„Wir werden die bunten Vögel im Peloton sein“

Nikodemus Holler aus Eberdingen fährt mit dem Team Bike-Aid bei der Deutschland-Tour – Etappen führen 30 Jahre nach dem Mauerfall durch vier Bundesländer

Von Ralph Küppers Erstellt: 30. August 2019
„Wir werden die bunten Vögel im Peloton sein“ Nikodemus Holler (Mitte) aus Eberdingen ist bei der diesjährigen Deutschland-Tour noch bis Sonntag mit dabei. Foto: Archiv/Hilger

Die Deutschland-Tour ist unterwegs. 132 Spitzen-Radsportler fahren die 717,5 Kilometer in vier Etappen von Hannover nach Erfurt. Mittendrin: Nikodemus Holler aus Eberdingen. Der 28-Jährige fährt für das Team Bike Aid. Dieses ist im Saarland beheimatet und bekannt für die Teilnahme an exotischen Rennen. Außerdem unterstützt der gleichnamige Verein gezielt Sportler in Afrika.

Hannover/Eberdingen. Dass der Radsportler aus Eberdingen tatsächlich mal im eigenen Land antritt, ist die Ausnahme. „Für mich persönlich ist es genial, bei der einzigen deutschen Rundfahrt am Start zu stehen“, sagt Holler. „Von meinen sonstigen Wettkämpfen bekommt in Deutschland ja kaum jemand etwas mit, da sie hauptsächlich in Asien und Afrika stattfinden. Im eigenen Land zu fahren ist für mich deshalb etwas ganz besonderes. Aus emotionalen, nostalgischen Gründen.“ Denn auch wenn die Deutschland-Tour lange Jahre nicht stattgefunden hat, ist sie 2018 bei ihrer ersten Auflage nach der Pause gleich wieder viel beachtet worden. „Für mein Team ist die Deutschland-Tour eine Riesengelegenheit, unser Projekt der breiten Öffentlichkeit vorzustellen und Menschen für Bike Aid zu begeistern“, sagt Holler, der sich über das große Publikumsinteresse freut. „Ein Profiteam, das nicht nur um Siege fährt, sondern mit jedem Tritt auch soziale Projekte unterstützt, ist sehr ungewöhnlich im professionellen Sport und sorgt für Aufsehen. Wir werden die bunten Vögel im Peloton sein.“

Wie gut es sportlich laufen wird, da gab sich der Eberdinger zu Tourbeginn gestern eher zurückhaltend. „Bislang ist bei mir im Jahr 2019 ziemlich der Wurm drin“, berichtet er. „Im Mai wurde eine Schilddrüsenunterfunktion diagnostiziert. Damit wurde klar, warum mein Leistungslevel deutlich unter dem der vorherigen Jahre lag. Auch wenn ich mittlerweile gut eingestellt bin, merke ich auch jetzt noch die Auswirkungen der Krankheit. Ein halbes Jahr, in dem ich nur selten perfekt trainieren konnte, hinterließ seine Spuren.“ Darum hat er auch nur gedämpfte Erwartungen und ist bei der Zielsetzung eher pragmatisch: „Die Deutschland-Tour werden wichtige Rennkilometer für mich sein, um zu alter Stärke zurückzufinden. Vielleicht kann ich mich auf der ein oder anderen Etappe in einer Ausreißergruppe zeigen.“ Darüber freuen würde er sich besonders. Denn die Deutschland-Tour sei schon ein besonderes Rennen für ihn selbst, aber auch für sein Team. „Gerade was die Medienpräsenz angeht“, sagt Holler. „Sportlich gesehen ist es ein Wettkampf wie jeder anderer. Nur eben mit absoluter Star-Besetzung.“

Doch auch schon ohne die Bühne Deutschland-Tour freut sich der Eberdinger, dass sein Team Bike Aid ständig wächst. „Immer mehr Menschen werden auf uns aufmerksam. Das ist großartig und motiviert extrem“, berichtet er. „Dieser Trend setzt sich jetzt hoffentlich bei der Deutschland-Tour fort.“

Im Juli waren Holler und seine Mitstreiter von Bike Aid noch in China bei der Tour of Qinghai Lake am Start – völliges Kontrastprogramm zur jetzigen Rundfahrt. „Das ist im Nordwesten Chinas auf einem Hochplateau auf gut 3200 Metern, im Niemandsland, nicht weit entfernt von der Mongolei. Hier sind die Herausforderungen dann natürlich ganz andere. Höhenluft, extreme Temperaturschwankungen, fremdes Essen, fremde Sprache und Kultur“, zählt er auf. „Ehrlich gesagt liebe ich die Mischung aus eher exotischen und traditionellen Rennen. Auch nach gut 15 Reisen nach China ist es jedes Mal aufs Neue ein Abenteuer. Deutschland ist meine Heimat, das Land in dem ich groß wurde und lebe. Hier die Chance zu haben, das Bike-Aid-Trikot zu präsentieren und gegen die Besten der Besten zu fahren, ist großartig.“ Erfolge hat Holler hier wie da schon gefeiert. Doch jetzt muss er erst einmal wieder voll ankommen.

Weiterlesen

Die Weltklasse von morgen hautnah erleben

Drucken Bietigheim-Bissingen (red). Die olympische Sportart Badminton gastiert hochkarätig besetzt in Bietigheim-Bissingen. Erstmalig hat der Deutsche Badminton-Verband (DBV) in seiner mehr als 66-jährigen Geschichte ein Länderspiel nach Bietigheim-Bissingen vergeben. Am 4. November um 18.45 Uhr präsentieren die beiden... »