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Der Traum vom Double lebt

Die Stuttgarter Volleyballerinnen haben im vierten Spiel der Finalserie einen 3:2-Auswärtssieg beim SC Potsdam gefeiert und haben nun an diesem Sonntag (19.15 Uhr) in der Stuttgarter Scharrena ein echtes Endspiel um die deutsche Meisterschaft.

  • Erleichterung nach großer Anspannung: Stuttgarts Volleyballerinnen freuen sich über den Sieg in Potsdam.Foto: dpa/Soeren Stache

    Erleichterung nach großer Anspannung: Stuttgarts Volleyballerinnen freuen sich über den Sieg in Potsdam.Foto: dpa/Soeren Stache

Was für eine Dramatik! Was für eine Spannung! Was für eine Finalserie! Den Stuttgarter Volleyballerinnen drohte im Tie-Break des vierten Play-off-Duells schon das Ende der Saison, der SC Potsdam stand kurz vor der Meisterschaft – ein 3:2-Sieg hätte den Titelgewinn bedeutet. Doch beim 14:13 servierte Maja Savic ins Netz, den zweiten Matchball beim 15:14 wehrte Mira Todorova mit einem Block gegen Konstantina Vlachaki ab. Und dann schlug Allianz MTV Stuttgart mit drei Punkten in Serie zurück. Simone Lee, die einen überragenden fünften Satz spielte, machte den 3:2-Erfolg der Gäste (25:23, 19:25, 27:25, 22:25, 17:15) perfekt. Der Rest war Jubel, Ekstase, pure Freude. Und ungläubiges Staunen. Auch über sich selbst.

Stuttgarts Team zeigt Charakter

Zwei Tage zuvor hatten die Stuttgarterinnen das zweite Heimspiel gegen den SC Potsdam noch 2:3 verloren, lagen in der Finalserie mit 1:2 hinten, mussten sich deutliche Kritik der Verantwortlichen anhören. Das Ziel war, eine Reaktion zu provozieren, und diese Rechnung ging auf. „Die Mannschaft hat Charakter und einen riesen Kampf gezeigt“, jubelte Sportdirektorin Kim Renkema, „diese Leistung von beiden Teams war der absolute Wahnsinn und eine tolle Werbung für den Volleyball-Sport.“

Der DM-Titel wird am Sonntag vergeben

Die Entscheidung über den DM-Titel fällt nun am Sonntag (19.15 Uhr/Sport 1) im finalen fünften Duell in der Scharrena – und alles ist offen. Meint zumindest Kim Renkema. „Für uns war es schon fast vorbei, jetzt werden wir alles tun, um diese Chance zu nutzen. Diese Serie ist mit den bisher vier Auswärtssiegen absolut krass und irre, sie hat jetzt schon enorm viel geboten – wer das letzte Spiel gewinnt, verdient den Titel.“

Dass der Traum vom Double lebt, lag an einer klaren Steigerung der Stuttgarterinnen. Und daran, dass beim Pokalsieger zwei Spielerinnen auftrumpften, die zuletzt in dieser Form nicht in Erscheinung traten. Außenangreiferin Maria Segura Palléres glänzte nicht nur in der Annahme, sondern auch im Aufschlag, und sie profitierte davon, dass Trainer Tore Aleksandersen seine Taktik etwas umgestellt hatte und sie in den Angriff mehr eingebunden war. „Wir mussten etwas verändern, die schnellen Bälle über sie haben sehr gut funktioniert. Sie hat sehr klug agiert“, erklärte Kim Renkema, die auch Zuspielerin Julia Nowicka lobte, die Mitte des dritten Satzes Ilka Van de Vyver abgelöst hatte: „Unser Spiel profitierte enorm von ihrer Variabilität und Frechheit.“ Und dann gab es ja auch noch Roosa Koskelo.

Roosa Koskelo beweist ihre Qualitäten

Die finnische Libera zeigte unglaubliche Abwehraktionen, stand in der Annahme sicher und wurde zur wertvollsten Spielerin der Partie gekürt. Auch Tore Aleksandersen war von Koskelo begeistert. „Sie ist eine der Besten in Europa auf ihrer Position“, sagte der MTV-Coach, „und heute hat sie zudem noch einen super Tag gehabt.“ Einen solchen benötigen die Stuttgarterinnen nun auch im fünften Spiel. Denn dass der SC Potsdam nachlassen wird, davon ist eher nicht auszugehen. „Unser Gegner ist beunruhigend stark, gibt nie auf. Bei der Mannschaft klappt derzeit fast alles“, sagte Kim Renkema, die vor allem die mentale Stärke der Potsdamerinnen beeindruckt: „Wir haben den ersten und den dritten Satz nach Rückständen knapp gewonnen, und trotzdem sind sie jedes mal wieder zurückgekommen. Das war ebenso unfassbar wie frustrierend.“

Trainer Aleksandersen ist stolz auf sein Team

Und dennoch liegt das Momentum jetzt auf Seiten von Allianz MTV Stuttgart – weil der SC Potsdam verkraften muss, gleich zweimal den einen entscheidenden Punkt, der die Meisterschaft bedeutet hätte, nicht gemacht zu haben. Ob das gelingt? Wird sich an diesem Sonntag zeigen. „Ich bin auf jeden Fall stolz, wie sich meine Mannschaft in die Serie zurückgekämpft hat“, meinte Tore Aleksandersen, der auch erklärte, worauf es nun ankommt: „Vor allem auf den Aufschlag, aber auch auf viele Kleinigkeiten. Es gibt keine Geheimnisse mehr, es geht jetzt um Disziplin und die Frage, wer im fünften Spiel innerhalb so kurzer Zeit das größere Feuer entfachen kann.“ Hört sich an, als könnte es noch einmal richtig dramatisch werden.

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