TVV beschließt Auflösung der Tennisabteilung

Der Antrag des Bereichs wird im Vereinsrat am Donnerstagabend einstimmig angenommen. Der Hauptverein schließt eine Vermietung des Geländes auf dem Wolfsberg an Fremde aus und will das Areal selbst entwickeln. Die Ideen sind aber noch nicht ausgegoren.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 25. Juli 2020
TVV beschließt Auflösung der Tennisabteilung Gibt es an dieser Stelle auf der Tennisanlage des TV Vaihingen auf dem Wolfsberg bereits im nächsten Jahr eventuell einen Parcours-Kurs? Foto: Leitner

Vaihingen. Der TV Vaihingen wird ab dem 1. Januar 2021 vorerst um eine Abteilung ärmer sein. Der Vereinsrat – das Gremium, in dem alle Abteilungsleiter und deren Stellvertreter, der Geschäftsstellenleiter sowie Vertreter der verschiedenen Ausschüsse zusammenkommen – hat am Donnerstagabend einstimmig einen Antrag der Tennisabteilung abgenickt, die Abteilung zum 31. Dezember diesen Jahres aufzulösen. „Die Auflösung der Abteilung ist nicht in unserem Sinne“, erklärt Frank Hertfelder. „Mir tun vor allem die Sportler leid. Sie wollen doch eigentlich nur Tennis spielen.“ Doch irgendwie war der Schritt unumgänglich. „Die Tennisabteilung beschäftigt mich nun schon seit acht Jahren – nicht sportlich, denn die Leistungen und das Engagement sind toll. Aber es gibt strukturelle Probleme“, fügt der Präsident des TVV hinzu.

Mit dem Beschluss des Vereinsrats fängt nun die Phase an, in der sich die Verantwortlichen des TV Vaihingen Gedanken machen werden, wie das Tennisgelände auf dem Wolfsberg zusammen mit dem Werner-Banck-Heim in Zukunft genutzt werden kann. Denn eines steht für das Präsidium des TVV fest, wie es Vizepräsident Wolfgang Knoll auf den Punkt bringt: „Schon im Januar haben wir unter anderem auch gegenüber der Leitung der Tennisabteilung klargestellt, dass eine Vermietung an einen Fremdverein nicht infragekommt. Wir als Eigentümer des Geländes, der es der Tennisabteilung in der Vergangenheit nur kostenlos zur Nutzung überlassen hat, müssten finanziell enorm in Vorleistung gehen. Von der Abteilung wurde zuletzt ein Sanierungsbedarf von 115 000 Euro angemeldet. Doch wir würden auch das Risiko tragen. Denn es ist nicht sicher, dass wir langfristig Mieteinnahmen generieren würden, die den Unterhalt der Anlage decken würden.“

TVV will Gelände auf dem Wolfsberg neu entwickeln

Die Leitung der Tennisabteilung sei aber bis zuletzt der Überzeugung gewesen, dass sie aus dem Hauptverein austreten und dann als Mieter des Geländes auf dem Wolfsberg so weitermachen könnte wie bisher. „So hat sie es auch den Tennismitgliedern suggeriert. Doch durch eine Miete würde das Strukturproblem nicht gelöst“, erklärt Knoll. Und Hertfelder ergänzt: „Die Vertreter der Tennisabteilung waren in der Sitzung des Vereinsrats komplett überrascht, dass wir das Gelände nicht brachliegen lassen werden, sondern bereits Ideen haben, wie man es nutzen könnte.“

