Faustball. Nach den äußerst erfolgreichen Welt- und Europameisterschaften in Reiden für die deutschen Frauen- und U-18-Teams steht nun die Europameisterschaft der Männer im dänischen Tondern an. Von Mittwoch, 12. bis Samstag, 15. August treffen sich dort die besten acht europäischen Nationalteams. Nach dem nicht erwarteten Titelgewinn 2024 in Frauenfeld soll der Titel in Dänemark verteidigt werden. Der EM-Kader traf sich zur direkten EM-Vorbereitung noch einmal in Schneverdingen, am Dienstag ging es dann nach Tondern. Vor der Abreise hat der Bundestrainer Olaf Neuenfeld über Erwartungen und Ziele gesprochen.
Wie laufen die Vorbereitungen auf die EM? Wir wissen ja, wie akribisch du dich auf solche Events vorbereitest. Warst du schon vor Ort in Dänemark?
Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Wir sind jetzt in der heißen Phase und arbeiten in erster Linie an der Abstimmung. Ich habe mir im letzten Jahr bereits alles in Tondern angeschaut. Wir haben dort kurze Wege und ein tolles Stadion. Das wird richtig gut.
Im Kader sind ja einige neue Gesichter im Gegensatz zu den World Games: Mit Marc Löwe im Angriff, Luca Egger im Zuspiel und Fabio Lauck und Tobias Maurer in der Abwehr geben gleich vier neue Spieler ihr Debüt in Tondern. Das Durchschnittsalter beträgt 27 Jahre. Ist dies in deinen Planungen auch schon perspektivisch auf die WM im kommenden Jahr anzusehen?
Wir denken jetzt erstmal nur an die EM. Diese Saison war zu sehr von personellen, verletzungsbedingten Umbesetzungen und veränderter Lehrgangsplanung gestört, als das wir bereits an die WM 2027 denken konnten. Wir machen jetzt erstmal einen Schritt nach dem anderen, inklusive der Integration der vier neuen Spieler.
In diesem Jahr sind Timon Lützow (Angriff), Jaro Jungclaussen (Zuspiel) sowie Felix Klassen und Oliver Kraut (beide Abwehr) nicht dabei. Timon war ja bei der letzten EM der Shooting Star und hat für Furore gesorgt. Gibt es auch in diesem Jahr vielleicht wieder Überraschungen?
Ich hätte nichts dagegen, wenn am besten gleich alle vier Neuen die neuen Shooting Stars werden. Manchmal gibt es im Laufe eines Turniers Überraschungen. In unserem Fall hoffe ich auf durchgehend positive.
Durch die Verletzung von Tom Hartung wart ihr ja zu einer Nachnominierung für die Abwehr gezwungen. Steht schon fest, wer für Tom den Kader ergänzen wird und wie schwer wiegt der Ausfall von Tom für deine Planungen?
Manuel Kögel vom VfK Berlin wird Tom ersetzen. Manuel spielt im Verein in der Mitte und ist bei uns flexibel auf beiden Abwehrpositionen eingeplant. Tom ist ein großer Verlust für unsere Mannschaft, aber mit Manu haben wir einen erstklassigen Ersatzmann an Bord.
Was macht das Team in diesem Jahr aus, kann man das vor dem Turnier schon sagen?
Wir haben eine gute Mischung aus erfahrenen und neuen Spielern, die in die Mannschaft drängen. Das sehe ich durchaus als Vorteil an, wenn neue Spieler Druck machen und neue Impulse einbringen.
Ihr seid amtierender Europameister. Die Titelverteidigung ist euer erklärtes Ziel. Wie schätzt du die anderen Teams in diesem Jahr ein? Worauf wird es ankommen? Wer sind eure Favoriten? Und denkst du, dass die Gastgeber Dänemark vielleicht ihren Heimvorteil nutzen und für eine Überraschung sorgen könnten?
Wir haben als Ziel den EM-Titel ausgegeben. Alles andere würde unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden. Mit Österreich und der Schweiz sowie Italien haben wir bereits in der Vorrunde alle Titelkandidaten als Gegner. Das wird schon mal ein echter Härtetest. Vielleicht gelingt Dänemark der Einzug ins Halbfinale. Wenn sie nicht überdrehen und ihre Erwartungen zu hoch ansetzen, haben sie eine Chance dazu.
Du warst ja auch bereits Trainer in Dänemark von 2002 bis 2005, hast heute noch sehr gute freundschaftliche Verbindungen dorthin. Wie groß ist deine persönliche Vorfreude auf das Event? Was denkst du, was erwartet euch bei der Veranstaltung dort?
Bei meinem Besuch in Tondern im letzten Jahr habe ich die Verantwortlichen aus Dänemark getroffen. Damals war schon eine Energie und Vorfreude zu verspüren und ich bin mir sicher, dass es eine außergewöhnliche und top organisierte EM wird. Ich freue mich sehr auf die nächsten Tage dort oben.
Das letzte Vorbereitungszeit gegen die Schweiz ging mit 1:4 (10:12; 11:3, 8:11, 9:11, 8:11) beim Obersee Masters in Jona verloren. Welche Schlüsse kannst du trotz der Niederlage aus dem Vorbereitungsmatch ziehen?
Das war sicherlich keine Glanzleistung von uns. Auch beim anschließenden Turnier lief mit Platz sieben wenig nach Plan. Ich denke, dass es ein rechtzeitiger Warnschuss für uns war und dass wir es besser können. Das ist uns allen bewusst und da mache ich mir auch keine Sorgen. In Dänemark werden die Karten neu gemischt. Die Schweiz hat am Mittwoch ein weiteres Länderspiel gegen Brasilien mit 3:0 gewonnen und ist für mich neben Österreich der Top-Favorit auf den EM-Titel. red

