Ludwigsburg. Nach dem Einsturz der Carolabrücke in Dresden stellt sich auch die Frage, wie es um die Sicherheit der Brückenbauwerke im Landkreis Ludwigsburg bestellt ist. Nach Auskunft des Landratsamtes werden 63 Brücken im Zusammenhang mit Kreisstraßen, die dem Landkreis gehören, regelmäßig untersucht. Für diese Kontrollen ist der Fachbereich Straßen im Landratsamt zuständig. Spezialisierte Ingenieurbüros werden jeweils für die vorgeschriebenen Brückenprüfungen beauftragt.
Das Regierungspräsidium Stuttgart (RP) unterscheidet Brücken in sogenannte Teilbauwerke. Das heißt, dass sich eine Brücke beim RP aus mehreren Teilbauwerken zusammensetzen kann. Im Landkreis Ludwigsburg ist das RP zuständig für insgesamt 198 Teilbauwerke an Bundes- und Landesstraßen, die sich in der Baulast des Bundes (54) oder des Landes (144) befinden.
Brückenbauwerke werden im dreijährigen Turnus untersucht. Dies ist in der DIN 1076 geregelt. Wie das Landratsamt mitteilt, findet demnach alle sechs Jahre eine Hauptprüfung und drei Jahre später eine sogenannte Einfachprüfung statt. Bei diesen Prüfungen wird das Bauwerk „handnah“, also so nah, dass buchstäblich jeder einzelne Quadratmeter der Brücke mit der Hand angefasst werden kann, mit Hubsteigern, Brückenuntersichtgeräten, Leitern und Taucher untersucht. Dabei werden auch Abdeckungen wie beispielsweise Lagermanschetten oder Schutzhauben für Seile entfernt und kontrolliert. Im Rahmen dieser Prüfung wird das gesamte Bauwerk mit einem Hammer abgeklopft. Dies macht man, um Hohlstellen im Beton festzustellen. Sollten Risse vorhanden sein, werden diese vermessen und fotografiert, um diese mit vorangegangenen Untersuchungen zu vergleichen.
Schäden werden dokumentiert und in Kategorien eingeteilt
Nach größeren, den Zustand der Brückenbauwerke beeinflussenden Ereignissen, wird eine Sonderprüfung durchgeführt. Zudem werden die Brücken im Rahmen der Bauwerksüberwachung durch den Straßenbetriebsdienst kontrolliert. Dieser setzt sich aus einer jährlichen Besichtigung und einer zweimal im Jahr stattfindenden laufenden Beobachtung zusammen.
Zur Prüfung gehört auch, dass alle Schäden genau dokumentiert und in bestimmte Kategorien eingeteilt werden. Dazu gehören beispielsweise Standsicherheit, Verkehrssicherheit und Dauerhaftigkeit. Je nach Schwere der Schäden bekommt das Bauwerk eine Note, um den Zustand des Bauwerks darzustellen.
Die Dauer einer solchen Untersuchung ist abhängig von der Größe und Art der Brücke. Flussbrücken oder einfache Brücken sind sehr unterschiedlich und brauchen jeweils spezielle Geräte zur Prüfung. Auch Sperrungen und Sperrzeiten wirken sich auf die Untersuchungsdauer aus. Diese kann von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen variieren. Ein besonderer Sanierungsfall war die erst kürzlich sanierte Enzbrücke in Oberriexingen, die vor wenigen Wochen wieder für den Verkehr freigegeben wurde.
Besondere Problemfälle bei Brücken im Landkreis Ludwigsburg sieht das RP derzeit keine. Allerdings sind einige Brückenbauwerke sanierungsbedürftig (siehe „Sanierungsbedürftige Brücken im Landkreis Ludwigsburg). Häufigste Ursache, die eine Sanierung notwendig macht, ist Wassereintritt in das Bauwerk. Oft wird dies durch eine Chloridbelastung, hervorgerufen durch Streusalz, verursacht. Tausalzhaltiges Wasser schädigt Brücken aus Stahl sowie den Spann- und Bewehrungsstahl von Betonbrücken. Weitere Ursachen sind Betonabplatzungen sowie altersbedingte Sanierungen, die alle 25 bis 30 Jahre notwendig sein können.
Das Regierungspräsidium weist zudem darauf hin, dass ein Großteil der Brücken aus den 1960er und 1970er Jahren stammt und das Verkehrsaufkommen seitdem um ein Vielfaches angestiegen ist. Viele Brücken seien für ein solch hohes Verkehrsaufkommen, wie es derzeit zu verzeichnen ist, nicht konzipiert. Folglich komme es zur Ermüdung der Materialien wie Beton und Stahl. Je häufiger ein Bauwerk von Fahrzeugen überquert wird, desto schneller ermüdet es. Besonders stark wirkt sich laut dem Regierungspräsidium Stuttgart der Schwerlastverkehr aus. Die ermüdeten Materialien sind dem Wetter und anderen Umwelteinwirkungen ausgesetzt.
Die älteste Brücke im Zuständigkeitsbereich des Ludwigsburger Landratsamtes steht in Eberdingen und überbrückt den Strudelbach. Die Brücke wurde 1861 errichtet und mehrfach umgebaut und saniert. Im Bereich des Regierungspräsidiums Stuttgart ist die Gündelbachbrücke in Gündelbach aus dem Jahr 1750 das älteste Brückenbauwerk.
Sanierungsbedürftige Brücken im Landkreis Ludwigsburg
L 1115-Neckarbrücke bei Besigheim. Dort rechnet das RP mit einem Baubeginn nicht vor 2030.
B 27-Überführung bei der Anschlussstelle Ludwigsburg-Süd beim Autokino Kornwestheim. Sie wird durch einen Neubau ersetzt. Die Bauarbeiten laufen seit August und sind voraussichtlich im September 2025 abgeschlossen.
Schleusenbrücke in Hessigheim. Sie ist nach Auskunft des Landratsamts in keinem guten Zustand. Dort werden derzeit Untersuchungen und eine Schadensanalyse durchgeführt, um die Schäden detaillierter zu ermitteln. Eine mittelfristige Sperrung ist geplant und wird gerade vorbereitet.
L 1124-Brücke über die Bahn bei Erdmannhausen. Ein Ersatzneubau ist derzeit in Planung. Die Ausführung soll 2026 bei einer von der Deutschen Bahn geplanten Streckensperrung erfolgen.
L 1129-Neckarkanalbrücke zwischen Freiberg und Pleidelsheim. Hierfür läuft derzeit die Sanierungsplanung. Die Bauausführung soll voraussichtlich im Sommer 2025 erfolgen.
L 1100-Murrbrücke bei Marbach. Ein Ersatzneubau ist nach Informationen des RP erforderlich. Planung und Bauausführung sollen in einem Paket 2025 als funktionelle Ausschreibung ausgeschrieben werden. Damit sollen innovative Ideen beim Neubau gefördert und die Bauzeit beschleunigt werden. Die Bauarbeiten werden voraussichtlich 2026 stattfinden.
L 1129-Neckarbrücke bei Freiberg. Sie ist zu schmal für den Begegnungsverkehr von Lastwagen. Eine Instandsetzung und Verbesserung der Bestandsbrücke ist, so das RP, wirtschaftlich nicht sinnvoll. Die Ausführung könne vermutlich frühestens 2027 angestoßen werden. (mh)

