Vaihingen. Wenn Kaninchen im Vaihinger Tierheim abgegeben werden, dann fließen öfter mal die Tränen. Denn viele Menschen, die ihr Herz an die Langohren verloren haben, stehen irgendwann vor einer schweren Entscheidung. Bleibt nach dem Tod eines Vierbeiners ein Partnertier allein zurück, sollte unbedingt wieder für neue Gesellschaft gesorgt werden. Denn ein Kaninchen allein zu halten, ist absolut nicht empfehlenswert. Wer aber nicht immer neue Tiere adoptieren möchte, sollte das verbliebene Tier besser in vertrauenswürdige Hände abgeben. Oft ist das eben das Tierheim – und auch wenn man sich dort sicher sein kann, dass das liebgewonnene Häschen gut behandelt und vermittelt wird, fällt die Trennung schwer.
Solche Szenen hat Tierheimleiterin Anneliese Petzold schon öfter erlebt. Umso wichtiger sei es, dass die Menschen das Gefühl haben können, ihr Tier werde artgerecht untergebracht und versorgt. Im Vaihinger Tierheim hat man dafür in den vergangenen Jahren einiges getan. Vor etwa zehn Jahren wurde eigens für die Langohren angebaut. Damals entstand ein überdachter Außenbereich. In vier großen Gehegen können die Mümmelmänner seither nach Herzenslust ihrem Trieb zu wühlen und zu buddeln nachgehen – in Käfigen ein Ding der Unmöglichkeit.
Trotzdem braucht das Tierheim weiterhin auch Kapazitäten, um eine Unterbringung im temperaturgeschützten Innenbereich gewähren zu können. Denn das Fell der Tiere muss sich erst den äußeren Bedingungen anpassen. Für ein Kaninchen, das ein dichtes Winterfell hat, sind Innentemperaturen eines Hauses viel zu hoch. Und umgekehrt muss sich ein Wohnungstier einen Sommer lang im Freien akklimatisieren, bevor es winterliche Außentemperaturen erträgt. Das muss bei der Unterbringung beachtet werden.
Im sogenannten Nagerzimmer des Tierheims und in weiteren provisorischen Gehegen kann es deshalb vor allem im Winter mitunter recht eng werden, wie Petzold erklärt. Zeitweise warteten dort bis zu 25 Kaninchen auf eine neue Familie. Damit sei dann aber die oberste Grenze erreicht. Denn man könne die Tiere nicht einfach beliebig zusammensperren. Damit es nicht zu ungewolltem Nachwuchs kommt, muss beispielsweise beachtet werden, ob die Tiere kastriert sind. Die Männchen sofort nach der Abgabe kastrieren zu lassen, bringt keine sofortige Entlastung, da die Tiere noch gut sechs Wochen zeugungsfähig bleiben. Außerdem vertragen sich manche Kaninchen nicht miteinander. „Man kann nicht vier unkastrierte Männchen zusammensperren. Das gibt Mord und Totschlag“, formuliert es Petzold drastisch.
Derzeit sind im Nagerzimmer zwei Pärchen unterbracht, die mit mobilen Zäunen voneinander getrennt werden, bis sie sich vielleicht so weit aneinander gewöhnt haben, dass sie gemeinsam gehalten werden können. Es gibt Heuraufen, Klos, Höhlen zum Verstecken. Aber: „Möglichkeiten zum Verbessern gibt es immer“, so Petzold. Damit ist auch der Arbeitsaufwand für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer gemeint. Diese sorgen jeden Tag für Sauberkeit in den Gehegen. Neuerungen, die dabei helfen, den Arbeitsaufwand auch bei einer großen Zahl von Tieren überschaubar zu halten, sind daher stets willkommen. Wer das Tierheim dabei unterstützen möchte, kann dies bei der VKZ-Spendenaktion noch bis zum 6. Januar tun.
Weitere Infos gibt es im Internet unter tierheim-vaihingen.de. Das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Ludwigsburg hat folgende IBAN: DE 1260 4500 5000 0861 1006. Bitte bei der Überweisung als Betreff „VKZ-Spendenaktion“ angeben.

