„Auf der Strecke kann ich geil schnell laufen“

Wegweiser: Als Bahnläufer, der sich vor allem auf die Distanzen von 800 bis 10 000 Meter konzentriert, ist Grundschnelligkeit für Paul Jelden wichtig. Deshalb liebt er das Training auf dem Enztal-Radweg zwischen Roßwag und Mühlhausen. Denn hier kann er Gas geben.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 18. Juni 2021
„Auf der Strecke kann ich geil schnell laufen“ Auf dem Enztal-Radweg zwischen Roßwag und Mühlhausen kann Paul Jelden richtig Gas geben. Foto: Nachreiner

In unserer Serie „Wegweiser“ stellen Läufer und Läuferinnen ihre Lieblingsstrecke vor. Denn Laufen kann man immer und überall – ganz besonders in unserer wunderschönen Region Vaihingen, in der man praktisch in der Natur steht, sobald man einen Fuß vor die Haustür gesetzt hat. In Folge 7 erklärt der Mittelstreckenläufer Paul Jelden (LG Region Karlsruhe), warum er gerne auf dem Enztal-Radweg von Roßwag nach Mühlhausen und wieder zurück unterwegs ist. „Es ist eine Strecke, auf der ich geil schnell laufen kann. Ich habe viele gute Erinnerungen an das Training hier. Ich habe hier eine persönliche Bestzeit aufgestellt. Und ich habe auch viele Freunde und Trainingspartner hier zu Bestmarken gepuscht. Außerdem läuft man durch eine geile Landschaft“, berichtet der Vaihinger, der heute seinen 22. Geburtstag feiert.

Jelden liebäugelt auch mit einem Start über 3000 Meter Hindernis

Aktuell ist Jelden auf Distanzen zwischen 3000 und 10 000 Metern zu Hause. „In der nächsten Saison werde ich vielleicht aber auch wieder auf die kürzeren Strecken gehen – also 800 und 1500 Meter. Ich bin also Bahnläufer. Und als solcher muss man öfter hohes Tempo laufen – also Geschwindigkeiten von 3:20 Minuten pro Kilometer. Um genau zu sein: Es stehen pro Woche drei Tempoläufe auf dem Trainingsplan“, erklärt der 22-Jährige, der Physik am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) auf Bachelor studiert. Vielleicht will er sich sogar mal an Wettkämpfen mit Hindernissen ausprobieren. „Hürdentraining macht unheimlich viel Spaß. Statt nur auf der flachen Strecke zu laufen, geht es zusätzlich darum, ein Hindernis zu überwinden. Da muss der Kopf viel mehr mitdenken: Es stellt sich die Frage, mit welchem Bein gehe ich zuerst über das Hindernis. Man muss darauf achten, dass die Hüfte gerade bleibt. Und man sollte über die Hürde laufen und nicht hüpfen. „Außerdem ist der Wassergraben bei den 3000 Meter Hindernis noch mal eine besondere Herausforderung“, erzählt Jelden.

Beim Training achtet der Vaihinger in der Regel darauf, dass er einen sogenannten Laufbuddy, also einen Trainingspartner, an seiner Seite hat. „In einer Gruppe kann man sich immer mal wieder austauschen. Außerdem ist man immer abgelenkt. Man vergisst Zeit sowie Distanz und hat immer einen Anreiz weiterzulaufen. Selbst die harten Tempoeinheiten sind ertragbarer. Man zieht sich gegenseitig mit“, berichtet Jelden. Neben den drei Tempoläufen pro Woche kommen obendrauf noch einmal drei Einheiten, in den der 22-Jährige einfach Kilometer abreißt. „Wie weit ich da laufe, kommt immer auch darauf an, wie viel Lust ich habe. Manchmal setzte ich mich auch aufs Rad“, erklärt er. Außerdem macht er Yoga und Kräftigungsübungen. Jelden: „Ein Kraftraum fehlt zwar, da ich zu keinem Zugang habe. Aber in der Zwischenzeit weiß ich selbst, was und wie ich trainieren muss.“ Der Vaihinger hat schon seinen C-Trainer-Schein erworben und unterstützt andere Läufer wie beispielsweise den Nussdorfer Julian Kristen mit Trainingsplänen. „Nach meiner Laufbahn will ich auf jeden Fall mein Wissen weitergeben, einfach anderen Athleten helfen“, sagt Jelden.

Auslandssemester im vergangenen Jahr mit Leichtathletik-Stipendium

Zum Laufen ist der Vaihinger gekommen, als er noch beim VfB Vaihingen Fußball gespielt hat. „Ich habe mich just-for-fun, also nur um der Freude willen, zu einem Volkslauf angemeldet. Der lief ganz gut, weshalb ich dann weitergemacht habe. Irgendwann bin ich die fünf Kilometer unter 20 Minuten gelaufen. Daraufhin habe ich mich dem TSV Ensingen angeschlossen“, erzählt Jelden. Im Sommer 2018 folgte der nächste Schritt. Unter Anleitung von Christian Streib absolvierte Jelden die ersten Trainingseinheiten auf der Bahn. „Da habe ich gemerkt, dass sich richtig was tut“, berichtet der Vaihinger. Mit Studienbeginn – zunächst entschloss er sich für Informatik in Tübingen – fand er beim LAV Stadtwerke Tübingen „eine richtig geile Trainingsgruppe“, berichtet Jelden.

Lieblingsstrecke von Paul Jelden

Und hatte nun richtig Blut geleckt. Mit dem Entschluss, das Studienfach zu wechseln, weil er gemerkt hatte, dass Informatik nicht wirklich etwas für ihn ist, bemühte er sich um ein Leichtathletik-Stipendium in den USA. Im Januar 2020 begann er ein eigentlich auf vier Monate angelegtes Auslandssemester an der Central Methodist University in Fayette im US-Bundesstaat Missouri. „Da erlebte ich ein richtig strukturiertes Training. Wir hatten sechs Laufeinheiten pro Woche. Dazu kam Krafttraining und alternative Einheiten“, erzählt Jelden. Wegen der Corona-Pandemie endete der USA-Aufenthalt aber vorzeitig bereits nach 2,5 Monaten.

Wer nicht seine Grundschnelligkeit verbessern will, kann Jeldens Lieblingsstrecke auf abwandeln und so „zu einer Genussstrecke machen“, erklärt der Vaihinger. Dabei gibt es zwei Varianten – jeweils für den Rückweg aus Mühlhausen. Entweder wechselt man auf die andere Enzseite und läuft dort durch den Wald zurück nach Roßwag. Oder man nimmt auf der linken Enzseite den Anstieg in die Felsengärten von Mühlhausen. „Auf halber Höhe kann man wunderschön durch die Weinberge zurück nach Roßwag laufen – mit super Ausblicken ins Enztal“, berichtet Jelden.

Wegweiser: Alle Lieblingsstrecken gibt es auf Komoot

Über den kostenlosen Routenplaner Komoot stellt die Sportredaktion der Vaihinger Kreiszeitung auf ihrem Account „VKZ“ nach und nach alle Laufstrecken ihrer Serie „Wegweiser“ online zur Verfügung. Daraus ergibt sich ein Netz über das gesamte Verbreitungsgebiet – und eventuell auch etwas darüber hinaus. Alle Lieblingsstrecken finden Sie hier.

Sie haben auch eine Lieblingsstrecke, die Sie gerne zeigen möchten? Dann melden Sie sich in unserer Sportredaktion per Mail an sport@vkz.de.

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