„Keine Gegend erlebt, wo es so ruhig ist“

Wegweiser: Sinan Yilmaz ist am liebsten am Rand des Strombergs von Bietigheim-Bissingen über Zaisersweiher nach Mühlacker und zurück mit dem Rennrad unterwegs. Das Training für seine Triathlonleidenschaft muss oft hinten anstehen hinter Familie und Fußball.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 29. September 2021
„Keine Gegend erlebt, wo es so ruhig ist“ Als Fußballer bringt Sinan Yilmaz die richtige Muskulatur für Radrennen mit – seine Oberschenkelmuskulatur ist gut ausgebildet. Foto: Nachreiner

Unsere wunderschöne Region Vaihingen, in der man praktisch in der Natur steht, sobald man einen Fuß vor die Haustür gesetzt hat, lädt nicht nur zu Laufrunden ein. Auch mit dem Rennrad oder dem Mountainbike lässt sich in der Gegend hervorragend erkunden. In unserer Serie „Wegweiser“ stellen Radfahrer ihre Lieblingsstrecken vor. In Folge 12 erklärt Sinan Yilmaz, warum er vor allem von seinem Wohnort Hochdorf nach Bietigheim-Bissingen und von dort über Kleinsachsenheim, Horrheim, Gündelbach, Zaisersweiher und Maulbronn bis nach Mühlacker und fast die gleiche Strecke wieder zurück mit dem Rennrad unterwegs ist.

„Die Runde ist wie gegossen für einen Triathleten, der auf der Mitteldistanz zu Hause ist, aber auch mit der Langdistanz liebäugelt. Sie hat nicht so viele steile Anstiege, ist aber wellig. Denn ich mag es, wenn ich immer triebeln muss. Außerdem habe ich noch keine andere Gegend erlebt, wo es so ruhig ist“, berichtet der 29-jährige Spielertrainer des Fußball-A-Ligisten TSV Nussdorf, der seit rund zwei Jahren auch Triathlon betreibt. „Richtung Pforzheim ist immer viel Verkehr. Und selbst, wenn ich mit dem Rad ins Geschäft nach Maichingen fahre, werde ich dauernd angehupt. Das ist mir hier am Rand des Strombergs noch nie passiert.“

Die Freizeit von Sinan Yilmaz nach der Arbeit gehört erst einmal seinen Kindern

Das Training muss aber oft hinten anstehen. Bis seine drei Kinder im Bett sind, gehört die Freizeit des 29-Jährigen dem Nachwuchs. Und dann ist da auch noch das Fußballtraining mit dem TSV Nussdorf. „Ich rechne mit zehn Stunden pro Woche für den Fußball. Und während der Saison, also mindestens von September bis Juni, hat die Jagd nach dem runden Leder auch Vorrang“, berichtet Sinan Yilmaz. „Aber meine Frau Julia und ich haben ein super Zeitmanagement. Darauf bin ich echt stolz. Außerdem versuche ich, viel mit der Arbeit zu verbinden. So fahre ich – so oft es geht – mit dem Rad ins Geschäft. Das sind zwar nur 25 Kilometer – Maichingen liegt ja direkt hinter Renningen. Aber mit rund 400 Höhenmeter hat es die Strecke in sich. Und auf dem Heimweg verlängere ich die Runde dann auch schon mal – oder ich jogge nach Hause, wenn gerade Lauftraining ansteht.“

Sportbegeisterung des 29-Jährigen teilt seine Frau Julia Yilmaz

Überhaupt ist die Familie Yilmaz sehr sportlich. Julia Yilmaz war Fußballerin und hat sich nach der Geburt der Kinder dem Laufen verschrieben. Sie startet bei Volksläufen, Sinan Yilmaz und die Kinder sind dann der Fanclub an der Strecke. „Julia macht oft Sport, wenn die Kinder im Kindergarten sind“, erzählt Sinan Yilmaz. „Wenn die Kinder abends im Bett sind, machen wir aber auch oft gemeinsam Sport. Wir haben im Keller einen Fitnessraum mit einer Indoorrolle, einem Laufband und verschiedenen Geräten fürs Krafttraining.“ Um das aber durchzuziehen, ist viel Disziplin vonnöten. „Ich gehe auch joggen oder setze mich aufs Rad, wenn ich keine Lust habe“, erklärt der 29-Jährige. „Oder ich gehe noch vor der Arbeit schwimmen.“

