„Das war Gift für mich“

Stebe hat beim Neckar-Cup mit Dustin Brown einen der unangenehmsten Gegner in seiner Situation, in der er viele Ballwechsel braucht

Von Michael Nachreiner Erstellt: 14. Mai 2019
„Das war Gift für mich“ Cedrik-Marcel Stebe genießt es, Ballwechsel unter Wettkampfatmosphäre zu schlagen – gestern Abend waren es allerdings nicht viele.  Foto: Küppers

Seit rund einem Monat ist Cedrik-Marcel Stebe zurück auf der Tennis-Welttour, nachdem er fast das ganze Jahr 2018 wieder verletzungsbedingt hat aussetzen müssen. Was ihm nun fehlt, sind viele Ballwechsel, um wieder das Gefühl zu bekommen. Doch genau dafür war Dustin Brown in der ersten Runde des ATP-Challenger-Turniers Neckar-Cup in Heilbronn nicht geeignet.

Heilbronn/Enzweihingen. „Es ist immer schwierig, gegen Dustin Brown zu spielen. Er gibt einem überhaupt keinen Rhythmus. Doch das ist genau das, was ich brauche – viele Ballwechsel“, erklärt ein etwas konsterniert wirkender Cedrik-Marcel Stebe nach der 4:6 und 3:6-Niederlage gegen 34-Jährigen aus Celle. „Das war heute Gift für mich.“ Lange Ballwechsel? Fehlanzeige. Der Weltranglisten-171. mit jamaikanischen Wurzeln hat seine Schläge variiert. Mal spielte er lang longline, mal cross, dann lockte er Stebe, der nach seiner Verletzungspause auf Rang 506 abgerutscht ist, an Netz vor. Oder aber er nutzte die Gelegenheit, selbst einen Angriff ans Netz zu fahren. Dennoch hatte Stebe seine Chancen. „Doch ich habe sie nicht genutzt. Allein im ersten Satz hatte ich fünf Breakbälle.“ Doch den Aufschlag hat der 28 Jahre alte Enzweihinger seinem Kontrahenten kein einziges Mal abgenommen. „Es hätte nicht so deutlich ausfallen müssen“, erklärt er etwas geknickt.

Doch so richtig wurmt ihn die Niederlage nicht. „Ich stehe erst seit rund einem Monat wieder auf dem Platz“, berichtet der Linkshänder. „Da kann man nicht erwarten, dass die ganze Routine gleich wieder da ist und alles wieder sofort läuft. Ich bin einfach glücklich, dass ich wieder spielen kann. Der Rest kommt von alleine.“ Wichtig ist erst einmal, dass das Handgelenk die Belastungen aushält. „Wenn ich mich einschlage, fühlt es sich ein paar Minuten etwas steifer an. Doch nach so fünf Minuten ist es ganz normal“, erklärt der 28-Jährige.

Dass ihm Routine fehlt, hat man auch immer wieder in Heilbronn gegen Brown gesehen. Immer wieder präsentierte der Enzweihinger den Ball seinem Kontrahenten fast perfekt, wenn der einen Netzangriff gestartet hatte. Und Brown ließ Stebe ein ums andere Mal bei solchen Geschenken ins Leere laufen. „Es waren aber auch schwierige Lichtverhältnisse. Licht und Schatten wechselten sich ständig auf dem Court ab. Und Dustin spielt nicht gerade langsam“, berichtet der Enzweihinger. „Aber vielleicht war ich auch etwas zu passiv.“

Wichtig sind für Stebe neben vielen Ballwechseln auch viele Matches. Deshalb hofft er, dass er noch einen Startplatz im ATP-250-Turnier entweder von Lyon oder von Genf in der nächsten Woche noch einen Startplatz bekommt. „Das wird aber schwierig. Es ist ein hoher Cutoff – das heißt, man muss in der Weltrangliste relativ weit vorne stehen, um ins Feld zu kommen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass alle Angst haben, dass sie Punkte verlieren und deshalb alles spielen, was möglich ist“, erzählt Stebe.

Sollte er weder Genf noch Lyon spielen können, reist er bereits Anfang nächster Woche nach Paris. Ab 26. Mai trifft sich die Creme de la Creme des Tennissports auf der Anlage in Roland Garros zu den French Open. Und der Enzweihinger wird mit dabei sein. Durch seine lange Verletzungspause kann er eine gewisse Anzahl an Turnieren unter der Weltranglistenposition spielen, die er vor seiner Verletzung hatte. Und da stand er unter den besten 100 der Welt.

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