Cedrik-Marcel Stebe: „Ich habe nie ans Aufhören gedacht“

Nach knapp eineinhalb Jahren Wettkampfpause will sich der Tennisprofi wieder zurückkämpfen, will aber nichts überstürzen

Von Michael Nachreiner Erstellt: 22. Januar 2015
Cedrik-Marcel Stebe: „Ich habe nie ans Aufhören gedacht“ Ein Bild aus besseren Tagen: Cedrik-Marcel Stebe hat zum letzten Mal im September 2013 um Weltranglisten-Punkte gespielt. Dann fing eine lange Leidenszeit an. Foto: Archiv/Küppers

Licht am Ende des Tunnels ist zu sehen. Das hofft zumindest Cedrik-Marcel Stebe. Der Tennisprofi hat ein wahres Martyrium hinter sich. Immer wieder wurde er von Verletzungen zurückgeworfen und hat seit September 2013 kein Turnier mehr absolviert. Bis zum Frühjahr möchte der 24-Jährige aber wieder um Weltranglistenpunkte spielen.

München/Enzweihingen. 2012 war das Jahr von Cedrik-Marcel Stebe. Anfang jener Saison kämpfte sich der Enzweihinger in der Tennis-Weltrangliste bis auf Platz 71 vor. Im Sommer bewahrte er dann das Team Deutschland im Davis-Cup vor dem Sturz in die Zweitklassigkeit, als er im entscheidenden letzten Einzel die ehemalige Nummer eins der Welt, Lleyton Hewitt, bezwang. An die gute alte Zeit bleiben heute aber nur Erinnerungen. Denn nach dem Davis-Cup-Auftritt begann ein wahres Martyrium. Zunächst quälte sich Stebe mit Rückenproblemen. Dann verletzte er sich bei den Heilbronn Open im Januar 2013 an der Hüfte. Er spielte zwar noch die Saison, doch eine Operation war letztlich im Herbst 2013 nicht mehr zu vermeiden.

Seitdem reiht sich eine Verletzung an die andere. „Mental war die Zeit seit meiner Hüft-OP ein Auf und Ab“, berichtet der 24-Jährige. „Ich habe mich gefreut, dass ich wieder spielen kann. Und dann kam wieder was. Ans Aufhören habe ich aber nie gedacht. Schließlich bin ich noch relativ jung. Und Tennis kann man bis über 30 Jahre spielen.“ Weil Stebe zu früh wieder mit dem Training angefangen hatte, bekam er zunächst wieder Rückenprobleme. Dadurch war er erneut zwei bis drei Monate außer Gefecht gesetzt. „Das hat sich bis April hingezogen“, erklärt der Enzweihinger.

Wieder stieg er in die Vorbereitung auf die Turniere ein. Und wieder bekam er Probleme. Dieses Mal am Schambein. „Wenn ich nicht so eine lange Pause gehabt hätte – immerhin zog sich das Ganze von September 2013 bis April 2014 hin –, hätte ich wohl keine Schambeinprobleme bekommen. Die kamen nämlich durch Disbalancen in der Muskulatur“, erzählt Stebe.

Wieder musste er pausieren. „Als Behandlung hatte ich viel Physiotherapie zur Lockerung der Muskeln in der Schambeingegend. Und als die Muskelspannung unten war, habe ich wieder angefangen, die Muskulatur aufzubauen. Doch das hat sich erst einmal ziemlich lange hingezogen, da es lange gedauert hat, bis überhaupt die Reizung des Knochens kuriert war“, berichtet der 24-Jährige.

Zurzeit befindet sich Stebe gerade am Übergang von der Reha- zur Aufbauphase, die er in der Tennis-Base in Oberhaching bei München absolviert. „Ich habe seit Neujahr angefangen, viel Fitness zu machen. Dabei steht der Kraftaufbau ganz oben auf der Liste“, erzählt der Enzweihinger. Bei manchen Trainingsinhalten bleibt er aber noch vorsichtig. Stebe: „Ausdauer mache ich fast ausschließlich auf dem Fahrrad. An Läufe taste ich mich erst heran.“ Und auch den Tennisschläger lässt er noch weitestgehend links liegen. „Ich habe zwar schon wieder ab und zu Tennis gespielt. Aber ich will nicht riskieren, dass ich mich durch eine blöde Bewegung gleich wieder verletze“, sagt der 24-Jährige. „Ich will sicher gehen, dass die Beschwerden am Schambein weg sind. Dafür mache ich auch lieber ein paar Wochen länger Pause.“

Die ehemalige Nummer 71 der Welt ist aber guten Mutes. „Wenn ich so weitermache und bald wieder mit dem Tennistraining beginnen kann, dann wird es schnell gehen, bis ich wieder Turniere spielen kann. Die körperlichen Voraussetzungen sind schließlich geschaffen“, erklärt Stebe. Einen genauen Zeitplan hat er sich nicht auferlegt. Aber die Rückkehr in den Tenniszirkus im März sei ein realistisches Ziel.

Dann könnte er auch gleich wieder bei größeren Turnieren einsteigen. Denn bei längeren Verletzungspausen von Profis hat die Spielervereinigung ATP vorgesorgt. Um den Athleten eine leichtere Rückkehr zu ermöglichen, wird bei einer längeren Verletzung ein Mittel aus den Weltranglistenplatzierungen der ersten drei Monate nach der Verletzung errechnet. Wenn ein Profi wie im Fall von Stebe länger als zwölf Monate ausfällt, kann er sich mit dieser fiktiven Platzierung zu zwölf Turnieren innerhalb eines Jahres nach der Rückkehr melden. „Ich habe von der ATP die offizielle Mitteilung, dass in meinem Fall Platz 165 errechnet wurde. Damit bin ich bei 80 Prozent der Challenger-Turniere im Hauptfeld“, erzählt Stebe. „Ich werde aber wahrscheinlich erst einmal ein, zwei kleinere Turniere auf Future-Ebene spielen. Das hat sich schon zu Jahresanfang 2012 bewährt, als ich von einer Rückenverletzung zurückgekommen bin.“

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