Vaihingen (p). Sie arbeiten in der Diakonischen Bezirksstelle in Vaihingen und bieten in der Sozial- und Lebensberatung wöchentlich offene Sprechstunden an. Was genau kann man sich darunter vorstellen? Können Sie den Leserinnen und Lesern ein paar allgemeine Informationen zu Ihrer Arbeit geben?
Andrea Magenau: Unser Team besteht aus drei Beraterinnen: Frau Ruhl, Frau Fröhlich und mir. Gemeinsam decken wir ein breites Spektrum an Themen ab, von finanziellen Sorgen und Konflikten im Alltag bis hin zu Fragen rund um Trennung, Schwierigkeiten im Familienleben, persönlichen Problemen, rechtlichen Fragen oder bürokratischen Herausforderungen. Die Sozial- und Lebensberatung ist ein Angebot der Diakonischen Bezirksstelle Vaihingen. Wir arbeiten eng mit anderen internen und externen Arbeitsbereichen wie der Schuldnerberatung, der Sucht- oder Kurberatung und weiteren Hilfsangeboten zusammen, um den Menschen eine ganzheitliche Unterstützung zu bieten.
Katharina Fröhlich: Unsere offenen Sprechstunden sind ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit. Zusätzlich können wir bei Bedarf individuelle Termine für ausführlichere Beratungsgespräche vereinbaren. Wichtig ist uns, dass wir unbürokratische und verlässliche Hilfe anbieten. Unsere offenen Sprechstunden finden jeden Montag und Donnerstag statt. Wir haben pro Termin sechs Beratungsplätze, die ohne Anmeldung verfügbar sind. Das Angebot richtet sich an Menschen, die dringend Unterstützung brauchen, sei es bei sozialen, finanziellen oder familiären Problemen. Jana Ruhl: Natürlich kommt es vor, dass wir nicht alle Hilfesuchenden an einem Tag beraten können, da es zu viele sind. In solchen Fällen prüfen wir, ob es sich um einen Notfall handelt, ob Alternativen möglich sind oder ob das Anliegen bis zur nächsten Sprechstunde warten kann.
Magenau: Unser Ziel ist es, präsent zu sein und die Hemmschwelle für den ersten Kontakt so niedrig wie möglich zu halten. Viele Menschen sind unsicher, wenn sie Hilfe suchen, und die offenen Sprechstunden sind ein guter erster Schritt. Hilfe zu bekommen, wenn man sie dringend braucht, ist heute leider keine Selbstverständlichkeit mehr. Lange Wartezeiten, fehlende Beratungsplätze, überlastete Behörden, die einer Festung gleichen, komplexe Antragswege können Menschen an den Rand der Verzweiflung bringen.
Können Sie uns Beispiele aus Ihrem Beratungsalltag geben?
Ruhl: Gerne. Ein typischer Fall aus der letzten Sprechstunde: Ein 45-jähriger Mann, der völlig ratlos mit einer Rückforderung des Jobcenters zu uns kam. Er verstand den Bescheid nicht und wusste nicht, um was es geht und wie er reagieren sollte. Gemeinsam haben wir den Bescheid geprüft, die Situation erklärt und ihm geholfen, die weiteren Schritte in die Wege zu leiten.
Fröhlich: Eine 30-jährige Mutter wollte sich von ihrem Mann trennen und kam mit vielen Fragen zu uns: Wie sie ihren Lebensunterhalt nach der Trennung bestreiten kann, welche Unterstützung ihr zusteht und was als nächstes notwendig ist. Wir haben gemeinsam die Situation besprochen und ihr die Möglichkeiten aufgezeigt. Besonders bewegend war für mich der Fall einer Rentnerin, die mit einer hohen Nebenkostenabrechnung konfrontiert war. Sie wusste nicht, wie sie das bewältigen sollte und hatte deshalb nächtelang nicht mehr geschlafen. Durch unseren Nothilfefonds konnten wir kurzfristig helfen und ihr gleichzeitig Wege aufzeigen, wie sie ihre laufenden Kosten reduzieren kann. Außerdem ergab unsere Berechnung, dass sie Anspruch auf Wohngeld hat. Diesen Antrag haben wir sofort mit ihr gestellt.
