Runde durch alle Vaihinger Ortsteile

Wegweiser: Jürgen Rebstocks Lieblingsstrecke bringt den Radfahrer in einer Rundtour durch alle Stadtteile, ohne dass Wege mehrmals befahren werden müssen. Die Strecke ist aber recht anspruchsvoll, da sie rund 560 Höhenmeter beinhaltet.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 31. August 2021
Runde durch alle Vaihinger Ortsteile In Riet führt Jürgen Rebstocks Lieblingsstrecke am malerischen Schloss vorbei. Foto: Nachreiner

Unsere wunderschöne Region Vaihingen, in der man praktisch in der Natur steht, sobald man einen Fuß vor die Haustür gesetzt hat, lädt nicht nur zu Laufrunden ein. Auch mit dem Rennrad oder dem Mountainbike lässt sich in der Gegend hervorragend erkunden. In unserer Serie „Wegweiser“ stellen Radfahrer ihre Lieblingsstrecken vor. In Folge 9 beschreibt Jürgen Rebstock (RSV Vaihingen) eine Runde, in der alle Vaihinger Ortsteile inklusive der Kernstadt miteinander verbunden sind. „Mich hat schon immer interessiert, ob und wie man die Ortsteile mit einer Radstrecke verbinden kann“, berichtet der 67-jährige Vaihinger. „Ich habe dann vieles ausprobiert. Doch durch die vielen Täler habe ich einige Abschnitte immer doppelt befahren. Meist sah es sternförmig um die Kernstadt aus. Doch irgendwann ist durch viel Suchen sowie Hin- und Herfahren eine Strecke entstanden, bei der jeder Weg nur ein Mal befahren wird.“

Viele Anstiege, da man von einem Bachtal ins andere über Höhenrücken muss

Die Tour steht beim Orthopädiemechaniker mindestens ein Mal im Monat auf dem Programm. Und das, obwohl sie zwar mit knapp 50 Kilometern nicht übermäßig lang, aber mit insgesamt rund 560 Höhenmetern recht anspruchsvoll ist. „Ich habe erst mal realisiert, wie viele Bäche und Flüsse es doch in Vaihingen gibt. Da ist natürlich die Enz, aber auch der Kreuzbach durch Aurich, der Strudelbach durch Riet, der Brünnelesbach bei Ensingen und die Metter in Horrheim. Und wenn man von einem Tal zum nächsten möchte, ohne den Weg wieder zurückzufahren, muss man halt über einen Höhenrücken“, berichtet Rebstock.

Die Anstrengungen bei den Anstiegen zahlen sich aber aus. Denn mehrmals entlang der Strecke gibt es schöne Aussichtspunkte. „Da ist zunächst der Roi Igel. Da hat man eine tolle Rundumsicht. Dann gibt es den Riedberg bei Riet, von dem aus man Enzweihingen und Vaihingen überblicken kann. Als nächstes kommt das Weitfeld zwischen Vaihingen, Kleinglattbach und Enzweihingen. Und zum Abschluss bietet der Wachtkopf bei Gündelbach einen wunderbaren Südblick in Richtung Stuttgart“, schwärmt Rebstock.

Jürgen Rebstocks Lieblingsstrecke.

„Ich fahre die Tour in zwei Stunden“, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Radsportvereins Vaihingen, der im Jahr bis zu 8000 Kilometern im Sattel sitzt. Für Familien mit Kindern empfiehlt er sie allerdings nicht wirklich. „Für Kinder sind es zu viele Höhenmeter“, sagt er. „Als Tagestour muss man schon gut radfahren können.“ Die Stadt Vaihingen, die die Runde als „Vai-Tour“ vermarktet, hat sie deshalb auch in eine Nord- und in eine Südtour unterteilt. „Beim ersten Stadtradeln 2019 sind wir vom Radsportverein mit Heiko Deichmann, dem Leiter der Abteilung Wirtschaftsförderung, Kultur und Tourismus, ins Gespräch gekommen. Lange ist die Tour dann aber auf seinem Schreibtisch gelegen. Erst, als die Corona-Pandemie angefangen hat, haben wir zusammen innerhalb von 14 Tagen eine Broschüre gestaltet“, erzählt Rebstock.

