim Steelers gegen die Kassel Huskies gezeigt, auch wenn er die Niederlage nicht verhindern konnte. Foto: Baumann

    Eine bärenstarke Leistung hat Felix Noach im Kasten der Bietigheim Steelers gegen die Kassel Huskies gezeigt, auch wenn er die Niederlage nicht verhindern konnte. Foto: Baumann

Eishockey. So richtig rund gelaufen ist es für die Bietigheim Steelers am Wochenende nicht. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) 2 verspielte das Team aus dem Ellental bei den Dresdner Eislöwen eine Führung und verloren dann gegen die Kassel Huskies im Penalty-Schießen.

Mai Crnkic ersetzt in Dresden den gesperrten Jack Dugan

Über 40 Minuten hatten die Ellentäler beim letztjährigen DEL-Absteiger alles im Griff und führten mit 2:0. Doch im Schlussdrittel profitierten die Eislöwen von mehreren Strafzeiten gegen die Gäste und drehten binnen fünfeinhalb Minuten die Partie zu ihren Gunsten. Die Bietigheimer mussten eine bittere 2:3-Niederlage hinnehmen. Mit drei Veränderungen gegenüber der 3:5-Niederlage gegen Rosenheim gingen die Steelers in die Partie in Dresden. Zwischen den Pfosten stand bei den Ellentälern Keanu Salmik statt Felix Noack. Für den mit einer Spielsperre belegten Jack Dugan rückte der slowenische Stürmer Mai Crnkic in die erste Reihe. Wieder mit im Aufgebot war auch Marek Racuk.

Die 3500 Zuschauer in der Joynext-Arena erlebten zunächst ein recht zähes Spiel mit vielen Fehlpässen und Stockfehlern. Die Eislöwen hatten nach drei Minuten eine starke Phase, doch die Schüsse aufs Tor stellten für Steelers-Keeper Keanu Salmik keine Herausforderung dar. Da beide Abwehrreihen gut arbeiteten und die Angriffsformationen zu fehlerhaft agierten, kam kaum ein richtiger Spielfluss zustande und auch Großchancen blieben folglich auf beiden Seiten aus. Als Dresdens Felix Krüger wegen Beinstellens kurz vor Ende des ersten Drittels auf der Strafbank Platz nehmen musste, nutzten die Gäste die Überzahl eiskalt aus. Nolan Ritchie spielte den an der blauen Linie stehenden Steven Raabe frei. Und der hämmerte die Scheibe über die Fanghand von Dresdens Keeper Marvin Berbner zum 1:0 ins Netz (18.).

Im zweiten Drittel entwickelt sich ein offener Schlagabtausch

Die Partie wurde ab dem zweiten Drittel attraktiver. Ein Schuss von Nolan Ritchie rutschte Berbner durch die Schoner. Doch die kurz frei im Torraum liegende Scheibe, konnte vom Eislöwen-Keeper kontrolliert werden. Ein erstes Überzahlspiel brachte den Hausherren nichts ein. Auch als beide Teams wieder komplett waren, konnte Dresden die Druckphase aufrechterhalten. Dane Fox und Felix Krüger vergaben gute Chancen für die Gastgeber. Doch direkt im Gegenangriff scheiterte Steelers-Kapitän Alexander Preibisch zwei Mal an Dresdens Keeper. Es entwickelte sich nun ein offener Schlagabtausch. Mit einem genialen Anspiel brachte Maxi Söll die Scheibe zu Cole Fonstad, der mit der Scheibe alleine auf Dresdens Keeper zufahren konnte. Goalie Berbner konnte zwar gut parieren, doch den Rebound sicherte sich David Czerny, der zum 2:0 abstauben konnte (35.).

Durch zwei Überzahl-Situationen kamen die Eislöwen im Schlussdrittel dann aber zurück in die Partie. Nachdem gegen Mike Fischer eine Strafe wegen Beinstellens ausgesprochen wurde, geriet der Bietigheimer Kasten unter Dauerbeschuss. Dresdens Verteidiger Ryan MacKinnon zog von der blauen Linie ab und der Puck knallte ins rechte Eck zum Anschlusstreffer (48.). Nur drei Minuten später war die Scheibe schon wieder im Steelers-Kasten. Erneut in Überzahl nahm sich Adam Helewka ein Herz und schoss die Scheibe über Salmiks Stockhandschuh-Seite zum Ausgleich ein. Dresden erhöhte weiter die Schlagzahl und drängte nun auf den Führungstreffer. Und den erzielte Bruno Riedl mit einem knallharten Schuss von der blauen Linie (53.). Wieder war Salmik chancenlos, da Dresdens Jan Nijenhuis ihm die Sicht versperrt hatte.

