„Medaillen? Da gibt es eine Schublade“

Trophäensammlung von Karateka Achim Haubennestel wächst im Verborgenen – Stadt Vaihingen ehrt 193 Sportler für ihre Leistungen

Erstellt: 1. April 2019
„Medaillen? Da gibt es eine Schublade“ Die erfolgreichsten Sportler des vergangenen Jahres aus Vaihingen sind auf der Bühne vereint mit denen, die von der VKZ zur Wahl als Sportlerin, Sportler und Mannschaft des Jahres gestellt wurden. Fotos: Küppers

Die Sportlerehrung der Stadt Vaihingen ist umgestaltet und damit aufgewertet worden. Mehr Show, weniger Information – dieses Konzept ist bei der Premiere am Freitagabend bei den Besuchern angekommen. So gab es zur Begrüßung zwei Showacts und dann gleich das gemeinsame Essen. „Sam & Co. ist eine Produktion aus der Stadt in der Stadt“, sagte Oberbürgermeister Gerd Maisch. Dann waren die Gäste auch schon zum Abendessen eingeladen.

Es folgte ein Ehrungsmarathon, bei dem gute und herausragende Leistungen gleichermaßen gewürdigt wurden. Insgesamt wurden 193 Sportler für 195 ehrungswürdige Platzierungen ausgezeichnet. Ein Höhepunkt war auch dieses Mal die Verleihung der Goldmedaillen der Stadt Vaihingen. „Dafür braucht man einen Titel bei einer EM oder WM, auf jeden Fall auf internationaler Ebene“, sagte Maisch. Mit Eberhard Holl und Achim Haubennestel haben gleich zwei Sportler diese Kriterien erfüllt. Haubennestel stand nicht zum ersten Mal neben dem OB und erzählte frisch von der Leber weg: „Meine Medaillen? Da gibt es eine Schublade. Da werden alle reingeschoben, und dann ist die Tür zu.“ Er mache seinen Sport weniger, um Titel zu sammeln, sondern um Spaß zu haben, sagte der vielfach prämierte Karateka. „Man weiß ja nie, wie ein Turnier läuft.“ Dieses Mal stand er auf der Bühne der Stadthalle, weil ihm bei den World Martial Arts Games die Titelverteidigung gelungen war. Wie lange er noch auf Spitzenniveau aktiv sein wird, kann Haubennestel schlecht absehen. „Über 45 Jahren gibt es aber keine höhere Altersklasse mehr“, sagte er. „Da wird es sich irgendwann von alleine ergeben, dass man aufhört, weil die Jüngeren viel besser sind.“ Körperlich gibt es dagegen weniger Gründe, beispielsweise wegen Verschleißerscheinungen – er kämpft nicht im Vollkontakt, sondern im Formenlauf.

Holl ist noch gar nicht so lange auf dem Spitzenniveau aktiv, für das er jetzt ausgezeichnet wurde. „In der Unlimited-Klasse gehe ich erst seit drei, vier Jahren an den Start“, sagt der Segelflieger, der vor zehn Jahren den Kunstflug für sich entdeckt hat. In der war er jetzt mit der deutschen Nationalmannschaft erfolgreich. Auf der Bühne erzählte er ein wenig vom Nervenkitzel, ohne den es beim Segelkunstflug nicht geht: „Man muss immer wissen, wo oben und wo unten ist. In der Figur fliegt man nach oben, dann reißt die Strömung ab und es macht schwupp.“ Umso wichtiger, schnell wieder die Kontrolle über das Sportgerät zu gewinnen, das mit Tempo 300 hoch über dem Erdboden unterwegs ist.

Bei der Sportlerehrung der Erwachsenen war es am Freitag nicht viel anders als tags zuvor bei den Jugendlichen – manche Mannschaften, die mit einem Dutzend Sportlern angemeldet waren, ließen sich gerade mal von zwei Personen auf der Bühne vertreten. Zum Beispiel die Tennisspielerinnen der Frauen 50 und 60 des TV Vaihingen. Zu ihrer Entschuldigung gab Moderator Heiko Deichmann aber übers Mikro durch: „Die Damen sind bei einem Turnier in Kroatien, da haben wir ein gewisses Verständnis, dass sie nicht hier sein können.“ Andere Sportler waren im Training oder wie Straßenradfahrer Alexander Krieger auf einer Rennveranstaltung.

Die Fußballer der SGM Roßwag/Mühlhausen wurden für den Titelgewinn beim Vaihinger Stadtpokal geehrt, bei dem sie den TSV Kleinglattbach als Seriensieger der vergangenen Jahre abgelöst haben. Und sie machten keinen Hehl daraus, im nächsten Jahr zumindest auf anderer Ebene ähnlich erfolgreich sein zu wollen. Auf die Frage, wo sie am Ende der Saison in der Kreisliga B 7 wohl in der Tabelle zu finden seien, kam sofort die Antwort: „Da wo wir jetzt stehen.“ Das wäre der Spitzenplatz, verbunden mit dem Aufstieg als Meister in die A-Klasse.

Die Faustballer des TV Vaihingen, deren bisheriges Bundesligateam mit Ende der Hallensaison auseinanderfällt, plauderte Marco Lochmahr über frühere Erfolge und die deutsche Vizemeisterschaft zum Abschied. „Die ersten Titel sind die besten“, sagte er. „Aber nach einer jahrelangen Durststrecke haben sich alle nochmal zusammengerissen.“ Monatelanges Training war nötig, um die mittlerweile gealterten Athleten in Turnierform zu bringen – mit Erfolg. Deutscher Meister mit dem TSV Pfungstadt wurde Johannes Jungclaussen, der neben seinen Vaihinger Ex-Mitspielern auf der Bühne stand. „Es hat schon einen besonderen Reiz, gegen die ehemaligen Teamkollegen zu spielen und den einen oder anderen Punkt reinzulegen“, berichtete der Auricher. Ralph Küppers

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