Spagat zwischen Sport und Studium

Der Stuttgarter Ruderer Florian Roller will nach WM-Gold seine Karriere vorantreiben – im Wasser und an der Hochschule

Von Petra Muzenhardt Erstellt: 27. Oktober 2016
Spagat zwischen Sport und Studium „Dass wir Gold holen, hätte ich nie gedacht“, sagt Florian Roller (Zweiter von links), zwischen Schlagmann Cedric Kulbach, Patrik Stöcker und Johannes Ursprung (von links). Foto: Quickert

Studium und Leistungssport lassen sich oftmals nicht vereinbaren. Florian Roller versucht es und hat Erfolg. Der Ruderer der Stuttgarter RG gewinnt den WM-Titel im Leichtgewichts-Doppelvierer und gibt schon sein nächstes Ziel aus: Olympia 2020 in Tokio.

Stuttgart. Es ist brechend voll im kleinen Clubraum der Stuttgarter Rudergesellschaft (StRG). Kein Wunder, denn es gibt wieder einmal etwas zu feiern. Nach dem Triumph im Leichtgewichts-Achter im Vorjahr gewinnt Florian Roller erneut einen Weltmeistertitel. Diesmal im Leichtgewichts-Doppelvierer. Ein Novum im Deutschen Ruder-Verband (DRV): Der 23 Jahre alte Sportler aus Markgröningen ist der erste Ruderer in der Geschichte des DRV, der einen Weltmeistertitel im Skullen (Rudern mit zwei Paddeln) und Riemenrudern (mit beiden Händen an einem Ruder) in Folge errungen hat. Lobende Worte fand beim Empfang des Champions daher auch Sportbürgermeister Martin Schairer: „Wir haben nicht so viele Weltmeister in Stuttgart, daher können wir sehr stolz sein.“

Dabei sah es in Rotterdam Ende August anfangs gar nicht gut aus für die vier deutschen Jungs. Patrik Stöcker (Siegburg), Johannes Ursprung (Frankfurt), Schlagmann Cedric Kulbach (Karlsruhe) und Roller wurden in ihrem ersten Rennen nur Dritte. Den Hoffnungslauf allerdings gewannen sie anschließend souverän. Und im Finale lief es perfekt. Mit einer Bootslänge Vorsprung deklassierten sie die Konkurrenz und ließen die favorisierten Franzosen 2,7 Sekunden hinter sich. „Dass wir Gold holen, hätte ich nie gedacht. Aber es hat alles gepasst, obwohl wir zuvor gemeinsam nur ein Rennen gefahren sind“, sagt Roller.

Das Gold in Rotterdam tröstete ihn auch über die verpasste Olympiateilnahme in Rio de Janeiro hinweg. Aus dem Kampf von 20 Ruderern um die vier Plätze im Leichtgewichts-Vierer ohne Steuermann ist Florian Roller freiwillig ausgestiegen. Der Deutsche Ruder-Verband wollte, dass alle seine Athleten nach Hamburg umziehen. Auf eigene Kosten. „Ich hätte mein Studium aufgeben müssen. Und ein Platz im Boot war mir ja auch nicht sicher. Das war es mir nicht wert“, erklärt Roller. Doch den Traum von Olympia hat der Ruderer noch längst nicht aufgeben: „Ich werde alles daransetzen, 2020 nach Tokio zu kommen.“

Dafür hat er nun die Weichen anders gestellt. Das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik an der Universität Stuttgart musste er schweren Herzens aufgeben. Qualifikationen, Trainingslager und Training hatten ihren Preis. Die Uni Stuttgart hat keine Leistungssportvereinbarung mit dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Spitzensport und Studium ließen sich für Roller daher nicht mehr miteinander vereinbaren. Der Markgröninger suchte nach der bestmöglichen Lösung: Mithilfe der Laufbahnberatung des Olympiastützpunkts Stuttgart wechselte er an die Hochschule Esslingen, eine Partnerhochschule des Spitzensports. Diese hat eine Vereinbarung zur Förderung der Bundeskader mit dem DOSB, dem Allgemeinen Deutschen Hochschul-Verband und dem Studierendenwerk Stuttgart. Die Initiative dieser Kooperation ging von Professor Alexander Friedrich (Studien- und Prodekan der Fakultät Maschinenbau) aus. Er wurde auf Studierende aufmerksam, die trotz ihrer Zugehörigkeit zum Olympiakader auch erfolgreich studieren wollen. Neben Roller sind es derzeit noch 14 weitere Spitzensportler, die sich in Esslingen auf ihren beruflichen Werdegang konzentrieren. „Unsere Aufgabe ist es, alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um sowohl die Leistungssportkarriere als auch die späteren Berufschancen zu verbessern“, berichtet Professor Friedrich, der ebenfalls Gast bim Empfang war. „Was wir geben können, ist Zeit – und das ist der entscheidende Erfolgsfaktor.“

Statt Luft- und Raumfahrttechnik studiert Roller in Esslingen nun Maschinenbau. Auch der Standort der Hochschule ist für den 23-Jährigen ideal. Er liegt nur wenige Kilometer flussaufwärts von seinem Trainingsrevier in Untertürkheim. Ideale Voraussetzungen also für das nächste große Ziel: die Olympischen Spiele in Tokio.

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