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Der Liebling der Massen

Deniz Undavs Formdelle tut seiner Popularität keinen Abbruch. Nun stehen für den Stürmer mit dem VfB Stuttgart aber entscheidende Wochen an.

stuttgart - Es sagt schon einiges über die eigene Popularität, wenn man beim VfB Stuttgart dem überaus beliebten Trainer die Schau stiehlt. Deniz Undav tat das zuletzt, kurzzeitig und ungewollt beim traditionellen Wasenabend des Bundesligisten auf dem Cannstatter Volksfest. Da wollte Stadionsprecher Holger Laser auf der Bühne eigentlich Chefcoach Sebastian Hoeneß interviewen, musste aber erst einmal für Ruhe auf den Bänken sorgen. Undav-Sprechchöre hallten durchs Festzelt, immer wieder und unverändert laut, bis sie dann doch langsam abebbten. Dabei hatte der Stürmer eigentlich nichts getan. Er war einfach nur da.

An Abenden wie diesen zeigt sich die exponierte Stellung besonders, die der Stuttgarter Publikumsliebling inzwischen beim Anhang erreicht hat. Sportlich schwierige Phasen wie die derzeitige ohne eigenes Saisontor tun dem keinen Abbruch, der 30-Jährige ist längst losgelöst von der Aktualität der Liebling der Massen. Natürlich fußt dieser Status ganz entscheidend auf den bisherigen Verdiensten für den VfB mit 57 Toren und 34 Vorlagen in 123 Pflichtspielen in den vergangenen drei Jahren – aber nicht nur.

Seine kontaktfreudige Art legt der nicht auf den Mund gefallene Angreifer auch am Montagabend auf dem Wasen wieder an den Tag, als er sich am Eingang zum abgetrennten Spielerbereich gut und gerne eine Viertelstunde Zeit nimmt für Autogramm- und Fotowünsche – und auf der Bühne dann dem Anhang entgegenruft, was der natürlich gerne hört: „Wir haben jetzt über drei Jahre lang einen sehr krassen Support. Unsere Fans sind die besten Fans.“ Jubel brandet auf, Undav lächelt.

Abende wie diese sind Balsam für die Stürmer-Seele, rein sportlich ist die bisherige Saison noch nicht die des Deniz Undav. Ein eigener Treffer gelang dem neu ernannten Stuttgarter Mannschaftskapitän in sechs Pflichtspielen noch nicht, mitunter fehlte die Bindung zum Angriffsspiel, für die deutsche Nationalelf wurde er nicht nominiert. „Es ist zwar anstrengend“, so Undav kürzlich zur Absage von Bundestrainer Jürgen Klopp, „es jedem Trainer zu beweisen.“ Aber er habe das oft genug gemacht, betonte der selbstbewusste Angreifer: „Deswegen werde ich es wieder machen, um dann hoffentlich im November bei den nächsten Länderspielen dabei zu sein.“ Festhalten lässt sich jedoch auch, dass die deutsche Sturm-Konkurrenz in Undavs Abwesenheit bislang keine Bäume ausgerissen hat.

Gegen Griechenland (0:1) taten sich Younes Ebnoutalib (23) von Eintracht Frankfurt als Mittelstürmer und Bambasé Conté (23) von der TSG Hoffenheim als hängende Spitze schwer, zuvor gegen die Niederlande (1:1) blieben Kai Havertz (27) vom FC Arsenal ganz vorne und Nadiem Amiri (29) vom FSV Mainz 05 etwas weiter dahinter ohne Torbeteiligung.

Undav nutzte derweil die Zeit, um Frische und Spritzigkeit wiederzugewinnen. Zu Beginn der vergangenen Woche trainierte er individuell, im Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim (3:0) spielte er dann über die vollen 90 Minuten durch. Zwar auch hier noch ohne den ersehnten eigenen Treffer, aber doch ein gutes Stück leichtfüßiger als zuletzt. Ein weiteres Testspiel steht an diesem Donnerstag (17.30 Uhr) noch in Großaspach gegen den Zweitligisten SpVgg Greuther Fürth auf dem Programm, dann geht es Schlag auf Schlag mit neun Pflichtspielen in 29 Tagen. „Ich bin positiv gestimmt, dass wir in der Bundesliga wieder die Punkte holen“, so Undav, „dann sprechen wir hoffentlich Mitte des nächsten Jahres von einer sehr guten Saison.“ Drei Punkte aus den ersten vier Ligaspielen entsprechen nicht dem eigenen Anspruch der Stuttgarter, die sich nun in der Bundesliga-Tabelle sukzessive nach oben arbeiten wollen.

Dazu kann Undav mit seinen Offensivaktionen einen wesentlichen Teil beitragen, was auch das persönliche Standing in Sachen Nationalmannschaft aufwerten würde. Klopp hatte die Türe nicht kategorisch geschlossen – und die Nicht-Nominierung damit begründet, dass der Stuttgarter Stürmer noch nicht richtig in der Saison angekommen sei. Das will Deniz Undav jetzt ändern, wobei fest steht: Die Rückendeckung der VfB-Fans ist ihm dabei sicher.

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