Cedrik-Marcel Stebe hat einiges umgestellt

Der Tennisprofi will in Zukunft aggressiver auftreten und öfter ans Netz gehen. „Das eröffnet mir mehr Optionen“, sagt der 29-Jährige. Er hat aber auch viel Zeit mit seiner Verlobten Christina, die er vor Kurzem geheiratet hat, beim Wandern und Radfahren verbracht.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 15. August 2020
Cedrik-Marcel Stebe hat einiges umgestellt Cedrik-Marcel Stebe hat sich auf der German Men’s Series des Deutschen Tennis-Bunds (DTB) schon einige Matchpraxis geholt. Foto: Hasenkopf

Bregenz/Enzweihingen. Endlich kommt es bei der ATP- und der Challenger-Tour zu einem Restart. Auch Cedrik-Marcel Stebe fiebert der Wiederaufnahme des Spielbetriebs auf höchster Ebene entgegen. Der Tennisprofi aus Enzweihingen nutzt auch gleich die erste Möglichkeit, wieder um Weltranglistenpunkte zu kämpfen. Die 29 Jahre alte Nummer 133 der Welt schlägt ab Montag beim Challenger-Turnier Internatzionali di Tennis di Citta Todi in Umbrien auf. Mit seinem Teamkollegen von der Tennisbase Unterhaching, Yannick Hanfmann, und dessen Trainer Lukas Wolff macht sich Cedrik-Marcel Stebe an diesem Wochenende mit dem Kleinbus auf ins italienische Todi, wo zum ersten Mal seit 2017 wieder ein Tennisturnier ausgetragen wird.

Dabei geht es für Cedrik-Marcel Stebe vor allem darum, wieder seinen Rhythmus zu finden. „Ich will einfach nur wieder reinkommen und ein paar Spiele bestreiten. Denn nach der langen Pause sind die Turniere in der ersten Woche sehr gut besetzt. Alle wollen wieder spielen“, berichtet der 29-Jährige.

Doch auch wenn der Enzweihinger seine Ziel nicht so hoch steckt, er fühlt sich fit und gut vorbereitet. „Durch die German Men’s Series des Deutschen Tennis-Bunds (DTB) habe ich einige Matchpraxis bekommen. In 16 Wochen habe ich 15 oder 16 Begegnungen bestritten“, erklärt Cedrik-Marcel Stebe. „Das war sehr hilfreich. Das hat uns zum einen sportlich gutgetan, zum anderen aber auch finanziell unterstützt.“

Stebe arbeitet intensiv an Angriffen ans Netz

Auch sein Fazit zu Platz vier im Endklassement der DTB-Turnierserie fällt positiv aus. „Dadurch, dass es nicht um ganz so viel ging wie Weltranglistenpunkte habe ich an ein paar Sachen gearbeitet, die ich mir vorgenommen hatte. Ich wollte vor allem aggressiver spielen und öfter ans Netz vorkommen“, berichtet Cedrik-Marcel Stebe. Vor allem die Netzangriffe sind ihm wichtig. „Das ist eine Ergänzung zu meinem Spiel“, erklärt der Weltranglisten-133.. „Ich gebe mir dadurch mehr Optionen. Und es ist für meinen jeweiligen Gegner schwieriger. Wenn ich ans Netz vorgehe, muss er aktiver sein. Und wenn er meint, ihm gehen die Optionen aus, kann ich ihn zu Fehlern zwingen.“

Schon die Wochen während des Corona-Lockdowns hat der 29-Jährige genutzt, um intensiv an seinem Spiel zu arbeiten. „Zum Glück mussten wir Tennisprofis nicht so lange pausieren. Bereits rund drei Woche nach Beginn des Lockdowns durften wir in Bayern wieder auf den Platz“, berichtet Cedrik-Marcel Stebe, der an der Tennisbase Unterhaching trainiert. In den ersten Wochen des Lockdowns sei die Situation psychologisch allerdings nicht einfach gewesen. „Natürlich hatte man anfangs das Gefühl, man trainiert auf einen unbestimmten Zeitpunkt hin, weil wir nicht wussten, wann es wieder weitergeht“, erzählt Cedrik-Marcel Stebe. „Deshalb habe ich auch nicht ganz so viel trainiert. In den ersten drei, vier Woche nach der Wiederaufnahme des Trainings waren es nur zwei oder drei Einheiten pro Woche, um im Schlag zu bleiben.“

