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Beratung der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen: Mit Gesprächen Hoffnung schenken

In diesem Jahr werden Spenden für den Förderverein des Vaihinger Enztalbads und die Diakonische Bezirksstelle gesammelt. Heidelinde Finkbeiner-Knapp erklärt im Interview die Bedeutung der Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diakonie.

  • Katharina Fröhlich von der Diakonischen Bezirksstelle (links) im Beratungsgespräch mit einer Kundin. „Oft reicht ein Gespräch, damit es leichter wird.“ Foto: p

    Katharina Fröhlich von der Diakonischen Bezirksstelle (links) im Beratungsgespräch mit einer Kundin. „Oft reicht ein Gespräch, damit es leichter wird.“ Foto: p

Vaihingen (red). Die Spendenaktion 2025 der Vaihinger Kreiszeitung läuft. In diesem Jahr sollen die Zuwendungen freigiebiger Bürgerinnen und Bürger oder generöser Unternehmen zwei Zwecken zugute kommen: dem Förderverein des Vaihinger Enztalbads und dem Nothilfefonds der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen. Die Spendenaktion läuft bis zum 6. Januar. In verschiedenen Beiträgen stellt die VKZ bis dahin vor, für was das Geld verwendet werden soll.

Es tut gut, reden zu dürfen

Dieses Mal steht das Beratungsangeot der Diakonischen Bezirksstelle im Mittelpunkt. Die Mitarbeitenden wissen: In eine Lebenskrise kann jeder einmal geraten. Denn manchmal läuft das Leben – und manchmal gerät es ins Stolpern. Beziehungen werden brüchig, Familien stehen unter Druck, Sorgen wachsen leise, aber stetig. Viele versuchen lange, alles allein zu tragen – bis der Punkt kommt, an dem klar wird: So geht es nicht weiter. Dann tut es gut, reden zu dürfen. Und ernst genommen zu werden. Heidelinde Finkbeiner-Knapp gibt hier im Folgenden einen Einblick in die Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

Frau Finkbeiner-Knapp, wer kommt zu Ihnen in die Beratung?

Heidelinde Finkbeiner-Knapp: Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenslagen. Paare, die sich im Alltag verloren haben und kaum noch miteinander sprechen. Eltern, die erschöpft sind und Sorge haben, ihren Kindern nicht mehr gerecht zu werden. Einzelpersonen nach Trennung, Krankheit, Verlust oder in Lebensphasen, in denen der innere Kompass fehlt. Viele sagen: „Wir haben lange versucht, das alleine zu schaffen – jetzt geht es nicht mehr.“

Wie erleben Sie diesen ersten Schritt?

Als sehr mutig. Sich einzugestehen, dass man Unterstützung braucht, kostet Kraft. Viele zögern lange. Umso schwerer ist es, wenn Menschen sich endlich melden – und dann merken, dass die Wartelisten lang sind oder sie sich Sorgen machen, ob sie sich Beratung leisten können. Dabei ist dieser Schritt ein Zeichen von Verantwortung – für sich selbst und für andere – nicht von Scheitern.

Was bewirkt Beratung?

Manchmal ist es ein einzelner Satz. Eine neue Frage. Ein Perspektivwechsel. Wenn Menschen merken: Ich bin mehr als mein Problem. Es gibt noch Verbindendes in meinem Leben. Ich habe Handlungsspielräume. Dann entsteht wieder Luft zum Atmen. Abstand hilft, Klarheit zu gewinnen. Und Klarheit macht Mut.

Wie arbeiten Sie in der Beratung?

Im Gespräch – und darüber hinaus. Wir nutzen auch Bilder, Symbole, kleine Aufstellungen oder Körperwahrnehmung. Das hilft, Dinge sichtbar zu machen, die sonst im Inneren feststecken. Entscheidungen werden greifbarer, neue Wege denkbar. Wie vielfältig Beratung wirkt, zeigt sich besonders deutlich in konkreten Begegnungen aus dem Beratungsalltag.

Was Beratung konkret bewirken kann – Beispiele aus der Praxis

Ein Paar kommt nach vielen Jahren Beziehung. Die Gespräche zu Hause drehen sich nur noch um Organisation, Vorwürfe oder Schweigen. In der Beratung wird deutlich, wie erschöpft beide sind – und wie viel Verletzung unausgesprochen geblieben ist. Nach einigen Terminen sagen sie: „Wir streiten noch – aber anders. Wir hören wieder zu.“

Eine junge Mutter meldet sich nach einer Trennung. Sie fühlt sich allein, finanziell unter Druck und zweifelt an sich selbst. In der Beratung findet sie Orientierung und lernt, sich Unterstützung zuzugestehen – obwohl sie sich kaum an den Kosten beteiligen kann. Später sagt sie: „Ich habe wieder Boden unter den Füßen.“

