Ludwigsburg (LL). Der Trockenmauerbau ist eine jahrhundertealte Handwerkskunst, die nicht nur die Kulturlandschaft in Württemberg prägt, sondern in ganz Deutschland eine Rolle spielt: Von den Steillagen im Weinbau über historische Friedhofsmauern und Burgruinen bis hin zu Böschungsmauern und Umfriedungen – überall in Deutschland sind Trockenmauern wichtige Elemente des kulturellen Erbes.
Der Landkreis Ludwigsburg und der Weinbauverband Württemberg beteiligen sich an einer bundesweiten Initiative, die möchte, dass das Handwerk des Trockenmauerbaus ins Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen wird.
„Rückgrat der Kulturlandschaft“
„Die Trockenmauern sind das Rückgrat der Kulturlandschaft unseres Landkreises und bieten einen Mehrwert für die ganze Gesellschaft. Die Weinbergsteillagen dienen sowohl als Erholungs- und Tourismusraum, als auch als Hangsicherung und wichtiger Bereich der Biodiversität“, sagt Landrat Dietmar Allgaier. Es sei ihm wichtig, dem Handwerk des Mauerbaus und damit den Menschen, die diese Kunst mit Schweiß und Geschick ausübten, Anerkennung und Dank zukommen zu lassen. Deshalb unterstütze man gerne die Initiative zur Anerkennung als Immaterielles Unesco-Kulturerbe.
"Faszination Mosel" übernimmt Federführung
Die Federführung der Bewerbung hat die Regionalinitiative „Faszination Mosel“ übernommen. „Eine Eintragung als Immaterielles Kulturerbe wäre eine wertvolle Anerkennung und könnte neue Impulse für Schutzmaßnahmen, Weiterbildungen und die Wertschätzung dieses traditionsreichen Handwerks bringen“, so der Landrat weiter.
Was die Weinpreise damit zu tun haben
Das Handwerk des Trockenmauerbaus ist in Württemberg verbunden mit dem Weinbau insbesondere an Neckar und Enz. Dieser ist aktuell unter großem wirtschaftlichem Druck. So sind in den vergangenen vier Jahren rund zehn Prozent der Steillagenflächen aus der Bewirtschaftung genommen worden. Mit der Aufgabe der Flächen verlieren die Trockenmauern den eigentlichen Sinn ihrer Entstehung.
„Der Erhalt der Mauern und damit die Bewahrung des Handwerks kann uns nur gelingen, wenn die Flächen weiterhin bewirtschaftet werden. Dafür wird ein auskömmlicher Preis des Weines benötigt. Mit der Anerkennung des Handwerks des Mauerbaus als Kulturerbe besteht die Möglichkeit, die Bevölkerung und Konsumenten auf die Einzigartigkeit dieser Kulturlandschaft aufmerksam zu machen“, so Dietrich Rembold, Präsident des Weinbauverbandes Württemberg.
Link beim Landratsamt
Damit die Bewerbung möglichst viele Facetten des Trockenmauerbaus abbildet, wurde ein bundesweiter Beteiligungsprozess ins Leben gerufen. Alle relevanten Akteurinnen und Akteure – Menschen aus Handwerk, aus Wissenschaft, Fachleute aus dem Natur- und Denkmalschutz sowie regionale Initiativen – können sich an einer Online-Umfrage beteiligen. Einen Link hierzu gibt es unter anderem auf der Homepage des Landkreises Ludwigsburg unter landkreis-ludwigsburg.de
Steillagen im Landkreis Ludwigsburg
Der Landkreis Ludwigsburg wird als der Kreis in Deutschland mit den meisten Trockenmauern genannt. Auch wenn laut Landratsamt genaue Zahlen fehlen, da es sich weinbaurechtlich nur um einen speziellen Teilbereich der Abgrenzung Steillage handelt. Die Terrassenlagen sind fast ausschließlich in Handarbeit zu bewirtschaften. Der Arbeitsaufwand liegt um das Vierfache höher als in fahrbaren Lagen.
Im Landkreis Ludwigsburg gibt es seit dem Jahr 2023 die Teilzeitstelle einer Steillagenbeauftragten. Dort werden Kommunen, Bewirtschafter und kreative Ideen rund um das Thema Erhalt der Kulturlandschaft Steillage unterstützt. Weitere Infos unter www.landkreis-ludwigsburg.de