Es scheint, als ob die Themen sehr vielfältig sind.
Fröhlich: Absolut. Kürzlich kam ein 35-jähriger Klient, der panisch war, weil sein Weiterbewilligungsantrag für das Jobcenter am nächsten Tag fällig war. Wir haben in der Sprechstunde die Unterlagen gemeinsam ausgefüllt und so sichergestellt, dass er nichts versäumt.
Ruhl: Eine 50-jährige Frau hatte komplett die Übersicht über ihre Unterlagen verloren und wusste nicht mehr, wo sie anfangen sollte. Wir helfen in solchen Fällen mit Struktur: Wir sortieren gemeinsam die Unterlagen, priorisieren Aufgaben und unterstützen bei wichtigen Anträgen.
Magenau: Besonders dringlich war der Fall eines 60-jährigen Mannes, der kurz vor einer Stromsperre und Wohnungskündigung stand. Er hatte kein Essen mehr im Kühlschrank, keine Krankenversicherung und war verzweifelt. Hier greifen wir sofort ein, sei es durch unseren Nothilfefonds oder durch die Vermittlung an weitere Hilfsangebote. Häufig sind nach der offenen Sprechstunde noch weitere Beratungstermine notwendig, um mit den Klientinnen und Klienten an den Problemen weiterzuarbeiten.
Das klingt nach enormer Verantwortung. Wie bewältigen Sie das?
Magenau: Es ist eine Herausforderung, aber auch unglaublich erfüllend. Unser Ziel ist es, schnelle und unbürokratische Hilfe zu leisten. Auch wenn wir manchmal an unsere Kapazitätsgrenzen stoßen, geben wir unser Bestes, um jeden Menschen ernst zu nehmen und passende Lösungen zu finden.
Ruhl: Besonders wichtig ist der Nothilfefonds. Er ermöglicht uns, in akuten Notlagen flexibel zu helfen, denn manchmal braucht es mehr als die reine Beratung. Wenn der Kühlschrank wieder voll ist, die Stromsperre erst einmal abgewendet ist, vermittelt das den Hilfesuchenden Entlastung und auch Hoffnung. Allerdings sind wir auf Spenden angewiesen, um den Fonds aufrechtzuerhalten. Jeder Euro, der gespendet wird, macht einen Unterschied. Ob es darum geht, eine dringende Medikamentenrechnung zu begleichen oder eine Familie vor dem Verlust der Wohnung zu bewahren – durch unseren Nothilfefonds kommt die Hilfe schnell und direkt dort an, wo sie gebraucht wird.
Ihre Arbeit klingt wie ein Rettungsanker für viele Menschen. Was braucht es, damit Sie diese Hilfe weiterhin leisten können?
Fröhlich: Unsere Arbeit ist nur möglich, weil es Menschen gibt, die uns unterstützen – sei es finanziell, mit Zeit, Gebeten oder Sachspenden. Besonders der Nothilfefonds, der nur aus Spenden finanziert wird, ist für viele Hilfesuchende ein echter Lebensretter.
Ruhl: Jede Spende zählt. Es ist für uns bewegend zu sehen, wie viel Solidarität es in der Region gibt. Nur dank dieser Unterstützung können wir so flexibel und schnell handeln – was in Notlagen ja oft entscheidend ist. Ja, es ist wirklich ein Gemeinschaftswerk. Unsere Beratung ist nur so stark, weil ganz verschiedene Menschen auf ganz unterschiedliche Weisen hinter uns stehen und den Wert unserer Arbeit erkennen, unterstützen und wertschätzen. Dafür sind wir unendlich dankbar.
So können Sie spenden
Infos: Weitere Informationen gibt es im Internet auf diakonie-vaihingen.de. Die VKZ-Spendenaktion läuft bis zum 6. Januar. Das Spendenkonto bei der Kreissparkasse Ludwigsburg hat folgende IBAN: DE90 6045 0050 0008 8140 78. Bitte bei der Überweisung als Betreff „VKZ-Spendenaktion“ angeben.