Ein Mann kommt nach einer schweren Erkrankung. Äußerlich funktioniert er, innerlich ist vieles durcheinander. In der Beratung findet er Worte für seine Ängste und lernt, freundlicher mit sich selbst umzugehen. Am Ende sagt er: „Ich habe wieder Vertrauen – in mich und in das Leben.“

Wenn Hilfe gesucht wird – und nicht sofort verfügbar ist

„Der Bedarf an Beratung ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen“, sagt Heidelinde Finkbeiner-Knapp. „Lebenssituationen sind komplexer geworden, Belastungen vielfältiger. Gleichzeitig sprechen Menschen offener über seelische Not – zum Glück.“ Doch wer nach langem Zögern Hilfe suche und dann warten müsse oder am Geld scheitere, erlebe das oft als zusätzlichen Rückschlag. „Deshalb erhöhen wir ab Januar das Beratungsdeputat und verstärken das Team durch eine weitere Honorarkraft: Anne-Maren Vienken. Ziel ist es, Wartezeiten zu verkürzen und schneller entlasten zu können.“

Was Beratung kostet – und warum Spenden so wichtig sind

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung finanziert sich nicht von selbst. Sie wird getragen durch die Kostenbeteiligung der Ratsuchenden, durch Spenden und zu einem kleinen Teil durch Kirchensteuermittel. Menschen, die es können, beteiligen sich an den Kosten – derzeit mit 35 Euro pro Stunde. Diese Beteiligung reiche jedoch nicht aus, um die laufenden Kosten für qualifiziertes Fachpersonal, Räume und Organisation zu decken. „Gleichzeitig kommen viele Menschen zu uns, deren finanzielle Spielräume sehr begrenzt sind“, berichtet Finkbeiner-Knapp. Beratung solle aber nicht am Geld scheitern. Spenden helfen deshalb dabei, dass Menschen in einem entscheidenden Moment nicht allein gelassen werden und die Hilfe bekommen, die sie brauchen.

Angebote für viele – nicht nur für Ratsuchende

„Als Diakonische Bezirksstelle in Vaihingen verstehen wir Beratung nicht nur als Hilfe im akuten Krisenfall“, betont Finkbeiner-Knapp. „Unser diakonischer Auftrag ist es, Menschen frühzeitig zu stärken, Orientierung zu geben und Räume zu eröffnen, in denen Fragen des Lebens Platz haben. Deshalb veranstalten wir zweimal im Jahr offene Abende zu Themen, die viele Menschen betreffen. Sie greifen Erfahrungen aus der Beratungsarbeit auf und machen sie für ein breites Publikum zugänglich – verständlich, alltagsnah und ohne Voraussetzungen. Man kann einfach kommen, zuhören und wieder gehen – ohne etwas von sich preisgeben zu müssen.“ Themen wie „Feind in meinem Kopf – Freund in meinem Kopf“ oder „Was trägt, wenn das Leben brüchig wird?“ sollen dazu einladen, mitzudenken und sich selbst ein Stück besser kennenzulernen. Der nächste Vortrag ist für März geplant. Für manche seien diese Abende eine erste Ermutigung, für andere ein vorsichtiger Schritt, sich mit den eigenen Fragen nicht länger allein zu fühlen. Und manchmal sei es genau dieser Schritt, der später den Weg in eine Beratung erleichtere.

Beratung kann ein Anfang sein

Auf die abschließende Frage an Heidelinde Finkbeiner-Knapp nach ihrem Wunsch für das kommende Jahr, sagt sie: „Dass Menschen früher kommen. Nicht erst, wenn alles festgefahren ist. Oft reicht ein Gespräch, damit es leichter wird. Beratung löst nicht alles. Aber sie kann ein Anfang sein. Ein Gespräch, das trägt. Und ein Zeichen: Du musst da nicht allein durch.“

So können die VKZ-Leserinnen und -Leser spenden

Wer den Förderverein oder die Diakonie – oder gerne auch beide – unterstützen möchte, kann eine Spende überweisen. Das Spendenkonto der Diakonie bei der Kreissparkasse Ludwigsburg hat folgende IBAN: DE90 6045 0050 0008 8140 78. Bitte bei der Überweisung als Betreff „VKZ-Spendenaktion“ angeben. Das Spendenkonto des Fördervereins des Vaihinger Enztalbads bei der Volksbank Ludwigsburg hat folgende IBAN: DE16 6049 1430 0613 8100 07. Bitte auch hier bei der Überweisung als Betreff „VKZ-Spendenaktion“ angeben.

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