Baden-Württemberg

Große Landesausstellung zu Reichenau-Jubiläum

Die Klosterinsel Reichenau feiert Geburtstag. Die Unesco-Welterbestätte wird 1300 Jahre alt. Eine Ausstellung belegt ihre große Strahlkraft im Mittelalter und zeigt das Leben der Inselbewohner.

  • Die Klosterinsel Reichenau  auf dem Bodensee feiert ihr 1300-jähriges  Jubiläum.Foto: imago stock&people/imago stock&people

    Die Klosterinsel Reichenau auf dem Bodensee feiert ihr 1300-jähriges Jubiläum.Foto: imago stock&people/imago stock&people

Sie gilt als eines der bedeutendsten Zentren des Mittelalters und feiert in diesem Jahr Jubiläum: die Klosterinsel Reichenau auf dem Bodensee. Zahlreiche geistliche und weltliche Persönlichkeiten haben die Insel besucht oder einen Bezug zu ihr. Neben dem „Who is Who“ des Mittelalters widmet sich die Große Landesausstellung „Welterbe des Mittelalters – 1300 Jahre Klosterinsel Reichenau“, die von diesem Samstag an im Archäologischen Landesmuseum Baden-Württemberg in Konstanz zu sehen ist, auch ganz besonderen Inselschriften.

Die wichtigsten Exponate

Zu den wichtigsten Exponaten der bis zum 20. Oktober dauernden Ausstellung in Konstanz gehören fünf von der Unesco ausgezeichnete Handschriften aus Paris, Cividale del Friuli, Trier, Aachen und Darmstadt, die in zwei abwechselnden Phasen gezeigt werden sollen. Die Prachthandschriften seien vor mehr als 1000 Jahren auf der Insel entstanden, sagte Olaf Siart, Wissenschaftlicher Projektleiter der Ausstellung, die vom Badischen Landesmuseum veranstaltet wird. „Die Reichenau hat den Buchschmuck zur größten Perfektion gebracht.“ Die Mönche hätten sich zum Teil selbst dargestellt in den Buchmalereien.

Einer der wichtigsten Belege für die große Strahlkraft des Klosters im Mittelalter sei das „Reichenauer Verbrüderungsbuch“ gewesen. Klostergemeinschaften hätten angetrieben von der Sorge um das ewige Heil ihrer Seelen spirituelle Bündnisse durch die Bücher geknüpft. Das „Reichenauer Verbrüderungsbuch“ umfasse 38 000 Namenseinträge und sei eines der wenigen erhaltenen Exemplare in Europa. Auch der Name von Odo von Châtillon, der als späterer Papst Urban II. zum Ersten Kreuzzug aufrief, sei darin zu finden.

Ältester Wetterhahn Europas

Ein etwas kurioses Ausstellungsstück ist Europas ältester Wetterhahn, der die Besucher in die mittelalterliche Klosterwelt führen soll. Er stamme aus dem Jahr 820 und bestehe aus teils vergoldetem Kupferblech. Der Wetterhahn sei sehr gut erhalten und stamme aus einem Kloster in Norditalien. „Ein Wetterhahn ist quasi das i-Tüpfelchen einer neu errichteten Klosterkirche“, sagte Siart.

Schauplätze auf der Insel

Neben der Ausstellung im Museum können Interessierte auch die Insel selbst besuchen, die nur wenige Kilometer von Konstanz mit dem Auto, dem Bus oder der Bahn erreicht werden kann. Dort locken neben den Kirchen neugestaltete Klostergärten und eine Münsterschatzkammer. „In nur neun Kilometern Entfernung liegt das einzigartige Ensemble der drei mittelalterlichen Kirchen St. Georg, St. Maria und Markus und St. Peter und Paul, die zum Welterbe der Menschheit zählen“, erklärte der Direktor des Badischen Landesmuseums, Eckart Köhne.

Multimediale Ausstellung

Bei der Ausstellung werde viel geboten, auch medial, sagte Siart. Ein durch Technik lebendig gewordenes Buch gibt Einblicke in die Inselgeschichte - so wie Audiostationen und eine kostenlose App mit Expertenvideos, echten Reichenauern und fiktiven Dialogen aus der Klostergeschichte. „Es ist ein einzigartiges Stück Kulturgeschichte, was wir hier sehen“, betonte Siart. Wer sich mit der Geschichte des Klosters Reichenau beschäftige, lerne die Strukturen des Frühmittelalters kennen. Klosterinseln habe es an vielen Orten in Europa gegeben. Der Zweck sei gewesen, sich zurückzuziehen oder sich zu schützen. „Andererseits lag man auch an den wichtigsten Verkehrswegen, dem Wasser.“

Pirmin und die Inselpatronen

Die große Landesausstellung liefere Antworten auf die grundlegenden Fragen zur Klosterkultur. Interessierte erfahren, warum und wie Klöster auf Inseln gegründet worden seien. Die Heiligenverehrung und wichtigsten Patrone der Insel wie Maria, die Heiligen Petrus, Markus und Georg würden ebenso vorgestellt wie das alltägliche

Leben der Mönche – von der klösterlichen Liturgie bis hin zum Alltagsleben.

Gegründet hatte die Klosterinsel der Wanderbischof Pirmin, der möglicherweise aus Irland stamme und eine ganze Reihe von Klöstern gegründet habe. In der Ausstellung werden auch Exponate aus den anderen Klöstern gezeigt. Man habe mehr als zwei Jahren an der Ausstellung gearbeitet.

Auch was für Kinder

Es gebe auch einiges zu entdecken für Kinder. Im Museum etwa seien Wesen aus den Handschriften versteckt, die man suchen könne. Es gebe auch Familienführungen. Ein bis zwei Stunden müsse man sich für die Ausstellung nehmen.

Das Archäologische Landesmuseum lade zudem insbesondere Familien ab Samstag in die Ausstellung „Archäologie & Playmobil – Mönche, Mission, Abenteuer“ ein, die im Eintrittsticket für die Große Landesausstellung enthalten sei.

 

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