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Das Lächeln des DFB-Neulings

Finn Jeltsch vom VfB Stuttgart gehört im Abwehrzentrum wohl die Zukunft. Bei Bundestrainer Jürgen Klopp will sich der 20-Jährige nun gut präsentieren.

herzogenaurach - Demnächst gibt es wohl eine Nachzahlung. Das klingt nicht gut, da eine solche Formulierung häufig an ein Versäumnis beim Finanzamt erinnert. Doch im Fall von Finn Jeltsch ist das anders. Beim möglichen Geldfluss handelt es sich um einen Bonus und sollte die vertragliche Voraussetzung erfüllt sein, dürfte der VfB Stuttgart sogar gerne an den 1. FC Nürnberg überweisen. Denn vom Zweitligisten hat der VfB-Sportvorstand Fabian Wohlgemuth den Abwehrspieler verpflichtet – und sollte Jeltsch in der Nationalmannschaft debütieren, muss der VfB zur ursprünglichen Ablösesumme von mehr als neun Millionen Euro einen sechsstelligen Betrag nachzahlen.

Dieser Moment rückt nun näher, da Jeltsch erstmals zum A-Kader des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zählt. In Herzogenaurach präsentiert er sich dabei nach zwei Übungseinheiten „ein bisschen aufgeregt“, wie er zugibt, aber durchaus selbstbewusst. Und da ist ein ständiges Lächeln in sein Gesicht gezeichnet. Der Mittelfranke freut sich über den Besuch in der alten Heimat, aber vor allem auf die Zusammenarbeit mit Jürgen Klopp in den nächsten Tagen. „Er ist sehr positiv und voller Energie. Dazu versucht er, immer Spaß zu vermitteln“, sagt der Neuling über den Bundestrainer.

Ohne große Erwartungen ist Jeltsch zur zweiten Kadergruppe angereist. Nur bei Clubkollege Chris Führich hat er sich zuvor erkundigt, welche Stimmung nach den ersten beiden Nations-League-Spielen gegen die Niederlande (1:1) und Griechenland (0:1) im Team herrscht. Alles okay. Der mäßige Auftakt trübt die Vorfreude auf die Herausforderungen am Donnerstag in München gegen Serbien (20.45 Uhr/ZDF) und am Sonntag (20.45 Uhr/RTL) in Thessaloniki gegen Griechenland nicht. „Ich will mich einfach gut präsentieren“, sagt das Talent, das beim VfB einen Leistungsschub erfahren hat, ehe es beim DFB auf der obersten Stufe angekommen ist.

„Finn hat innerhalb kürzester Zeit den Sprung aus der zweiten Liga in die Bundesliga vollzogen und sich zu einer festen Größe in unserer Mannschaft entwickelt. Er kombiniert Zweikampfstärke mit einer mutigen Spieleröffnung, er ist athletisch stark und spielintelligent“, sagt VfB-Sportchef Wohlgemuth über den Abwehrspieler mit dem bemerkenswerten Profil. Da er zudem mit einer hohen Grundschnelligkeit aufwarten kann, sind neben dem Bundestrainer schon eine Reihe von europäischen Topclubs auf den Stuttgarter Profi, der im Winter 2025 kam, aufmerksam geworden.

Zu den Beobachtern zählen der FC Arsenal, der FC Liverpool und Manchester United aus England, in Spanien ist es Real Madrid und in Italien Juventus Turin. Dazu kommt der FC Bayern München, der wie Klopp in Jeltsch den Verteidiger der Zukunft sieht. „Er wirkt in seinem Spiel bereits sehr abgeklärt“, sagt der Bundestrainer. Ein Merkmal, das den Werdegang des U-17-Welt- und Europameister kennzeichnet. Er war auf dem Platz immer schon voraus. Und: „Er ist sehr lernwillig“, sagt der VfB-Coach Sebastian Hoeneß, der Jeltsch trotz seiner Jugend vertraut.

Fehler gehören dabei zum Reifeprozess. Denn individual- und gruppentaktisch kann sich Jeltsch noch verbessern, um die Abstände zwischen den Mitspielern klarer einzuhalten und die passenden Momente für seine guten Dribblings ins Mittelfeld zu erwischen. Aber das ist Kritik auf hohem Niveau, da die Nachwuchskraft bereits recht konstant auftritt. „Unter dem Strich ist Finn ein Innenverteidiger moderner Prägung, der es in jungen Jahren schon sehr weit gebracht hat und darüber hinaus noch über viel Entwicklungspotenzial verfügt“, sagt Wohlgemuth.

Von der bereits vorhandenen Qualität will der VfB zunächst sportlich profitieren. Finanziell dürfte es auch irgendwann so weit sein. Konkrete Angebote gab es noch nicht. Jeltschs Marktwert liegt bereits bei 35 Millionen Euro. Für diesen Preis würden ihn die Stuttgarter jedoch nicht abgeben. Da geht es eher um eine Ablöse von 50 Millionen Euro plus. Zumal jetzt schon Spiele in der Champions League dazukommen. „Da möchte ich möglichst viele Spielminuten sammeln und ich glaube, diese Erfahrungen können mir dann auch in der Nationalmannschaft helfen“, sagt der Abwehrspieler.

Dauerhaft will sich Jeltsch im DFB-Kreis etablieren – ohne zu weit vorauszuschauen. „Die Nationalmannschaft ist für mich das Höchste“, sagt der 20-Jährige, „vom fußballerischen Niveau, dem Glanz und der Aufmerksamkeit steht sie noch einmal einen Tick über der Königsklasse.“ Und auf der Bühne der Besten soll er sich mit seinen Fähigkeiten beweisen. Zugetraut wird es ihm. „Wir haben uns sehr über seine DFB-Nominierung gefreut und hoffen, dass Finn als A-Nationalspieler zurück nach Stuttgart kommt“, sagt Fabian Wohlgemuth.

Auch, wenn es den VfB Stuttgart eine Nachzahlung kostet.

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