Stuttgart - Ob ein Wechsel von einen Verein zum anderen am Ende als richtige Entscheidung einzuschätzen ist, zeigt sich meist erst nach einigen Monaten, manchmal auch erst nach Jahren. Adriana Achcinska dagegen zieht schon nach rund fünf Wochen eine positive Bilanz. Aus einem besonderen Grund. Obwohl die Wohnungssuche in und um Stuttgart schon mal schwierig sein kann, hat die Polin bereits wenige Tage nach der Ankunft in Stuttgart eine Bleibe bezogen. Und dann auch noch ganz in der Nähe des Clubzentrums des VfB Stuttgart. „Es passt perfekt“, sagt Achcinska und betont: „Das war ein weiteres Zeichen, dass es der richtige Schritt war, zum VfB zu wechseln.“
Für weitere Signale ist sie ab dem kommenden Wochenende selbst mit zuständig. Mit dem Auswärtsspiel am Sonntag (14 Uhr) bei der TSG Hoffenheim beginnt für die Frauenmannschaft des VfB nach drei Aufstiegen in Folge die erste Saison in der Fußball-Bundesliga. „Ich kann“, sagt Achcinska, „kaum erwarten, dass es losgeht.“
Die Mittelfeldspielerin kennt sich aus in der Liga, spielte zuletzt fünf Jahre für den 1. FC Köln – zu dem sie im Sommer 2021 in einer ähnlichen Situation kam wie Achcinska sie nun beim VfB vorfand. „Auch dorthin bin ich gekommen, als der Club gerade in die erste Liga aufgestiegen war“, sagt sie und weiß damit auch, in welcher Rolle die Stuttgarterinnen nun in ihr Erstliga-Abenteuer starten: als Außenseiter – was die 24-Jährige im Grunde ganz gut findet.
„Ich freue mich, dass wir in der Rolle des Underdogs in die Saison gehen können“, sagt Adriana Achcinska. Was nicht heißen soll, dass sich der VfB damit kleiner macht, als er in Wirklichkeit ist. Denn die polnische Nationalspielerin sagt auch: „Wir sind stark genug, um in der Bundesliga eine gute Rolle zu spielen.“ Und: „Unser Kader ist richtig gut. Ich bin sicher, dass wir der Bundesliga etwas geben können.“ In diesem Aufgebot des VfB stellt sie selbst ein besonderes Element dar.
Es ist zwar nicht so, dass es dem Team der Stuttgarterinnen komplett an Durchsetzungsfähigkeit gefehlt hat. Sonst wären die drei Aufsteige von der Ober- in die Bundesliga auch nicht so schnell und in Folge gelungen. Dennoch sagt die neue Kapitänin Maximiliane Rall: „Ada bringt etwas rein, was wir bisher nicht hatten.“ Körperlichkeit, Kampfgeist, Zweikampfhärte, Emotionen.
„Zweikämpfe mag ich und kann ich gut“, sagt Achcinska und betont: „Ich kämpfe immer bis zur letzten Sekunde.“ Mitspielerin Maxi Rall kann bestätigen, dass das auch für die Trainingseinheiten gilt: „Da ist auch mal richtig Feuer drin.“ Das dem VfB-Team nun helfen soll, in der Bundesliga die nötige Widerstandskraft gegen deutlich stärkere Gegnerinnen als bisher zu entwickeln. Als früheres Vorbild nennt die Polin N'Golo Kanté. Der heute 35-jährige Franzose gewann als zentraler Mittelfeldspieler 2018 den WM-Titel, holte 2019 mit dem FC Chelsea den Sieg in der Europa League und 2021 den Henkelpott der Champions League. Von solchen Trophäen ist Achcinska zwar ein Stück weit entfernt, aber sie betont ihre persönlichen Ambitionen: „Ich habe große Ziele als Profi-Fußballerin und kann mich noch in vielen Bereichen entwickeln.“ Mit dem VfB zählt in dieser Spielzeit zunächst der Klassenverbleib, mit dem Nationalteam geht es demnächst in den Play-offs gegen Belgien um die Teilnahme an der WM 2027 in Brasilien.
Über 40 Länderspiele hat die Mittelfeldspielerin bereits für Polen bestritten, unter anderem drei bei der EM 2025. Dazu zählte auch das 0:2 zum Auftakt gegen die deutsche Nationalmannschaft. „Über meine Leistungen in Stuttgart will ich dafür sorgen, Stammspielerin im Nationalteam zu bleiben“, sagt Achcinska, die beim VfB eine von elf Neuzugängen ist. „Die Nationalmannschaft“, sagt sie, „ist für mich sehr wichtig und immer etwas Besonderes.“
Besonders waren auch die drei Partien, die sie in den vergangenen Jahren mit dem 1. FC Köln im Rheinenergie-Stadion bestritten hat. „Das hat riesigen Spaß gemacht“, erinnert sie sich. Dass auch die VfB-Frauen schon in der großen MHP-Arena gespielt haben, hat sie mitbekommen. Zum Zweitligaspiel gegen den 1. FSV Mainz 05 kamen Ende März dieses Jahres 31.736 Zuschauer. Für die neue Saison ist erneut mindestens eine Partie in der MHP-Arena geplant. „Ich hoffe“, sagt Adriana Achcinska, „dass dann noch mehr Zuschauer kommen.“Das gute Gefühl bezüglich des Wechsels zum VfB würde das sicher noch einmal verstärken.

