Vaihingen. „Wir gehen auf Beobachtungsmodus“, sagt Thomas Korz, Kommandant der Vaihinger Feuerwehr. Der Deutsche Wetterdienst hat in den vergangenen Tagen eine Unwetterwarnung herausgegeben. Am heutigen Donnerstag soll die Gewitterlage ihren Höhepunkt erreichen.
Prognosen wie diese sind tückisch. Sie können alles oder nichts bedeuten – das Ergebnis reicht vom harmlosen Schauer bis hin zu heftigen Regenfällen, die binnen kurzer Zeit Straßen fluten und Keller unter Wasser setzen. „Die Vorhersagen sind sehr problematisch. Der Starkregen kann schnell kommen und man kann nicht vorhersagen, wo genau er passiert“, erklärt Korz.
Am gestrigen Mittwoch sieht es für den Raum Vaihingen ruhig aus. Man sei in einer gewissen Habachtstellung, sagt der Kommandant. Aus Feuerwehrsicht handle es sich um „eine normale Gewitterwarnung“. Diverse Wetter-Apps behält man auf der Wache dennoch im Blick. Zum Beispiel die des Deutschen Wetterdiensts. Dort zeigt eine Warnkarte an, wo Unwetter drohen.
„Nicht jeder Keller ist ein Feuerwehreinsatz.“
Thomas Korz, Feuerwehr Vaihingen
Steigt die Warnstufe für den Raum Vaihingen, trifft die Feuerwehr entsprechende Vorkehrungen. Ein sogenanntes Führungshaus wird aufgebaut. Die dort eingesetzten Kräfte priorisieren und koordinieren die eingehenden Einsätze und halten den Kontakt zu Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen von Bauhof, Stadtverwaltung, Deutschem Roten Kreuz und DLRG. Sandsäcke hält die Feuerwehr ohnehin vor. Diese stehen im Landkreis an verschiedenen Orten zur Verfügung. In Walheim gibt es eine Sandsackfüllmaschine. „Wir können also schnell aufstocken“, erklärt Korz.
In den zurückliegenden Jahren haben Unwetter und Starkregen immer wieder die Einsatzkräfte auch im Raum Vaihingen auf Trab gehalten. Vor fast genau zehn Jahren, im Juni 2013, gab es in der Auricher Ortsmitte kein Durchkommen mehr, in Gündelbach flutete das Wasser die Wachtkopfhalle, in Illingen musste das Seniorenzentrum St. Clara von Booten aus versorgt werden. Zwei Jahre später, im August 2015, stürzten bei einem Sommerunwetter Bäume um und die Vaihinger Bädergasse entlang der Stadtmauer verwandelte sich in einen Bach. Viele Keller standen unter Wasser. Im Juli 2021 traf es unter anderem Großglattbach.
Die Rettungskräfte sind in solchen Fällen im Dauereinsatz. Doch damals wie heute gilt: „Nicht jeder Keller ist ein Feuerwehreinsatz“, stellt Thomas Korz klar. Wenn in den Räumen das Wasser ein bis zwei Zentimeter hochsteht, könne die Feuerwehr mit ihren Gerätschaften wenig machen. Auch gibt er zu bedenken, dass es sich bei solchen Einsätzen um kostenpflichtige Aufgaben handelt. Das heißt: Wer die Feuerwehr zu Hilfe ruft, um einen Keller auszupumpen, erhält in der Regel dafür eine Rechnung. Es sei denn, es wird ein öffentlicher Notstand ausgerufen. Dann werden die Kosten übernommen. Ob ein solcher vorliegt, wird aber erst im Nachgang geprüft.
„Ihre Aufgabe ist primär die Rettung von Menschen und Tieren.“
Infoschreiben Land Baden-Württemberg
Korz appelliert an die Eigenverantwortung der Bewohner und Hausbesitzer. Um Schäden zu reduzieren, sollten beispielsweise wertvolle Gegenstände, die in Kellerräumen lagern, weit oben platziert und Lichtschächte mit Sandsäcken gesichert werden. Auch das Land Baden-Württemberg weist daraufhin, dass die Feuerwehr nur in Notfällen gerufen werden soll: „Bei Überschwemmungen ist die Feuerwehr wegen zahlloser Notrufe durchgehend im Einsatz. Ihre Aufgabe ist primär die Rettung von Menschen und Tieren. Erst danach folgen Ortsschutz und Dammschutz, die Sicherung kritischer Infrastrukturen, Objektschutz und technische Hilfeleistungen.“
Für Betroffene sind Schäden an Haus und Wohnung „superärgerlich“, wie Korz weiß. Insgesamt seien Starkregenereignisse im Raum Vaihingen in den mehr als 30 Jahren, in denen Korz für die Feuerwehr im Einsatz ist, aber glimpflich verlaufen. Es blieb, so- weit er sich erinnern kann, bei Sachschäden. „Wir haben da in Vaihingen oft Glück“, sagt er und bleibt wohl auch deshalb bei der aktuellen Unwetterwarnung entspannt. Er gibt aber auch offen zu: „Das, was im Ahrtal passiert ist, hätte ich mir persönlich nicht vorstellen können, dass das in Deutschland möglich ist.“ Dass es in Vaihingen einmal ähnlich verlaufen könne, glaubt er zwar nicht. „Wir haben eine andere Topografie, einen anderen Flussverlauf. Gefeit ist man davor aber nie.“

