Untersucht wird, was das Pferd hergibt

Zur Dopingprobe verwendet der Tierarzt Urin oder Blut – Schwere Unfälle bei Reitveranstaltungen sind die große Ausnahme

Von Ralph Küppers Erstellt: 23. September 2017
Untersucht wird, was das Pferd hergibt Ist mit dem Pferd alles in Ordnung? Tierarzt Dr. Jan Schraishuhn kontrolliert stichprobenartig vor dem Start beim Nussdorfer Turnier.    Foto: Küppers

Selbst wenn sich die Sanitäter dezent zurückhalten, sind bei großen Sportveranstaltungen ihre Kranken- oder Rettungswagen nicht zu übersehen, die für alle Fälle bereitstehen. Doch wer hilft bei einem Reitturnier, wenn der Patient nicht zwei, sondern vier Beine hat? Bei der Großveranstaltung des Reit-, Fahr- und Zuchtvereins Nussdorf, die von Freitag bis Sonntag läuft, ist auch Tierarzt Dr. Jan Schraishuhn ständig vor Ort.

Nussdorf. „Große Sachen sind in den vergangenen Jahren nie passiert“, sagt Dr. med. vet. Jan Schraishuhn. „Zum Glück nicht.“ Doch ebenso wie die Sanitäter für die Menschen ist der Tiermediziner ständig bereit für den Fall, dass seine Hilfe benötigt wird. „Früher hat es gereicht, wenn ich in meiner Praxis in Mühlacker erreichbar war“, berichtet er. „Von dort aus ist man ja schnell in Nussdorf. Aber seit diesem Jahr ist es vorgeschrieben, dass bei Spring- und Geländewettbewerben permanent ein Tierarzt auf dem Gelände sein muss.“ Für Schraishuhn blockiert das gleich eine ganze Reihe an Wochenenden pro Jahr. Denn er ist nicht nur bei drei großen Turnieren in Nussdorf im Einsatz, sondern auch bei denen in Maulbronn und Mühlacker. Immerhin ist es ihm nicht verboten, bei den von ihm betreuten Wettbewerben selbst an den Start zu gehen. Der passionierte Reiter nutzt auch an diesem Wochenende die Gelegenheit zum sportlichen Kräftemessen.

Während schlimme Blessuren in jüngerer Vergangenheit ausgeblieben sind, gibt es in anderer Hinsicht reichlich zu tun für den Veterinärmediziner. „Wenn von der Landeskommission Kontrollen angeordnet werden, führe ich die durch“, berichtet Schraishuhn. Stimmen die Eintragungen im Pferdepass, sind alle Impfungen gemacht, Identitätskontrolle – dem Tierarzt muss es beim Turnier nicht unbedingt langweilig werden. Neben den sowieso stichprobenartig stattfindenden Kontrollen können durch den hierfür bestimmten Richter jederzeit auch spontan weitere Kontrollen angesetzt werden. „Das gilt auch für Dopingproben“, sagt Schraishuhn. „Bei jedem zweiten, dritten Turnier werden ein paar Proben genommen. Wenn aber ein Pferd auffällt, weil es den Richtern eigentlich als aufgeregt bekannt ist, aber bei einem Wettbewerb relativ ruhig läuft, kommt schon mal eine spontane Kontrolle dazu.“ Werden dann Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel, Anabolika oder andere Stoffe gefunden, die im Turnierpferd nichts verloren haben, wird es für den Besitzer eng. „Darum gibt es ganz genaue Vorschriften für die Dopingproben“, erläutert der Tierarzt. „Es müssen mehrere Zeugen dabei sein, denn später kommt es oft zu Gerichtsverfahren. Beim Turnier muss eine eigene Dopingbox bereitstehen, in die das Pferd geführt wird.“ Dann folgt gerne mal eine kleine Wartezeit, bis eine Urinprobe möglich ist. „Ich brauche eine Urin- oder eine Blutprobe – je nachdem, was das Pferd hergibt“, sagt Schraishuhn.

Er ist mit der Materie bestens vertraut. „Den Stall in Nussdorf kenne ich seit 45 Jahren“, berichtet er. Damals war er noch als jugendlicher Begleiter dabei, seit Jahrzehnten ist er selbst der Tierarzt. Während Hunde und Hamster vom Besitzer in die Praxis gebracht werden, ist für Großtiere wie Pferde auch unter Normalbedingungen ein Besuch im Stall nötig. „Genau wie sonst, bin ich auch jetzt mit meinem Praxisfahrzeug hier vor Ort“, sagt Schraishuhn. „Die Notfallbehandlung erfolgt bei Bedarf direkt auf dem Reitgelände oder im Bereich der Dopingbox. Bei schweren Verletzungen wie Brüchen wird das Pferd vor Ort stabilisiert und dann in eine Pferdeklinik gebracht.“ Zur Wahl stehen in näherer Umgebung beispielsweise die Einrichtungen in Ludwigsburg, Marbach, Kirchheim oder Neubulach. „Das entscheidet der Besitzer“, sagt der Tierarzt. Wenn auf dem Platz etwas passiert ist, kommt der Mediziner nie alleine zum Einsatz. „Es stehen immer ein Pferdehänger und mehrere Helfer bereit“, sagt er. „Und eine Sichtblende, damit wir in Ruhe arbeiten können.“ Viel aufgeregter als bei seiner täglichen Arbeit seien die vierbeinigen Patienten aber auch nicht, sagt Schraishuhn. „Natürlich muss man aufpassen, und jedes Jahr bekommt man auch mal einen Tritt ab. Aber da gibt es keine großen Unterschiede zu sonst, wenn ich normal in den Stall komme.“

Direkt vor Ort erledigt er beim Turnier beispielsweise Verbände oder das Nähen von Wunden. Für Pferde mit Koliken hat Schraishuhn die passenden Schmerzmittel dabei. „Man kann gar nicht sagen, ob auf dem Platz mehr passiert oder im Umfeld“, berichtet er. „Bei manchen Turnieren komme ich zu mehreren Pferden, die sich im Anhänger verletzt haben. Bei anderen passiert auch mal überhaupt nichts.“ Was allerdings nicht angeht, ist eine Dauer-Sprechstunde während seiner Anwesenheit beim Turnier. Schraishuhn: „Wenn ich feststelle, dass ein Pferd lahm geht, dann wird es von den Richtern aus dem Wettbewerb ausgeschlossen. Das heißt aber nicht, dass dann gleich eine Behandlung nötig ist. Dafür soll der Besitzer am Montag einen Termin mit seinem Tierarzt daheim vereinbaren.“ Vom Wettbewerb ausgeschlossen werden auch Pferde, bei denen Schraishuhn beispielsweise blutige Spuren vom Sporeneinsatz findet. „Wenn wir heute ein Pferd mit solchen Spuren rausziehen, dann ist auf jeden Fall beim nächsten Turnier eine Kontrolle fällig“, sagt er. „Ich habe nach dem Turnier ein langes Protokoll auszufüllen. Das Tätigkeitsfeld, das ich habe, ist ziemlich riesengroß.“ So groß, dass der Tierarzt gar nicht daran gedacht hat, rechtzeitig Briefwahlunterlagen zu beantragen: „So muss ich jetzt am Sonntag ganz früh zur Wahl gehen, weil ich danach nicht mehr vom Turnier weg komme.“

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