Mit dem Fahrrad schon die Rockys bezwungen

Wegweiser: Gabriele und Wolfgang Kreeb sind begeisterte Radfahrer, die ohne ihren Drahtesel nicht können. „Wenn wir in Urlaub fahren, sind sie in der Regel mit dabei“, erzählt der 72 Jahre alte Großglattbacher. Ein Highlight ist die Hochzeitsreise des Ehepaars: Im Sattel fuhren die beiden in Kanada von Vancouver nach Calgary.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 17. August 2021
Mit dem Fahrrad schon die Rockys bezwungen Von Großglattbach zieht es Gabriele und Wolfgang Kreeb (von links) immer wieder in die nahe und weite Ferne. Foto: Nachreiner

Unsere wunderschöne Region Vaihingen, in der man praktisch in der Natur steht, sobald man einen Fuß vor die Haustür gesetzt hat, lädt nicht nur zu Laufrunden ein. Auch mit dem Rennrad oder dem Mountainbike lässt sich in der Gegend hervorragend erkunden. In unserer Serie „Wegweiser“ stellen Radfahrer ihre Lieblingsstrecken vor. In Folge 7 erzählen Wolfgang und Gabriele Kreeb aus Großglattbach, warum das Rentner-Ehepaar nicht ohne Fahrrad kann. „Wir fahren aus Leidenschaft. Uns fehlt schon was, wenn wir zwei oder drei Tage mal nicht auf unseren Rädern sitzen“, berichtet die 70-jährige Gabriele Kreeb, die von allen nur Gaby genannt wird. Ihr zwei Jahre älterer Mann Wolfgang Kreeb wirft aber sofort ein: „Bei mir sogar eher.“

Die Großglattbacher erkunden mit ihren Fahrrädern auf der einen Seite die nähere Umgebung um ihren Heimatort, sie zieht es auf der anderen aber auch mit dem fahrbaren Untersatz in die Ferne. „Wenn wir in den Urlaub fahren, sind die Räder immer dabei“, erzählt Wolfgang Kreeb.

Mit den eigenen Rädern ging es 1996 durch die kanadischen Rocky Mountains

Das vielleicht größte Abenteuer der beiden im Sattel war ihre Hochzeitsreise 1996. Die führte die Großglattbacher in Kanada von Vancouver durch die Rocky Mountains bis nach Calgary. „Mein Mann zieht es schon immer in die Ferne. Und wir sind radbegeistert“, berichtet Gaby Kreeb. „Die Reise hatten wir damals in einem Prospekt gesehen – und sie dann einfach gebucht.“ Der Flug ging an die Westküste Kanadas nach Vancouver. Von dort fuhren die beiden auf den eigenen Rädern mit einer Reisegruppe in Tagesetappen von 90 bis 100 Kilometern die rund 1200 Kilometer bis nach Calgary. „Die Räder wurden mit unserem Gepäck zusammen eingecheckt. Wir mussten sie nur in Kartons verpacken und damit die Lenker und die Pedale abmontieren“, erklärt die 70-Jährige.

Die Lieblingsstrecke des Ehepaars Kreeb aus Großglattbach.

In Kanada führte ein Guide die Gruppe durch die Rocky Mountains. „Eigentlich waren wir immer zusammen. Aber jeder fuhr sein eigenes Tempo, so dass sich die Gruppe auch mal etwas auseinandergezogen hat. Aber bis auf wenige Phasen hat man eigentlich immer jeden gesehen“, erinnert sich Gaby Kreeb. Das Gepäck wurde mit einem Kleinbus transportiert. Geschlafen wurde in Zelten. „Das war ganz schön anstrengend und kein Luxus. Und dafür haben wir auch noch einen Haufen Geld ausgegeben“, erklärt Gaby Kreeb mit einem Lächeln auf den Lippen. Denn die Erinnerungen sind heute noch präsent, als wäre die Reise gestern gewesen, und unbezahlbar.

In Deutschland, eigentlich in Europa kennt das Ehepaar praktisch jeden Fluss

Die großen Touren sind weniger geworden. Man werde nicht jünger, erklärt Gaby Kreeb. Doch Mehrtagesreisen unternimmt das Ehepaar auch heute noch. In Deutschland, eigentlich fast in ganz Europa „kennen wir alle Flüsse“, berichtet Wolfgang Kreeb. So ging es zum Beispiel vom Rhônetal rüber zum Rhein nach Schaffhausen. Oder vor Kurzem fuhr das Ehepaar entlang der Nagold bis nach Radolfzell.

