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Das Gazi-Stadion als Zwischenstation

Zur Bundesliga-Heimpremiere des VfB Stuttgart kommen 3370 Fans nach Degerloch. Ziel des Vorstandsvorsitzenden Alexander Wehrle ist, dass die VfB-Frauen eines Tages vor gut gefüllten Rängen in der MHP-Arena spielen. Doch der Weg dorthin ist weit.

  • Bei der Heimpremiere der VfB-Frauen hat es auf der Gegengerade im Gazi-Stadion noch viele freie Plätze gegeben.Foto: Baumann

    Bei der Heimpremiere der VfB-Frauen hat es auf der Gegengerade im Gazi-Stadion noch viele freie Plätze gegeben.Foto: Baumann

Stuttgart - Die Tribünen hinter den beiden Toren waren komplett leer geblieben, auch auf der Gegengerade gab es etliche freie Plätze. Nur nicht in dem Block, vor dem sich die Fußballerinnen des VfB Stuttgart nach der gelungenen Bundesliga-Heimpremiere im Gazi-Stadion feiern ließen. Die Fans, die ihr Team schon während der Partie gegen den Hamburger SV lautstark unterstützt hatten, sorgten nach dem 2:1-Sieg noch einmal für Gänsehaut-Atmosphäre. „Das war geil'“, sagte Kapitänin Maximiliane Rall. Und Dafina Redzepi meinte: „Was für eine super Stimmung! Wir hatten nicht erwartet, dass so viele Leute kommen.“ Zufrieden war auch der Vorstandsvorsitzende des VfB.

Alexander Wehrle hatte schon vor dem Anpfiff im Interview mit der neuen Stadionansagerin Ania Rösler von einem „historischen Moment“ gesprochen, den dieses erste Bundesliga-Heimspiel der Frauen für den VfB bedeute. „Dass hier oben bei den Kickers fast 3500 Leute gekommen sind“, meinte er, „ist echt stark.“ Wichtiger als der kleine Seitenhieb auf den Stuttgarter Viertligisten, der in der Arena unterm Fernsehturm zu Hause ist, war allerdings, was Alexander Wehrle danach sagte: „Für uns ist das Gazi-Stadion nur eine Zwischenstation.“ Weil der eigene Anspruch höher liegt als Degerloch. Viel höher.

Um zu unterstreichen, was schon erreicht worden ist, blickte Alexander Wehrle zunächst zurück auf die drei Aufstiege in Serie. „Wir hatten Ambitionen“, sagte er, „und trotzdem habe ich vor vier Jahren nicht gedacht, dass wir heute hier stehen. Es macht total Spaß, diese Entwicklung zu sehen.“ Und trotzdem ist der VfB sicher, noch lange nicht am Ende zu sein.

Der Start in die Bundesliga war perfekt. Erst wurde beim 2:1-Sieg zum Auftakt bei der TSG Hoffenheim dank Doppeltorschützin Maximiliane Rall ein Rückstand gedreht, nun gelang dies gegen den Hamburger SV gleich noch einmal. Einen Tag lang standen die VfB-Frauen sogar an der Tabellenspitze, an der selbst gesetzten Vorgabe ändert das allerdings nichts. „Wir wollen den Klassenverbleib schaffen“, sagte Vorstandsboss Wehrle, „und wir bleiben schwäbisch bodenständig.“ Zumindest beim Blick auf die laufende Saison.

Denn mit der Zahl von 3370 Fans, die zum ersten Bundesliga-Heimspiel kamen, will und wird sich der VfB Stuttgart nicht zufriedengeben. „Wir haben ehrgeizige Ziele“, erklärte Alexander Wehrle bei seinem Besuch im Gazi-Stadion, „wir sind fest überzeugt, dass wir das Potenzial haben, um in ein paar Jahren in der MHP-Arena zu spielen.“ Einmal gab es das bereits.

Im März 2026 stellte der VfB im Topspiel gegen den FSV Mainz 05 mit 31.736 Zuschauern eine Zweitliga-Bestmarke auf. Nun ist diese Auslastung bei einem einmaligen Ereignis sicher kein Maßstab für die Zukunft, dennoch bleibt die Aussage von Alexander Wehrle bemerkenswert. Denn nach Informationen unserer Zeitung wird intern mit einer Zahl von rund 15.000 Fans kalkuliert, die nötig sind, um bei Spielen in der MHP-Arena eine schwarze Null zu schreiben. Wie ambitioniert dieses Vorhaben des Aufsteigers ist, zeigt ein Blick in die Statistik.

Die Frauenfußball-Bundesliga hat ein Rekordjahr hinter sich. In der Saison 2025/26 kamen zu den 182 Spielen insgesamt 653.750 Fans – das bedeutet einen Schnitt von 3592 pro Partie. Nummer eins in der Zuschauertabelle war Union Berlin (Schnitt 8202), es folgten der Hamburger SV (6934) und der FC Bayern (6715). Im Vergleich zur Saison 2021/22, als der Schnitt noch bei 806 Besuchern pro Spiel lag, ist das eine erhebliche Steigerung. Und trotzdem ist es bis zu der Zahl, die der VfB bräuchte, um bei Partien in der MHP-Arena nicht draufzulegen, noch ein weiter Weg. Umso wichtiger sind in Stuttgart weitere sportliche Entwicklungsschritte.

Obwohl in der Bundesliga erstmals nur noch namhafte, große Clubs vertreten sind, hat der VfB gleich zum Auftakt gezeigt, dass er absolut konkurrenzfähig ist. „Wir haben ein tolles Team, auch charakterlich“, sagte Manager Sascha Glass, „der Mix aus vielversprechenden Talenten und Spielerinnen mit Erfahrung stimmt. Ich habe für diese Saison ein sehr gutes Gefühl.“ Und darüber hinaus viel vor.

Das Ziel des VfB ist, die Fanbasis für das Frauen-Team stetig zu vergrößern. Der Erfolg und der Identifikationsfaktor spielen dabei eine wichtige Rolle. „Wir werden auch in Zukunft dem eigenen Nachwuchs und Spielerinnen aus der Region eine Plattform bieten“, erklärte Sascha Glass, „und ich hoffe, dass wir die eine oder andere VfB-Spielerin irgendwann dann auch im Nationalteam sehen werden.“ Schließlich ist sportliche Extraklasse das beste Mittel gegen freie Tribünenplätze.

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