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Ukraine-Benefizpartie spielt viel Geld ein

Emotionale Stimmung, konkrete Hilfe und ein sportlicher Test: Die ukrainische Nationalmannschaft und Borussia Mönchengladbach setzen Zeichen für den Frieden.

  • Die ukrainischen Spieler feiern das 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach.Foto: Federico Gambarini/dpa

    Die ukrainischen Spieler feiern das 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach.Foto: Federico Gambarini/dpa

Mönchengladbach - Erst war es nur ein Fan mit Ukraine-Fahne, dann liefen nach Abpfiff des Benefizspiels der Nationalmannschaft bei Borussia Mönchengladbach immer mehr Menschen auf den Platz. Vor allem Jugendliche wollten ihren Fußballstars ganz nah sein.

Unter Applaus von den Rängen holten sich einige von ihnen eine Umarmung mit einem ukrainischen Auswahlspieler ab, andere wurden von den Ordnern unter Pfiffen von den Rängen vorher eingefangen. Zum Abschluss eines emotionalen Abends mit zahlreichen Zeichen gegen den Krieg drehten beide Teams eine Ehrenrunde.

"Man hat es gespürt, dass es eine besondere Atmosphäre war", sagte Gladbachs Patrick Herrmann. Der Borussia-Park sei anders gewesen als sonst. "Das war irgendwie toll." Im direkten Zusammenhang mit dem Spiel wurden nach Angaben des Bundesligisten rund 600.000 Euro für die Ukraine eingenommen. Das Geld wurde unter anderem durch Ticketeinnahmen und Spenden eingespielt, die der TV-Sender Pro7 während seiner Übertragung sammelte.

Zuschauer klatschten für beide Teams

Zur besonderen Atmosphäre gehörte, dass die meisten Zuschauer für beide Teams klatschten, bei den Toren der Ukrainer zum 2:1-Sieg des Nationalteams äußerten auch die Gladbacher Fans keinen Unmut. Statt Borussia-Songs wurden vor der Partie ukrainische Lieder gespielt. Besonders die Nationalhymne sorgte für intensive Momente. Die Kameras fingen immer wieder Menschen ein, die ihre Emotionen nicht verbargen.

"Beim Singen der Nationalhymne hatte ich Tränen in den Augen", sagte Nationaltrainer Oleksandr Petrakow am späten Mittwochabend in den Katakomben des Borussia-Parks. Mit eindrücklichen Worten schilderte er die aktuelle Situation der Ukrainer: "Ich wünsche keinem, in dieser Situation zu sein und das zu erleben. Seit dem ersten Tag, als die Raketen begannen über Kiew zu fliegen, saß ich in meiner Wohnung. Meine Frau konnte es nach einiger Zeit nicht mehr aushalten, ist dann immer wieder zur Sicherheit in einen Schutzraum gegangen. Wie gesagt: Ich wünsche es keinem und es ist eigentlich gar nicht zu beschreiben, wie schlimm das alles ist."

Petrakow betonte seine Dankbarkeit für die Unterstützung. Es sei gut gewesen zu zeigen, "dass wir als Land noch lange nicht verloren sind".

Die Ukraine will nun in den kommenden Wochen weitere Tests bestreiten. Den Spielern aus der einheimischen Liga fehlt seit Kriegsbeginn Wettkampfpraxis und Anfang Juni will sich das Team über die Playoffs für die Weltmeisterschaft in Katar qualifizieren. Am 1. Juni steht das Halbfinale in Schottland an. Gewinnt die Ukraine, spielt sie vier Tage später gegen Wales um die WM-Teilnahme.

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