Stuttgart - Der Weg ist vorgezeichnet. Vom linken Flügel in die Mitte – so bevorzugt Leo Sauer sein Dribbling. Mit schnellen Schritten und geschmeidigen Bewegungen zieht der Slowake dabei gerne an den Verteidigern vorbei. Um selbst zum Abschluss zu kommen oder einen Mitspieler in Szene zu setzen. Alles mit Tempo. Das ist Sauers Stärke und mit einer solchen Szene lässt sich der Neuzugang des VfB Stuttgart am treffendsten beschreiben. Der 20-jährige Fußballprofi ist ein Flügelstürmer, der in seiner Spielanlage an Chris Führich erinnert.
„Ich bin ein schneller Spieler und gehe gerne ins Eins-gegen-eins“, sagt Sauer über sich selbst – und kommt als bereits national und international erprobtes Talent von Feyenoord Rotterdam nach Stuttgart. Mit 16 Jahren wechselte er in die Niederlande und der Transfer kostet den Bundesligisten nun fast 13 Millionen Euro, da auch andere Clubs wie die TSG Hoffenheim und die AS Rom um den Offensivspieler buhlten.
Letztlich machten aber die Weiß-Roten das Rennen um Sauer, da der Trainer Sebastian Hoeneß in ihm großes Potenzial sieht – und den Spieler selbst natürlich die Champions League lockt. „Es fühlt sich großartig an, nun Teil eines solch bedeutenden Clubs sein zu dürfen. Der VfB hat eine große Strahlkraft, viel Tradition und eine riesige Fanbase“, sagt der Spieler, der am Mittwoch den Medizincheck absolvierte.
Sauer freut sich jetzt ausdrücklich auf alle drei Wettbewerbe mit dem VfB. Doch zunächst muss er sich der internen Konkurrenz stellen. Neben Führich gibt es im Kader ja noch andere gute Außenangreifer. Bilal El Khannouss kann über beide Seiten spielen, ebenso Jamie Leweling. Tiago Tomas ist in der Offensive zudem flexibel einsetzbar. Und Nikolas Nartey hat die Außenposition auch schon besetzt, wenngleich der Däne nicht den klassischen Flügelflitzer darstellt. Dafür die jungen Badredine Bouanani und Lazar Jovanovic, die allerdings in ihrer ersten Saison beim VfB nicht komplett überzeugten.
Trotz der großen sportlichen Herausforderung verspürt der Angreifer aber vor allem Vorfreude auf die kommende Aufgabe bei seinem neuen Arbeitgeber: „Ich kann es kaum erwarten, all meine Teamkollegen kennenzulernen und das erste Mal für meinen neuen Club zu spielen.“
Bei so vielen Mitbewerbern muss das neue Gesicht aus Bratislava an der Mercedesstraße in Bad Cannstatt aber erst einmal seine Rolle finden. Hektik besteht jedoch nicht, weil Sauer einen Vertrag bis 2031 unterschrieben hat und als eine Investition in die Zukunft gilt – mit dem Vorteil, dass er gleich funktionieren kann.
Schließlich bringt es Sauer bereits auf 64 Einsätze in der Ehrendivision mit zwölf Treffern und acht Torvorbereitungen. In der Saison 2024/2025 war er dabei an NAC Breda ausgeliehen, für den Club bestritt er 32 Pflichtspiele. „Leo hat seine Qualitäten in der niederländischen Eredivisie, in der Europa League sowie im Trikot der slowakischen Nationalmannschaft mehrfach unter Beweis gestellt und ist nicht nur aufgrund seines Alters für uns ein Mann mit Perspektive“, sagt der Sportvorstand Fabian Wohlgemuth.
Bereits elfmal trug Sauer schon das Nationaltrikot, auch gegen Deutschland in der WM-Qualifikation im vergangenen September beim 2:0-Sieg der Slowaken. Gegen den VfB fiel der 1,84 Meter große Angreifer dagegen zwei Monate später beim 0:2 in den Feyenoord-Reihen nach seiner Einwechslung in der Europa League nicht auf – allerdings sammelte er Eindrücke, die für den VfB vermutlich eher hilfreich waren bei den später folgenden Gesprächen. „Ich erinnere mich noch sehr genau an die Kulisse. Es war laut, es war besonders – das ist das, was den Fußball ausmacht. Ich mag solch eine Atmosphäre“, erinnert sich Sauer und betont: „Es war ein Wow-Effekt.“
Nun beginnt ein neuer Abschnitt – mit einem alten Bekannten. Sauer und der VfB-Abwehrspieler Ramon Hendriks spielten einst beide in der Feyenoord-Jugend. „Seine Verpflichtung geschieht in der festen Überzeugung, dass wir unseren offensiven Ansatz in unserer Spielkultur für die nächsten Jahre weiter stärken und ausbauen können“, sagt derweil der VfB-Sportchef Wohlgemuth.
Allerdings bremsten Sauer während der Rückrunde der Vorsaison gleich zwei Verletzungen. Wochenlang kam er nicht zum Einsatz. Passé. In Stuttgart will der Slowake durchstarten. Am liebsten gleich. Aber auch für den Fall, dass den VfB in diesem Transfersommer gefragte Spieler wie El Khannouss oder Leweling bei entsprechend hohen Angeboten noch verlassen sollten, will mit er seinen Dribblings da sein.