Runde verläuft fast ausschließlich auf geteerten Feldwegen

Das Gute an seiner Lieblingsstrecke sei aber, dass sie zu größten Teil über geteerte Feldwege führt, nur ab und zu sind öffentliche Straßen mit dabei. „Überraschenderweise hat die Stadt immer mehr Wege geteert – auch die meisten dieser Tour. Aber nicht auf unser Drängen hin, sondern weil sie teilweise in schlechtem Zustand waren“, berichtet Rebstock. „Nur ein Abschnitt fehlt noch – der vom Hasenlauf auf den Riedberg hoch. Dort befährt man noch einen unbefestigten Feldwegen, einen sogenannten Spurenweg. Wenn es nass ist, ist der sehr dreckig.“

Zum Radsport oder Radfahren ist der 67-jährige Vaihinger aus gesundheitlichen Gründen gekommen. „Ich habe eine Wirbelsäulenerkrankung. Mein Arzt meinte damals, als die diagnositiert wurde, zu mir: Entweder ich mache Sport oder meine Wirbelsäule muss irgendwann versteift werden – vielleicht sogar mit der Konsequenz, dass ich dann einen Rollstuhl brauche“, berichtet Rebstock. „Zu dem Zeitpunkt hat der AOK-Radtreff im Verein angefangen, den es jetzt schon seit rund 30 Jahren gibt. Und da habe ich gemerkt, dass Radfahren für mich das Beste ist. Meinem Rücken geht es sogar umso besser geht, je steiler ein Anstieg ist.“

Seit dieser Zeit stehen bei dem Orthopädiemechaniker, der in Vaihingen ein eigenes Sanitätshaus führte, zwei Termine fest in seinem Kalender: dienstags der AOK-Radtreff und samstags eine Rennradausfahrt von in der Regel 100 bis 150 Kilometern.

Normalerweise ein Mal im Jahr verbringt er auch ein paar Urlaubstage im Sattel. „In der Regel mache ich mit einer Radsportreisegruppe eine Mehrtagestour“, erzählt der 67-Jährige. „Die größte bisher war in 14 Tagen von Wien nach Nizza. Das waren 1400 Kilometer und 27 000 Höhenmeter. Ein anderes Mal ist Rebstock auch durch die Pyrenäen vom Atlatntik ans Mittelmeer gefahren. „Ich wollte wissen, welche Pässe die Profis bei der Tour de France“, erzählt er. „Das war die erste Tour, bei der ich sage, das muss ich nicht noch mal machen. Seitdem habe ich auch richtig Respekt vor der Leistung der Fahrer, wenn die Tour de France in die Pyrenäen kommt.“

Doch auch der RSV Vaihingen bietet viel. An drei Tagen in der Woche gibt es Tagesausfahrten in Gruppen – je nach dem Leistungsstand des Fahrers oder der Fahrerin. Im Sommer kommen am ersten Montag im Monat und am dritten Mittwoch größere Tagestouren dazu. „Und manche treffen sich auch sonntags, wenn sie unter der Woche arbeiten müssen“, berichtet Rebstock. Darüber hinaus wird etwa jedes zweite Jahr eine Mehrtagesausfahrt organisiert. „Wir waren zum Beispiel schon entlang der Wasserscheide der Schwäbischen Alb unterwegs. Die Tour ging von Vaihingen über Pforzheim, Horb und Spaichingen bis nach Aalen“, erzählt der stellevertretende RSV-Vorsitzende. „Ein anderes Mal sind wir den kompletten Rhein vom Bodensee bis zur Mündung abgefahren.“

Wegweiser: Alle Lieblingsstrecken gibt es auf Komoot

Über den kostenlosen Routenplaner Komoot stellt die Sportredaktion der Vaihinger Kreiszeitung auf ihrem Account „VKZ“ alle Lauf- und Fahrradstrecken ihrer Serie „Wegweiser“ online zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Netz über das gesamte Verbreitungsgebiet – und auch darüber hinaus. Alle Lauf- und Radstrecken finden Sie hier.

Sie haben auch eine Lieblingsstrecke, die Sie gerne zeigen möchten? Dann melden Sie sich in unserer Sportredaktion per Mail an sport@vkz.de.

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