Tennisabteilung hofft auf Machtwort

Nach dem Beschluss der Auflösung des Bereichs hoffen die Tennisspieler darauf, dass OB Maisch zu ihren Gunsten entscheidet. Im Konflikt zwischen dem Präsidium des TV Vaihingen und der TVV-Tennisabteilung ist auf beiden Seiten viel Porzellan zerbrochen worden.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 30. Juli 2020
Tennisabteilung hofft auf Machtwort Tennisabteilung hofft auf Machtwort

Vaihingen. Die Ankündigung des TVV-Präsidiums, dass das Gelände auf dem Wolfsberg neu erschlossen und nicht mehr ausschließlich zum Tennisspielen genutzt werden soll, hat die Leitung der Tennisabteilung des TV Vaihingen um den stellvertretenden Abteilungsleiter Horst Ehrenberg und den Sportwart Markus Naujack – die Führungsposition ist derzeit vakant – unvorbereitet getroffen, als der Vereinsrat auf Antrag der Abteilung in der vergangenen Woche die Auflösung der Tennisabteilung zum Jahresende beschlossen hat (wir berichteten). Denn: „Juristisch ist der Hauptverein zwar der Eigentümer des Geländes auf dem Wolfsberg, nicht aber moralisch. Denn wir sind der Meinung: Das Gelände wurde damals der Tennisabteilung übergeben, auch wenn der Hauptverein der Käufer war. Denn ohne die neu gegründete Tennisabteilung hätte die Stadt das Grundstück dem TVV nicht verkauft“, berichtet Naujack. „Wir finden, als Nachfolger der damals handelnden Personen haben wir das Recht, dort Tennis zu spielen. Darüber hinaus gibt es eine Klausel im damaligen Kaufvertrag: Die Stadt darf den Verkauf rückabwickeln, wenn dort kein Tennis mehr gespielt wird.“

Doch wer wie das Gelände auf dem Wolfsberg nutzen darf, auf dem sich sieben Tennisplätze sowie das Werner-Banck-Heim befinden, das einem kleinen Restaurant gleichkommt, ist zurzeit die zentrale Frage im Streit zwischen dem TVV-Präsidium und der -Tennisabteilung. Die Abteilungsleitung hofft nun auf ein Machtwort von Oberbürgermeister Gerd Maisch. „Am 26. August gibt es ein Gespräch mit dem OB, in dem es hauptsächlich darum gehen soll, wie es mit dem Gelände weitergeht und ob unsere Vision von leistungsfähigem Tennis sich mit den Vorstellungen der Stadtverwaltung deckt“, berichtet Ehrenberg. Und Naujack entgegnet enttäuscht: „Damit gehen wieder vier Wochen ins Land, in dem nicht viel passiert.“

Denn das Zerwürfnis zwischen Präsidium des Hauptvereins und der Tennisabteilung hat sich jetzt schon seit Jahren aufgebaut. Dabei ist auf beiden Seiten viel Porzellan zerbrochen worden. Frank Hertfelder, der TVV-Präsident, sagt zum Beispiel: „Wegen all dem, was in der Vergangenheit passiert ist, stehe ich der Tennisabteilung kritischer als anderen Abteilungen gegenüber.“ Und Ehrenberg erklärt: „Mehrere Personen haben immer wieder versucht, ein Gespräch mit dem Präsidium zu führen. Doch einen produktiven Austausch gab es praktisch nicht. Stattdessen glichen die Gespräche eher Tribunalen, in denen einem die Vergangenheit vorgehalten wurde. Selbst ein Vorschlag von OB Maisch wurde umgangen, sich mit einem Schlichter zusammenzusetzen. Das ist frustrierend.“ Und Naujack ergänzt: „Das Präsidium hat das Mantra vor sich hergetragen, hatte ich den Eindruck, dass wir für das Debakel mit der Tennishalle verantwortlich sind. Das Thema war fast immer: Der TVV hat wegen der Tennisabteilung Schulden gemacht. Dadurch wurde das Innenverhältnis nachhaltig beschädigt. Doch es kann ja nicht sein, dass man immer wieder darauf rumreitet, dass jemand vor 20 Jahren Fehler gemacht hat.“

