Der Stuttgarter Kabelspezialist Lapp bleibt auch in schwierigen Zeiten auf Wachstumskurs und hat bei Umsatz und Mitarbeitern zugelegt.
Im vergangenen Geschäftsjahr 2022/2023, das am 30. September endete, konnte Lapp den Umsatz um 2,9 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro steigern. Das Wachstum ohne negative Wechselkurs- und Kupferpreisentwicklung lag bei plus 8,2 Prozent. „Wir sind angesichts der schwächelnden Konjunktur und trotz zunehmend schwieriger Lage im zweiten Halbjahr zufrieden mit dem Geschäftsjahr. Auf das erzielte Umsatzwachstum blicken wir mit Stolz“, sagt Matthias Lapp, Vorstandsvorsitzender der Lapp Gruppe.
Dem Unternehmen machten auch durch die Inflation gestiegene Beschaffungspreise und höhere Logistikkosten zu schaffen. Man wolle das Unternehmen wetterfester machen, Produktion und Logistik resilienter und auf zukünftiges Wachstum ausrichten, sagt Lapp. Bis 2027 will das Stuttgarter Familienunternehmen nach eigenen Angaben mehrere hundert Millionen Euro in Produktionskapazitäten, Technologien und Digitalisierung investieren. Allein im vergangenen Jahr investierte Lapp insgesamt 67 Millionen Euro (plus 66 Prozent).
Im Fokus standen der Ausbau von chinesischen, indischen und europäischen Produktionsstandorten, die Stärkung der Produktionskapazitäten in Frankreich, Italien und der Schweiz sowie die Erweiterung der Lager- und Logistikflächen in den USA.
Mit rund 70 Prozent steuert Europa den größten Anteil zum Lapp-Umsatz bei. Daher setzt Lapp verstärkt auf Wachstum außerhalb Europas. „Die zunehmende Regulierung, die Planungsunsicherheit, hohe Energiepreise und nicht zuletzt der Fachkräftemangel machen uns große Sorgen“, sagt der Lapp-Chef.
Neue Projekte in Südkorea und in den USA
Wachstumstreiber war die Elektromobilität. Das Geschäft verzeichnete ein Umsatzplus von rund 35 Prozent. Um das Wachstum mit neuen Automobilkunden weiter ausbauen zu können, hat Lapp eine Produktionseinheit in Tschechien aufgebaut. Auch im Batteriegeschäft konnte Lapp deutlich zulegen. Lapp-Produkte sind nicht in den Batterien selbst verbaut, die Verbindungslösungen werden aber für entsprechende Automatisierungsanlagen in Fabriken und für Energiespeichersysteme eingesetzt. Neue Projekte sicherte sich das Familienunternehmen etwa in Südkorea und in den USA.
Mit Prognosen ist Lapp vorsichtig: Fürs laufende Geschäftsjahr rechne man aufgrund der anhaltend konjunkturellen Herausforderungen, insbesondere im Heimatmarkt – für Lapp sind das Deutschland, Österreich und die Schweiz – mit einem schwächeren Auftragseingang, dem man kosten- und absatzseitig begegnen müsse.„Generell ist kein Wachstum für uns keine Alternative“, sagt Lapp. Um die globale Wettbewerbsfähigkeit weiter zu stärken, brauche man auch die Mithilfe der Politik, so Lapp mit Blick auf Deutschland.
„Brauchen keine Knüppel zwischen den Beinen“
„Die kostenintensiven Standortfaktoren machen es uns immer schwieriger vorausschauend zu planen und zu wirtschaften. Ich wünsche mir verlässliche Leitplanken und keine Knüppel zwischen den Beinen“, sagt der Lapp-Chef. Die Zahl der Mitarbeiter ist um rund 500 auf weltweit mehr als 5500 gestiegen.

