Dankbar, noch Sport treiben zu können

Wegweiser: Simone Köppel aus Roßwag geht trotz Blutkrebs-Erkrankung und Bandscheibenvorfällen regelmößig laufen, wenn auch nicht mehr so exzessiv wie früher. Es ist für sie ein guter Ausgleich zur Arbeit, bei dem sie Lösungen für Alltagsprobleme findet.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 27. August 2021
Dankbar, noch Sport treiben zu können Weil Simone Köppel in der Zwischenzeit lieber Höhenmeter vermeidet, bevorzugt die Roßwagerin Läufe auf dem Enztal-Radweg unter anderem an den Enzfelsen vorbei. Foto: Nachreiner

In unserer Serie „Wegweiser“ stellen Läufer und Läuferinnen ihre Lieblingsstrecke vor. Denn Laufen kann man immer und überall – ganz besonders in unserer wunderschönen Region Vaihingen, in der man praktisch in der Natur steht, sobald man einen Fuß vor die Haustür gesetzt hat. In Folge 17 erklärt Simone Köppel, warum ihr das Laufen immer noch so wichtig ist, obwohl sie Anfang 2018 den Schicksalschlag Blutkrebs verkraften musste und in der Zwischenzeit auch zwei Bandscheibenvorfälle hatte.

„Ich bin dankbar, dass ich Sport noch machen kann – und auch, dass ich 2019 den Marathon in New York City laufen durfte“, berichtet die 48-jährige Roßwagerin, die die Leukämie medikamentös im Griff hat. „Und das Laufen war schon immer ein Ausgleich zur Arbeit für mich. Während andere sich vielleicht mit einer Flasche Wein auf die Couch setzen, gehe ich laufen und mache mir Gedanken, wie ich die Dinge lösen kann. Auf der Strecke kann ich Sachen für mich im Kopf regeln. Da sortiert sich einiges – und relativiert sich auch.“

Umfänge, Dauer und Geschwindigkeit sind seit der CML-Erkrankung geringer

Die Umfänge haben sich seit der Diagnose chronische myeloische Leukämie (CML) allerdings deutlich verringert. „Früher bin ich 50 bis 70 Wochenkilometer in fünf oder sechs Einheiten gelaufen. Jetzt sind es noch 20 bis 30 Kilometer in vielleicht zwei Einheiten pro Woche“, erklärt die Mediengestalterin. „Ich schaue, was mir guttut. Ich laufe lieber drei Mal sieben Kilometer als ein Mal 16 Kilometer, nach denen ich mich eine Woche lang nicht mehr bewegen kann.“

Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit ist geringer geworden. „Bin ich früher zehn Kilometer vielleicht in 55 Minuten gelaufen, schaffe ich in der gleichen Zeit jetzt nur noch rund acht Kilometer. Aber es stresst mich nicht, dass ich eine lahme Ente geworden bin.“ Frei nach dem Motto, das ihr Harald Feierabend von Team Sport Evolution Illingen mitgegeben hat, als sie mit dem Ausdauersport begonnen hat. „Jeder Lauf ist ein guter Lauf, weil man überhaupt gelaufen ist“, rezitiert Köppel aus der Erinnerung und fügt hinzu: „Laufen ist eine gute Sache. Man geht aus dem Haus und kann gleich anfangen.“

Den Biss hat sie jedoch noch nicht verloren. „Ich bin schon noch ambitioniert. Ich hoffe, dass ich noch mal einen Halbmarathon oder einen kleinen Triathlon absolvieren kann“, erzählt Köppel. Aber nicht mehr so verbissen, wie früher. „Zeiten sind für mich komplett unwichtig geworden. Natürlich schaue ich ab und zu auf die Laufuhr, doch nicht mehr andauernd wie früher“, sagt die Roßwagerin.

Denn gerade durch die Blutkrebserkrankung „hat sich meine Einstellung zu vielem verändert. Ich lebe mehr nach dem Motto: Mach Dinge, die du machen möchtest, zeitnah. Denn alles kann jederzeit umschlagen. Auch wenn man nicht krank ist, kann man morgen in einen Unfall verwickelt werden“, berichtet Köppel.

Wenn die 48-Jährige heute laufen geht, dann bevorzugt sie flache Strecken. „Das ist einfach angenehmer“, erklärt Köppel. Denn die Medikamente gegen den Blutkrebs haben manche Folge, die sich auch aufs Laufen auswirkt. So hat Köppel mit Wassereinlagerungen in den Beinen zu kämpfen. Und auch die Bandscheibenvorfälle machen sich bemerkbar. „Meine linke Wade ist nicht mehr so belastbar“, erzählt die Roßwagerin.

Simone Köppels Lieblingsstrecke.

Eine Zeit lang hat sie deshalb versucht, nur auf dem Vorfuß zu laufen. „Das war aber keine gute Idee, so fünf oder sechs Kilometer zu absolvieren. Ich hatte noch Tage danach Schmerzen“, berichtet Köppel und fügt hinzu: „Das A und O beim Laufen sind die richtigen Schuhe.“ Dafür ließ sie extra eine Laufbandanalyse machen. „Ich bin ein Überpronierer. Das heißt, ich drehe den Fuß beim Abrollen zu sehr nach innen ein.“ Nach der Analyse fand sie ein gutes Modell. „Ich laufe aber auch noch ab und zu mit dem Schuhmodell, das ich schon vorher hatte. Man soll schließlich nicht immer mit den gleichen Schuhen laufen“, erklärt die 48 Jahre alte Roßwagerin.

Egal, mit welchem Modell, ihre Lieblingsstrecke von Roßwag über den Enztal-Radweg nach Mühlhausen und wieder zurück macht mit beiden Spaß. „Da kann man gut entspannen. Es ist abgeschieden. Man hört das Plätschern des Wassers. Und wenn man sich dazu entscheidet, auf dem Rückweg auf die andere Enzseite zu wechseln und die Schleife innen zu laufen, dann hat man einen tollen Blick auf die Enzfelsen mit ihrem Weinbau in den Steillagen“, erzählt Köppel.

Wegweiser: Alle Lieblingsstrecken gibt es auf Komoot

Über den kostenlosen Routenplaner Komoot stellt die Sportredaktion der Vaihinger Kreiszeitung auf ihrem Account „VKZ“ alle Laufstrecken ihrer Serie „Wegweiser“ online zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Netz über das gesamte Verbreitungsgebiet – und auch etwas darüber hinaus. Alle Lauf- und Radstrecken finden Sie hier.

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