Bis das Gespräch mit OB Maisch Ende August stattfindet, wollen die Tennisspieler, die bisher unter dem Dach des TVV aktiv waren, einen eigenen Verein gegründet haben, „allein schon deshalb, dass klar ist, da ist eine Organisation die das Gelände weiter nutzen möchte“ , berichtet Naujack und fügt hinzu: „Unser Ziel ist, unsere 22 Mannschaften, die in der aktuellen Saison in einer Spielgemeinschaft mit dem TSC Vaihingen am Start sind, zu erhalten. Denn nur, wenn die Menschen Tennis spielen, wird auch ein aktives Vereinsleben gestaltet.“ Das gehe aber nicht nur unter dem Dach des TSC Vaihingen. „Wir verstehen uns mit den Verantwortlichen beim TSC sehr gut. Aber wenn wir uns dem TSC anschließen würden, wäre das sportlich ein Rückschritt. Denn wir müssten einen Teil unserer Teams abmelden, da die fünf Tennisplätze am unteren Egelsee zu wenige sind. Und der TSC hat keine Möglichkeit zur Erweiterung“, fährt der Sportwart fort.

Mit dem Worst-Case-Szenario möchte sich die Leitung der Tennisabteilung des TV Vaihingen dagegen nicht auseinandersetzen. Sollte der TVV eine neue Tennisabteilung gründen, um das Gelände auf dem Wolfsberg eigenständig weiter zu nutzen, „stelle ich OB Maisch die Frage, ob er einer der drei Mitglieder ist, die dort Tennis spielen“, erklärt Naujack. „Denn wo soll denn ein dritter Tennisverein in der Vaihinger Kernstadt seine Mitglieder herbekommen?“ Und Ehrenberg macht klar: „Es gibt keinen praktisch niemanden aus der jetzigen Tennisabteilung des TVV, der in eine neue Tennisabteilung unter dem Dach des TVV eintreten würde.“

Als Übergangslösung würde der neugegründete Tennisverein versuchen, Plätze anzumieten. Ehrenberg: „Es gibt einige Vereine im Umfeld der Kernstadt, bei denen Kapazitäten frei sind.“ Naujack ergänzt aber: „Das wäre aber nicht sehr attraktiv und nur eine Übergangssituation.“ In einem weiteren Schritt müsste man dann entscheiden, „ob man aktiv nach vorne geht oder ob es auseinanderläuft“, erklärt Ehrenberg. „Das müssten dann aber alle Mitglieder gemeinsam entscheiden.“

 

HINTERGRUND

Wirtschaftsplan mit vier Säulen

Horst Ehrenberg und Markus Naujack, der stellvertretende Abteilungsleiter und der Sportwart der Tennisabteilung des TV Vaihingen, verwehren sich gegen den Vorwurf des TVV-Präsidiums, die Tennisabteilung habe zuletzt keinen tragfähigen Wirtschaftsplan aufgestellt. „Wir hatten vier Säulen erarbeitet, mit denen wir den Sanierungsbedarf von 115 000 Euro tragen wollten. Von Mitgliedern der Abteilung hatten wir die Zusage, dass sie uns 25 000 Euro zur Verfügung stellen. Dazu haben wir auf Zuschüsse vom Württembergischen Landessportbund (WLSB) gesetzt. Viel wollten wir auch in Eigenleistung sanieren. In Höhe des dann noch fehlenden Betrags hätten wir aber auch einen Kredit aufnehmen müssen“, berichtet Ehrenberg. Doch das sei dem Präsidium nicht genug gewesen. „Man kann jeden Wirtschaftsplan zerreden“, erklärt Naujack enttäuscht. „Aber wenn wir diesen nicht mit einer Vision erstellt hätten, hätten wir ihn uns auch gleich sparen können.“ (nac)

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