Zwei Mal haben die beiden Großglattbach auch schon die Alpen überquert. Eine Tour führte sie von Chur über Davos auf den Scaletta-Pass. „Da gibt es eine ehemalige Römer-Straße, auf der die Römer wohl schon mit Elefanten über die Alpen zogen, habe ich gelesen. Da dachte ich, wenn die das mit Elefanten geschafft haben, schaffen wir das auch mit den Rädern“, erzählt Wolfgang Kreeb. „Doch 300 oder 400 Meter vor dem Pass hat der Weg aufgehört. Da ging es nur noch über Steine weiter.“ Dennoch war die Erfahrung einzigartig. „Wenn man dann da oben auf dem Berg alleine sitzt, schmeckt das Vesper noch einmal ganz anders“, erinnert sich Gaby Kreeb. Und ihr Mann ergänzt: „Und zur Unterhaltung haben die Murmeltiere gepfiffen.“

Obwohl das Ehepaar schon im Rentenalter ist, werden die Tagestouren aber kaum kürzer. 70 bis 80 Kilometer von Großglattbach bis nach Freudenstadt oder an die Nagoldtalsperre sind immer drin. „Ganz wichtig ist für uns, dass wir ein Ziel ansteuern“, berichtet Gaby Kreeb. Und Wolfgang Kreeb ergänzt: „Das kann auch einfach ein Cafe sein, wo wir einkehren können.“

Jede Tour muss ein Ziel haben – wie zum Beispiel der Schlosspark in Hemmingen

So entstand auch ihre Lieblingstour. „Das Ziel dabei ist der Schlosspark in Hemmingen. Der ist wunderschön gelegen. Und dort gibt es ein Cafe, das auch während der Einschränkungen in den letzten Monaten zumindest einen Kaffee to go, also zum Mitnehmen verkauft hat“, erzählt Wolfgang Kreeb. Von Großglattbach geht es zunächst „durch den kühlen Wald“ (Wolfgang Kreeb) über Serres nach Mönsheim und am Golfplatz vorbei weiter nach Weissach. „Dort gibt es einen schönen Ausblick auf das Heckengäu“, erklärt der 72-Jährige. Am Porsche-Entwicklungszentrum vorbei fahren die Großglattbacher dann weiter über Heimerdingen nach Hemmingen. „Die Touren plant immer mein Mann. Da rede ich ihm auch nicht rein“, berichtet Gaby Kreeb. „Wichtig ist nur, dass wir auf Fahrrad-, Wald- und Feldwegen fahren und Straßen mit Autoverkehr vermeiden. In 35 Jahren ist zwar noch nie etwas passiert. Allerdings wir hatten schon mehrmals brenzlige Situationen zu überstehen.“

Doch was liebt das Ehepaar aus Großglattbach so am Radfahren, dass es praktisch nicht ohne kann? „Es ist die Freiheit, die Gerüche, das Erleben der Landschaft. Ich fahre lieber 100 Kilometer mit dem Fahrrad als 200 Kilometer mit dem Auto“, erklärt Gaby Kreeb. Die Leidenschaft für das Fahrradfahren brachte die heute 70-Jährige mit in die Beziehung. „Ich bin früher immer die ,Tour de Ländle‘ gefahren, die vom SWR vorgestellt wurde“, erklärt Gaby Kreeb. Und Wolfgang Kreeb ergänzt: „Ich mache schon mein Leben lang Sport – Handball, Tennis, Badminton. Das sind aber alles Sportarten, die auf die Hüfte gehen. Fahrradfahren ist da besser.“

Im Lauf der Zeit sind die beiden schon alle Arten von Fahrrädern gefahren – Tourenrad, Tandem, Trekkingrad, Rennrad, Mountainbike und in der Zwischenzeit E-Bike. Einen Favoriten hat Wolfgang Kreeb auch: das Tandem. „Als wir einmal mit unseren Rennrädern den Großglockner hochgefahren sind, habe ich eins gesehen. Da wusste ich, so eins will ich auch. Das hat mich total begeistert“, berichtet der 72-Jährige. „Man ist immer schnell unterwegs, weil beide für den Vortrieb sorgen. Einer fährt immer im Windschatten. Und wir sind immer aufgefallen.“ Seine Frau war nicht ganz so begeistert. Gaby Kreeb: „Es hat auch Spaß gemacht – bis zu einem bestimmten Punkt. Die hinteren Pedale haben keinen Leerlauf. Ich konnte also nie wirklich entlasten. Die einzige Möglichkeit war, die Beie seitlich abzuspreizen. Aber wenn einem der Allerwerteste wehgetan hat, war das auch keine Lösung. Und aufstehen und sich kurz ausruhen konnte man nicht.“

Wegweiser: Alle Lieblingsstrecken gibt es auf Komoot

Über den kostenlosen Routenplaner Komoot stellt die Sportredaktion der Vaihinger Kreiszeitung auf ihrem Account „VKZ“ alle Lauf- und Fahrradstrecken ihrer Serie „Wegweiser“ online zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Netz über das gesamte Verbreitungsgebiet – und auch darüber hinaus. Alle Lauf- und Radstrecken finden Sie hier.

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