Noch sind es nur vage Ideen, was aus der Tennisanlage des TVV auf dem Wolfsberg in Zukunft werden könnte. „Wir wollen ein neues Konzept erarbeiten, in dem Tennis zwar eine Rolle, aber nur noch eine untergeordnete spielt. So ist zum Beispiel denkbar, dass wir nur drei, vier oder fünf der bisherigen acht Plätze bestehen lassen. Oben am Abhang rund um das Werner-Banck-Heim soll etwas Anderes passieren“, berichtet Knoll. „Wir könnten das Gebäude zum Beispiel für Kleingruppen nutzen, um tagsüber Angebote machen zu können. Denn zurzeit sind wir da sehr eingeschränkt, da wir die Sporthallen erst ab 17 Uhr nutzen dürfen.“ Hertfelder träumt dagegen von einem „Sport-Hub, quasi einem Entwicklungslabor für Sportarten. Dort könnte man Trendsportarten oder Sportarten anbieten, die es in Vaihingen noch nicht gibt“, erklärt der TVV-Präsident. Zur Disposition steht allerdings auch, dass ein Parcours-Kurs entsteht. „Die Abteilung Turnen und Fitness ist bereits in Gesprächen mit der Stadtverwaltung, ob so ein Kurs im Rahmen der Entwicklung des alten Bahnhofs und des BayWa-Areals in Vaihingen umgesetzt werden kann. Dort soll auch ein Spielplatz entstehen. So eine Anlage würde in etwa genau den Platz eines Tenniscourts beanspruchen“, erzählt Hertfelder.

Die Umgestaltung des Geländes auf dem Wolfsberg würde allerdings eine hohe Investition notwendig machen. „In dem Moment sind wir aber Herr auf dem Platz. Außerdem wäre die Investition für den ganzen Verein und nicht nur für eine Abteilung“, erklärt der TVV-Präsident. Und sein Vize ergänzt: „Darüber hinaus würden wir versuchen, das Risiko zu streuen. Zudem würden wir das Gelände für ganz Vaihingen weiterentwickeln.“

Und der TV Vaihingen ist wie die meisten seiner Abteilungen durchaus in der Lage, eine große finanzielle Ausgabe zu tragen. „2011 stand der TVV zwar auf der Ebene der Hauptkasse kurz vor der Insolvenz. Nur durch Darlehen der Abteilungen und einer Bürgschaft der Stadt hat der Verein überlebt“, erinnert sich Hertfelder. Ein Hauptgrund dafür sei vor allem auch die Tennishalle in der Walter-de-Pay-Straße gewesen, die sich als finanzielles Grab entpuppt habe. „In der Folge wurden viele unpopuläre Entscheidungen getroffen, die praktisch von allen Abteilungen mitgetragen wurden, so dass der TV Vaihingen in der Zwischenzeit finanziell wieder auf soliden Füßen steht“, berichtet der Präsident. „Lediglich die Tennisabteilung ist diesen Weg nicht mitgegangen.“ Und Knoll ergänzt: „Die Leitung der Tennisabteilung hat sich sogar immer geweigert, selbst kleinste Steigerungen der Mitgliedsbeiträge umzuzusetzen. Sie hat nur von dem gelebt, was da war. Und anfallende Kosten hat sie versucht, auf den Hauptverein abzuwälzen. So haben 90 Prozent der TVV-Mitglieder die Tennisabteilung finanziert, obwohl sie noch nie Tennis gespielt haben.“

Tennisabteilung legt Wirtschaftsplan nur mit Widerwillen vor

Auch zuletzt haben die Verantwortlichen der Tennisabteilung einen vom Präsidium eingeforderten belastbaren Wirtschaftsplan, wie sie sich vorstellen, den Sanierungsbedarf von 115 000 Euro zu stemmen, erst nach Druck vorgelegt. „Da wurden aber Steigerungsraten der Einnahmen ausgewiesen, die utopisch sind“, berichtet Knoll. Und Hertfelder ergänzt: „Gleichzeitig wurde der Wunsch geäußert, dass die Abteilung aus dem Hauptverein austreten wolle. Dies wurde auch von der Mehrheit der Tennismitglieder, unter denen die Abteilungsleitung eine Umfrage absolvierte, unterstützt.“

Das Problem vieler Tennisvereine: „Die Sportart ist durch Boris Becker und Steffi Graf Mitte der 1980er als Breitensport unheimlich populär geworden. Es entstanden überall Freiluftanlagen und Tennishallen. Doch in der Zwischenzeit sind die Zahlen der Tennisspielenden rückläufig. Vor rund 20 Jahren hatte die Tennisabteilung des TVV rund 500 Mitglieder, jetzt sind es gerade einmal noch rund 220“, berichtet Knoll. „Die bespielen aber immer noch die gleichen, großen Anlagen, können sie aber alleine nicht mehr finanzieren. Die Lösung wäre nur, wenn man Anlagen rausnimmt. Das gelingt aber nur, wenn jeder etwas von seiner Identität aufgibt.“

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