Erst als Gerüchte aufkamen, wie der Restart gelingen könnte und wie das Ganze wieder hochgefahren könnte, erhöhte er das Pensum wieder. „Als dann feststand, dass die German Men’s Series gespielt werden, habe ich mich auch explizit darauf vorbereitet“, berichtet der 29-Jährige. „Da stand ich dann an fünf Tagen in der Woche zu jeweils zwei Einheiten auf dem Platz – eine kürzere und eine längere. Dazu kamen noch Konditions-, Präventions- oder Schnelligkeitstraining.“

Allerdings sagt er auch, auf dem Stand wie zu Beginn des Jahres 2020, als er beim Challenger-Turnier in Noumea in Neukaledonien ins Halbfinale und beim Challenger-Turnier in Columbus in den USA ins Viertelfinale eingezogen war, ist er noch nicht. Aber: „Vom Spielerischen bin ich in etwa bei 80 oder 90 Prozent von damals. Da haben natürlich auch die Matches der DTB-Turnierserie geholfen, auch wenn das Niveau nicht ganz so hoch war, wie wenn man in einem Grand-Slam-Hauptfeld steht“, berichtet Cedrik-Marcel Stebe. Der 29-Jährige gibt jedoch auch zu bedenken, dass er am Anfang des Jahres „voll im Rhythmus war und gut dastand“.

Viel Wandern und Fahrradfahren in den Bergen rund um Bregenz

Untätig rumgesessen in seiner vielen Freizeit ist Stebe allerdings nicht. „Ich habe viel Zeit mit meiner Verlobten Christina verbracht. Zwischenzeitlich haben wir auch geheiratet“, erzählt der 29-Jährige. Da Christina Stebe in der Zwischenzeit in Lindau arbeitet, hat das Paar eine neue Heimat in Bregenz am Bodensee gefunden. „Dort gibt es viele Möglichkeiten, sich zu betätigen. Wir waren zum Beispiel viel Wandern und Fahrradfahren. Wir haben aber auch einfach mal nur die Seele baumeln lassen.“

Denn während der Tennissaison ist der Stress schon hoch genug. Unter der Woche schläft Cedrik-Marcel Stebe in einem Apartment der Tennisbase Unterhaching vor den Toren von München. „Pendeln wäre zu aufwendig“, erklärt er. Und dann sind da ja immer noch die ganzen Turniere, zu denen er rund um den Globus jettet.

Wie die Saison in diesem Jahr aber für den Weltranglisten-133. weitergeht, darüber hat sich Cedrik-Marcel Stebe noch gar nicht so viele Gedanken gemacht. „Ich schaue mit Blick auf die Corona-Pandemie eher kurzfristig“, sagt der 29-Jährige. „Ich gehe zwar davon aus, dass man spielen kann und dass die Tour bis in den November hinein verlängert wird, wenn es so weitergeht. Aber wie schnell sich das ändern kann, hat man an Madrid gesehen, wo die Mutua Madrid Open im September, ein ATP-1000-Turnier, kurzfristig abgesagt wurden.“

Die Hoffnung, mindestens einen der beiden noch ausstehenden Grand Slams, die US Open in New York vom 31. August bis zum 13. September und die French Open in Paris vom 27. September bis zum 11. Oktober, zu spielen, hat Cedrik-Marcel Stebe auch noch nicht aufgegeben, obwohl er sein letztes Protected Ranking für das ATP-250-Turnier Delray Beach Open im US-Bundesstaat Florida im Februar benutzt hat. „Ich habe aber immer noch eine kleine Chance, in New York reinzukommen, obwohl keine Qualifikation gespielt wird. Die besten 128 Spieler der Welt kommen auf jeden Fall ins Hauptfeld. Doch in der Regel sind nicht alle am Start“, erklärt die Nummer 133 der Welt. Es wären also nur fünf oder sechs Spieler die nicht melden müssten.

Der 29-Jährige hofft auf eine Rückkehr unter die besten 100 der Welt

In Zukunft sollten solche Rechenspiele aber überhaupt nicht zum Tragen kommen, geht es nach Cedrik-Marcel Stebe. Denn das Ziel des 29-Jährigen ist es immer noch, wieder „in die Top 100 zu kommen“. Sich mit der Weltrangliste zu beschäftigen, ist allerdings in der aktuellen Situation in den Hintergrund gerückt, „da man nicht weiß, wie es mit dem Ranking überhaupt weitergeht, da in diesem Jahr so viele Turniere durch die Corona-Pandemie ausgefallen sind und damit eigentlich die dort gewonnen Punkte verloren gehen“, berichtet der Tennisprofi. Er kann es dagegen entspannt sehen. „Ich habe kaum Punkte zu verteidigen“, erklärt er. „Deshalb habe ich gute Chancen, einige Plätze gutzumachen, wenn ich jetzt gut spiele.“

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