Vaihingen. Wie viele Gäste werden es sein? Der Platz vor dem Vereinsheim des VfB ist übersät von gut gelaunten Menschen. Die Sonne lacht vom Himmel, am Morgen sind die Temperaturen noch erträglich. Letzte Hinweise gibt es von Volker Blessing, dem Verlagsleiter der VKZ. Bürgermeister Klaus Reitze hat die Ehre, pünktlich um 10 Uhr den Startschuss abfeuern zu dürfen. Der gemeinsame Start ist Standard seit der ersten Tour, die 1980 nach Riet führte und eine Idee des verstorbenen VKZ-Redaktionsleiters Joachim Fiebig war.
Ein Erlebnis mitten in den Sommerferien sollte damals angeboten werden. So ist es auch heute noch. Allerdings werden die Teilnehmerzahlen von einst schon lange nicht mehr erreicht. Unvorstellbar die 1351 von 1993 in Oberriexingen. Am Samstag wurden 471 Radlerinnen und Radler notiert, 138 Gäste waren auf der Wandertour dabei.
Letzte Besprechung der Hilfskräfte: Polizei, Feuerwehr, DRK sind vorbereitet und wollen dafür sorgen, dass alles glatt läuft. Gut fünf Minuten dauert es, bis sich der Radlertross komplett in Bewegung gesetzt hat. Freibadbesucher haben schlechte Karten, ebenso der Verkehr auf der Auricher Straße. Die wird kurz von der Polizei dicht gemacht. Der Stau reicht bis über die B 10-Brücke Richtung Aurich hinaus. Schön, dass auf dem Weg Richtung Seemühle beim Alten Badplatz die Schlaglöcher gestopft wurden. Da ist wohl ein Dank an die Stadtverwaltung Vaihingen angesagt. Dann wieder Polizeieinsatz bei der Straßenquerung kurz vor dem Steinbruch.
Plauderei beim Fahren. Reinhard Binder (73) aus Iptingen ist schon mit dem Rad zum Start gekommen. Er ist erstmals dabei. Doch zur Sicherheit hat er die Strecke schon am Donnerstag mal abgefahren. Lob gibt’s von ihm für die Markierungen auf dem Boden. Die lösen sich übrigens nach wenigen Wochen wieder auf. Ein junger Mann aus Horrheim ist mit seinem Liegerad dabei. Nach einem Schlaganfall hat er sich wieder ins Lebens zurückgekämpft und freut sich in Begleitung der Eltern auf die Fahrt. Nach rund sieben Kilometern kümmert sich das DRK um einen jungen Mann, der wohl einen Schwächeanfall erlitten hat. Alles unter Kontrolle.
„Leichte Übung“ für versierte Alpenüberquerer
„Das ist doch eine leichte Übung“, meint der Radler, der vor Kurzem ohne E-Antrieb eine Alpenüberquerung absolviert hat, 700 Kilometer waren es. Ein Gast vom Radsportverein Bissingen erzählt, dass er schon oft bei der Tour in Vaihingen mit dem Start beim Stromberg-Gymnasium dabei war. Und trauert seinem Verein nach: „Er ist aufgelöst. Wie haben keine Helfer mehr gefunden.“ Die Radlerin aus Ensingen ist bei Serres etwas orientierungslos: „Hab’ keine Ahnung, wo wir hier sind. In diese Gegend komm’ ich ja so gut wie nie.“
Andrang bei der Ensinger-Station in Serres. Sie liegt leider etwas abseits. Doch das Auftanken ist nach den Anstiegen wichtig. Mittendrin auch der Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Vaihingen, Konrad Epple (CDU) aus Ditzingen, der ein treuer Besucher der Tour ist und eigentlich ohne Not nicht in den Enzkreis kommt. Zur Feier des Tages hat er ein 1860er-Trikot mit der Rückennummer 60 angezogen. Erinnerung an seinen 60. Geburtstag. Und bei der Weiterfahrt spendieren ihm Kinder am Straßenrand ein Seifenblasenbad. Georg Rapp aus Gündelbach hat wie immer seinen kleinen Hund, einen Mischling, dabei. Sein Käfig ist hinten aufgespannt. Das Gespann kennt man inzwischen.
Mit 50 Sachen geht es nach dem beschwerlichen Aufstieg runter ins Tal
Beeindruckend der Neubau der Freiflächen-Photovoltaikanlage „Zwergberg“ zwischen Iptingen und Serres. Bauherr ist die EnBW. Wie versprochen ist der Weg frei. Dann Entspannung pur bei der Abfahrt nach Iptingen. Da rauscht manch einer mit über 50 Sachen ins Tal runter. Schön, dass alle prägnanten Stellen mit Polizei (die natürlich überschlägig im Einsatz ist) und Feuerwehr besetzt sind. Das Kreuzbachtal ist mit seinen Viehweiden besonders reizvoll und für viele schlicht eine Entdeckung.
Nochmal ein Anstieg nach Nussdorf hoch. Jetzt reicht’s dann allmählich. Caprice Mayer und Laura Stracke vom DRK Vaihingen haben sich beim Laiseacker-Hofladen Eisbecher gekauft und lassen die „Touristen“ an sich vorbeirollen. „Alles gut.“ Wenig später unternimmt Konrad Epple noch schnell einen Abstecher in den Berghof Kinzinger. Ein Schlückchen vom dortigen Wein muss wohl sein. Die Abfahrt auf der Bonlander Steige haben alle gut überstanden. „Steile Abfahrt, bitte bremsen“ – die Mahnung auf dem Schild ist nicht zu übersehen. Nochmals geht es auf der Beerhaldenstraße etwas aufwärts und in die Klaiberstraße. Kurz vor dem Hammelbergweg wandert ein Mann mit zwei Stöcken mit den Radlern mit. Wolfgang Grau aus Horrheim ist am Morgen um 6 Uhr auf die Tour gegangen. „Es war so schee“, schwärmt er.
Noch zwei Kilometer. Frage an einen Bekannten: „Zufrieden?“ Es kommt ein energisches Nein. Der persönliche Leistungsabfall sei der Grund. Wenig später ist das Ziel erreicht. Und die erste enttäuschte Mitteilung eines langjährigen Mitradlers: „Es gibt nur Flaschenbier ... und viel zu wenig Sonnenschirme.“
„Es war schon ein wenig bergig“, sagt die Nachbarin, die ohne Motor auf die Strecke gegangen ist. Aber nach knapp drei Stunden ist sie auch da. Und auch die Eheleute Pätzold aus Enzweihingen, die ihren Nachwuchs der Feuerwehr in Obhut gegeben haben: „Es war für sie einfach zu viel. Für Kinder war es schon grenzwertig.“ Rudolf Mauch aus Vaihingen betitelt die 44. Tour als „sportlich“. Mit seinen 80 Lenzen ist er jedoch ohne Elektroantrieb über alle Hügel gekommen. Ebenso Uli Trostel. Die DRK-Leute schauen einem Radler noch schnell in die Augen: „Ist das Mückchen raus?“ Zufrieden ist Martin Fischer vom Vaihinger Zweiradgeschäft. Er hat nicht einen Ersatzschlauch benötigt. Mal etwas Luft. Aber das ist ja kein Problem.
Der Auftrag an die Planer der S-VKZ-Tour für 2025 – das Ziel steht derzeit noch nicht definitiv fest – ist wohl herauszuhören gewesen: weniger Berge.