Die Steelers konnten anschließend ein Power Play nicht nutzen und gerieten kurz vor Spielende durch einen Wechselfehler selbst in Unterzahl. Die im Schlussdrittel erkämpfte Führung ließen sich die Eislöwen nicht mehr nehmen und feierten einen 3:2-Sieg. „Das war heute eine Lehrstunde für ein junges Team, wie man nicht bei einer 2:0-Führung spielen sollte“, sagte Steelers-Trainer Tim Kehler in der Pressekonferenz nach dem Spiel. „Wir haben auswärts zwei außergewöhnlich gute Drittel gespielt, gut verteidigt und unsere Power Plays genutzt, aber leider haben wir eine Lektion erteilt bekommen, die auf Kosten von Punkten geht. Aber das nehmen wir so hin und werden dadurch besser.“

Die Goalies von Bietigheim und Kassel liefern zahlreiche Glanzparaden ab

Insgesamt über 60 Schüsse in der regulären Spielzeit, dazu zahlreiche Hochkaräter in der Overtime und neun weitere Versuche im Penalty-Schießen parierten Felix Noack im Kasten der Bietigheim Steelers und sein Gegenüber Philipp Maurer bei den Kassel Huskies am Sonntagabend. Die beiden Schlussmänner zeichneten sich mehrfach mit überragenden Rettungstaten aus und brachten auch im Shoot-Out die Gegenspieler reihenweise zur Verzweiflung.

Mit 1:1 ging es in die Penaltys, in denen die ersten acht Schützen allesamt den Puck nicht über die Linie bekamen. Erst Goldhelm Matt White erzielte im neunten Anlauf das Tor für die Huskies, auf der Gegenseite scheiterte Jack Dugan noch ein letztes Mal an Maurer. Die Nordhessen gewannen somit und sicherten sich den Extrapunkt.

„Es sind zwei verlorene Punkte“, resümierte SCB-Verteidiger Tim Schüle nach der Partie und ging mit den Special Teams in die Kritik: „Das hat uns letztes Jahr so stark gemacht.“ Rund 14 Minuten lang spielten die Ellentäler am sechsten Spieltag in Überzahl, teilweise ging es auch im Vier-gegen-Vier auf dem Eis weiter, doch der Puck wollte nicht an Maurer vorbei ins Netz.

Durch eine Unachtsamkeit geraten die Steelers ins Hintertreffen

Die Huskies auf der Gegenseite profitierten derweil kurz vor der ersten Drittelpause davon, dass die Steelers scheinbar schon in der Kabine waren. Neun Sekunden vor der Sirene nutzte Jimmy Martinovic eine Unachtsamkeit des SCB. Ein tiefer Pass in die Zone der Hausherren landete im Zentrum bei Hunter Garlent, der clever noch einmal querlegte und seinen Sturmpartner bediente. Der 24-Jährige, der bis 2023 noch das Trikot der Ellentäler getragen hatte, nutzte den Platz eiskalt aus und traf zur Führung. „Da schalten wir zu früh ab“, erklärte SCB-Chefcoach Tim Kehler im Nachgang bei der Pressekonferenz.

Die Hausherren rannten in der Folge an, wie die Verrückten. 17:8 Schüsse feuerten sie auf Maurer in diesem Durchgang. Wenn Kassel doch mal nach vorne kam, war Noack zur Stelle. Das gleiche Bild zeichnete sich auch im Schlussdrittel ab. Wie vernagelt schien der Kasten der Kasseler, bis endlich Cole Fonstad den Bann brach. Direkt nach einem Bully vor Maurer brachte Jack Dugan die Scheibe zum Kanadier, der eiskalt abschloss und das 1:1 erzielte (56.).

In der Overtime ist Bietigheim nicht mehr zwingend genug

So ging die Begegnung in die Overtime, in der die Dramatik ihren Lauf nahm. Kassel war hier plötzlich wieder komplett am Drücker. White scheiterte alleine vor Noack am Goalie, die Gäste trafen zudem die Torumrandung. Die Gastgeber kamen derweil nicht mehr so zwingend nach vorne, wie noch während der regulären Spielzeit. Und wenn doch, hieß die Endstation Maurer. So ging es ins Penalty-Schießen, wo der 25-Jährige genauso weitermachte und seinen Farben den Sieg festhielt.

„Wir wussten, dass es ein motiviertes Kassel ist, die am Freitag zum ersten Mal in dieser Saison daheim verloren haben“, sagte Kehler nach der Partie. Auch der Trainer fand mit dem Powerplay den einzigen Kritikpunkt: „Wir müssen das nutzen“, erklärte er deutlich. Dennoch ist der 55-jährige Kanadier mit dem Wochenende zufrieden, auch wenn es nur einen Punkte aus den beiden engen Spielen zu holen gab. „Es war ein Schritt nach vorne“, lobte er seine Schützlinge.

Die Steelers rutschen tabellarisch damit auf Rang zehn ab. Am nächsten Freitag geht es für die Ellentäler auswärts zum EC Bad Nauheim, der aktuell mit zwei Punkten das Schlusslicht der DEL 2 ist. ust/nb

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