Diese Disziplin des Triathlons war aber lange Zeit ein Horror für Sinan Yilmaz. „Mit meinen Eltern war ich nie an einem See oder am Meer. Sie waren auch schlechte Schwimmer. Deshalb hatte ich immer das Gefühl: Wasser ist nicht sicher. Mich hätte auch nie jemanden in einen See bekommen.“ Schwimmunterricht hatte der Hochdorfer auch nur in der Grund-, nicht mehr in der Realschule. Doch seine Frau Julia hat dem 29-Jährigen die Angst vor dem Nass genommen. „Ich weiß noch ganz genau, wie wir das erste Mal in Bietigheim im Wasser waren. Julia hat mir das Kraulen gelernt“, erzählt Sinan Yilmaz. „Jetzt macht es mir unheimlich Spaß. Es ist ein Traum für mich, wenn wir in der Ehmetsklinge Schwimmen gehen. Und auch mit meinen Zeiten im Wasser bin ich zufrieden. 2:00 Minuten auf 100 Meter – ich hätte nie gedacht, dass ich das hinbekomme.“

Sinan Silmaz‘ Lieblingsradstrecke.

Das ausgewogenere Training beim Triathlon hat auch Auswirkungen auf den Fußball. „Ich habe gemerkt, dass ich im Oberkörper, aber auch in den Oberschenkeln mehr Kraft habe. Ich bin einfach stabiler und habe mehr Körperspannung. Und ich bin belastbarer. Nach dem Fußballtraining könnte ich heute eigentlich noch einen Halbmarathon laufen“, berichtet der 29-Jährige.

Doch wie kam der Fußballer Sinan Yilmaz überhaupt zum Triathlon. „Nach einer Knieverletzung, die ich mir beim Fußball geholt habe, hat der Arzt mir geraten, ich solle nicht nur Fußball spielen und laufen gehen, sondern auch mal radfahren“, erinnert sich der Hochdorfer. „Anfang 2019 habe ich mir dann ein Mountainbike gekauft, um regelmäßig ins Geschäft fahren zu können.“

Schnell hat er gemerkt, dass er als Fußballer für Radrennen ganz gute Voraussetzungen mitbringt. „Ich habe die richtig ausgebildete Muskulatur gehabt – nämlich vor allem meine Oberschenkelmuskulatur. Schnell bin ich richtig gut geworden“, berichtet er. Und hat Gefallen am Triathlon gefunden. „Ich kann mit meinem Körper an meine Grenzen gehen“, erklärt der Hochdorfer.

Die Familie Yilmaz hat aber vor fünf, sechs Jahren ihr gesamtes Leben umgekrempelt. „Wir ernähren uns vegan. Da man aber bei veganer Ernährung darauf achten muss, dass man genug Energie zu sich nimmt und dass man sich in gewisser Weise auch ausgewogen ernährt, beschäftigen wir uns sehr mit dem Thema Ernährung“, erzählt Sinan Yilmaz. „Und seit ich mehr auf meine Ernährung achte und damit mehr im Gleichgewicht bin, bin ich viel ausgeglichener. Ich habe meine innere Ruhe gefunden“, berichtet der 29-Jährige. „Und da ich im Beruf als Ausbilder in vielen Mettalberufen und Projektmanager im Bereich der Fertigung sowie beim Fußball als Trainer mit vielen Leuten zu tun habe und für die auch Verantwortung trage, freue ich mich auch darauf, alleine unterwegs zu sein.“

Wegweiser: Alle Lieblingsstrecken gibt es auf Komoot

Über den kostenlosen Routenplaner Komoot stellt die Sportredaktion der Vaihinger Kreiszeitung auf ihrem Account „VKZ“ alle Lauf- und Fahrradstrecken ihrer Serie „Wegweiser“ online zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Netz über das gesamte Verbreitungsgebiet – und auch darüber hinaus. Alle Lauf- und Radstrecken finden Sie hier.

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