Ein gallisches Dorf?

Erstellt: 26. September 2020
Ein gallisches Dorf? Ein gallisches Dorf?

Ein gallisches Dorf?

Tischtennis macht aktuell keine gute Figur. Anfang des Jahres war da die verpatzte Fusion zu einem baden-württembergischen Verband. Die Verbände Württemberg-Hohenzollern und Südbaden stimmten dafür, Nordbaden verweigerten. Auch beim coronabedingten Abbruch der Saison 2019/2020 gab man ein schlechtes Bild ab. Statt auf die Quotientenregelung zurückzugreifen, wurden schiefe Zwischentabellen, weil Mannschaften unterschiedlich viele Partien absolviert hatten, zu Endklassements. Und nun gibt es für die neue Spielzeit auch noch einen Flickenteppich. Eigentlich hatte das Verbandspräsidium am 10. September beschlossen, dass Doppel auf Verbands- und Bezirksebene gespielt wird (siehe „Beim Doppel scheiden sich die Geister“). Doch in diesem Beschluss ist eine Ausnahme verankert: Verbietet eine Gemeinde die Austragung von Doppelpartien, so wird in der gesamten Liga darauf verzichtet. Diese Klausel kommt beim TSV Erlenbach zur Anwendung – als einzigem Verein in Württemberg und Südbaden mit rund 50 000 Tischtennisspielern. „Es ist passiert, was wir uns nicht gewünscht haben“, erklärt Thomas Walter, der Geschäftsführer des Tischtennis-Verbands Baden-Württemberg (TTBW). Doch warum sind nun überall Doppel erlaubt, nur in Erlenbach nicht, das mit einem aktiven Covid-19-Fall (Stand Dienstag) nicht gerade zu einem Corona-Hotspot zählt. Der TSV Erlenbach hatte im Juli ein Hygienekonzept erstellt, als noch keine Doppel erlaubt waren, und dieses bei der Gemeinde eingereicht. Auf dieser Grundlage hat die Verwaltung das Doppelverbot den Verbandsoberen übermittelt. „Unsere Tischtennisspieler spielen im Training kein Doppel, dann ist das auch bei den Punktspielen nicht der Fall“, sagt Erlenbachs Ordnungsamtsleiter Bernd Hirrle. Und Walter ergänzt: „Wir können nicht die örtliche Kommune zwingen, dass Doppel stattfinden.“ Die Erlenbacher fühlen sich aber nicht als aufmüpfige Gallier gegen das übermächtige Rom. Wenn der Verband kurzfristig kurzfristig eine Entscheidung abändere, „dann kommt auch unsere Entscheidung und die lautet: keine Doppel“, erklärt Hirrle. Eine Entscheidung ganz im Sinne der Erlenbacher Tischtennisspieler. „Wir habend er Gemeinde schon mit unserem Hygienekonzept im Juli den Hinweis gegeben, dass es für die Risikominimierung sinnvoll wäre, auf die Doppel zu verzichten“, berichtet Alexander Schraag, TSV-Abteilungsleiter und Spieler der Bezirksligamanschaft. In den Staffeln mit Erlenbacher Beteiligung wie in der Bezirksliga Heilbronn kommt nun ein anderes Spielsystem zur Anwendung. Es wird ohne Doppel, dafür aber alle Einzel gespielt. Ergebnisse von einem 12:0 bis zu einem 6:6 sind nun drin. In allen anderen Staffeln bleibt alles beim Alten. Die Mannschaft, die als erstes neun Punkte erreicht hat, steht als Sieger fest. Es werden aber maximal 16 Matches gespielt. Zu Ergebnissen von 9:0 bis 9:7 sind auch 8:8-Unentschieden möglich. Die TSV-Verantwortlichen haben sich aber auch nicht gerade ein Bein ausgerissen, das Doppelverbot zu umgehen. Denn klar ist: Mit einem überarbeiteten Hygienekonzept hätte die Gemeinde Erlenbach Doppel kaum abgelehnt. Doch Tischtennischef Schraag ist der Meinung: „Es ist für die Sportart Tischtennis nicht existenzbedrohend, auf Doppel zu verzichten. Fußball ohne Zweikämpfe ist hingegen nicht möglich.“ (nac)

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