Röhm hofft auf Wettkämpfe im Sommer

Nachwuchsdistanzreiterin aus Ensingen will sich nach der ausgefallenen Junioren-EM im vergangenen Jahr in dieser Saison unbedingt für die WM qualifizieren – und träumt davon, dass die Sportart irgendwann einmal olympisch wird.

Erstellt: 6. Mai 2021
Röhm hofft auf Wettkämpfe im Sommer Im Sattel von Saida Hilal eilt Finnja Röhm aus Ensingen beim Distanzreiten von einem Erfolg zum nächsten. Foto: privat

Vaihingen (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 24: Finnja Röhm (16). Die Ensingerin ist so etwas wie der aufgehende Stern am Himmel der Distanzreiter. Sie ist die amtierende Baden-Württembergische Jugendmeisterin und erritt in ihrem ersten Jahr auf internationaler Bühne 2019 durchweg Podestplätze. Die Belohnung folgte im Frühjahr 2020: Finnja Röhm wurde wie ihre zwei Jahre ältere Schwester Sina Röhm in den Landesjugendkader Distanzsport Berlin/Brandenburg berufen. Um dies möglich zu machen, starten sie von nun an für den RC Grunewald, da es in Baden-Württemberg keine Abteilung Distanzsport und deshalb auch keine Förderung oder Unterstützung junger Talente in dieser Sportart gibt. Finnja Röhm sitzt aber nicht nur erfolgreich im Sattel. Die 16-Jährige schaffte im vergangenen Sommer mit den B-Juniorinnen des SV Horrheim die Rückkehr in die Fußball-Verbandsstaffel Nord.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gut. Wir sind alle gesund und fit, darüber bin ich froh.

Jetzt in der trainings- und wettkampffreien Phase: Wie halten Sie sich fit?

Dadurch, dass die Grundversorgung der Pferde gewährleistet sein muss, haben wir das große Glück, in den Stall zu dürfen, und können so auch trainieren. Bei uns im Stall in Schützingen gibt es keine Stallgasse, die Pferde stehen in Kleingruppen – unsere Pferde bilden eine eigene, separate Gruppe. Somit sind die Reiter und/oder Besitzer auf der weiträumigen Anlage sehr gut verteilt, was uns in Zeiten von Corona sehr entgegenkommt. Neben dem Reiten spiele ich aktiv Fußball beim SV Horrheim in der B-Jugend-Verbandsstaffel. Leider musste beim Fußball seit Ende Oktober wegen Corona alles abgesagt werden. Außerdem gehe ich gerne Mountainbiken und im Winter Skifahren – bis auf dieses Jahr.

Und wie vertreiben Sie sich Ihre mehr-gewonnene Freizeit?

Es hat sich eigentlich nicht viel geändert, nur dass das Fußballtraining und die Spiele entfallen. Als Schülerin der Abschlussklasse habe ich Online- und Präsenzunterricht. Ein Mal am Tag bin ich im Stall und versorge unsere Pferde – diese Zeit fällt momentan auch mal länger aus. Nebenher gehe ich Mountainbiken.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Der Kontakt zu Freunden und meinen Fußball-Mädels. Sportlich gesehen fehlen mir die Trainingseinheiten zwei Mal in der Woche beim Fußball und die Wettkämpfe aller Art. Ich liebe die Wettkampfatmosphäre. Es ist immer sehr schön – und egal, ob bei den Distanzreitern oder den Fußball-Mädels, meist sehr kameradschaftlich. Leider ist durch Corona alles sehr eingeschränkt. Auf den Ritten darf zum Beispiel nur eine Begleitperson mit.

Blicken wir auf die bisher in dieser Saison absolvierten Wettkämpfe/auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Die vergangenen Jahre liefen für mich besonders gut, darüber bin ich sehr happy. 2020 wollten wir die Saison im März starten, doch dann war der erste Lockdown. Nach dem Lockdown mussten wir quasi aus dem Nichts direkt 120 Kilometer reiten, um unsere Sichtung für die Europameisterschaften der Junioren in Spanien zu erreichen. Fünf Wochen später kam die Meldung, dass die EM der Junioren ersatzlos gestrichen wurde. Am Anfang war ich schon sehr traurig. Doch das Deutsche Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) hat beschlossen, dass die Sichtung verlängert wird und für die Weltmeisterschaft 2021 in Ermelo in den Niederlanden zählt. Dieses Jahr hoffe ich, dass bald wieder Wettkämpfe stattfinden können, und ich meine Formbestätigung für die WM reiten kann.

Was lief nicht so gut?

Eigentlich wollten meine Schwester Sina und ich auf der baden-württembergischen Meisterschaft gemeinsam starten. Doch leider wurde unser Wallach Whiskey kurz vorher von einer Biene oder Wespe gestochen und hatte eine große Schwellung in der Gurtlage, so dass er nicht an den Start gehen konnte.

Und mit was sind Sie zufrieden?

Dass wir alle gesund sind und wir trotz Corona zu den Pferden dürfen. Wir haben diese Zeit genutzt, um uns weiterzuentwickeln. Mit unserer Vollblutaraberstute Saida Hilal habe ich viel an der Rittigkeit gearbeitet, das sollte sich dann bei großen Massenstarts auszahlen.

Haben Sie noch Hoffnung, dass die Saison zu Ende gebracht wird?

Dadurch, dass die Distanzritte im Sommer stattfinden und es eine Einzelsportart ist, bin ich sehr zuversichtlich, dass ab Sommer wieder Wettkämpfe unter strengen Corona-Regeln stattfinden werden. Im Fußball hingegen wurde die Saison leider schon abgesagt. Aber die Gesundheit geht vor.

Und wenn Sie Ihre bisherige Laufbahn Revue passieren lassen:Was war Ihr schönstes Sport-Erlebnis?

Im Reiten werde ich sicherlich die DM 2018 und meine ersten Ritte im Ausland nicht so schnell vergessen. Dennoch ist jeder Ort besonders, und jede Strecke ist anders. Das macht es abwechslungsreich und spannend.

Und welches war das negative Highlight?

Das Ausscheiden auf der deutschen Jugend-Meisterschaft 2019.

Wer war der beste Konkurrent, gegen den Sie jemals haben antreten müssen?

So pauschal kann ich das gar nicht sagen. Jeder Gegner oder Mitreiter hat seine Stärken und Schwächen. Beim Distanzreiten liegt auch viel am Pferd – wie sieht es mit der Regeneration aus, wie ist das Gangvermögen und so weiter. Und hier ist Saida Hilal sicher ein Ausnahmepferd.

Es heißt: Hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine starke Frau und hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein starker Mann. Wer ist bei Ihnen verantwortlich, dass Sie sportlich so erfolgreich sind?

Hier möchte ich mich bei meinen Eltern, meiner Schwester, den Reitlehrerinnen und meinem ganzen Team bedanken. Ohne sie wäre es nicht möglich. Sie begleiten mich auf jedes Turnier und unterstützen mich, wo sie können. Sie fahren mich überall hin und bringen mich immer weiter. Außerdem helfen sie mir, die Pferde zu trainieren, und ich muss nicht alleine Trainieren gehen, da es zu zweit einfach mehr Spaß macht.

Welches ist Ihr sportliches Vorbild?

Laura Dahlmeier: Ich bewundere sie wegen ihres unbändigen Willens und der Fähigkeit, immer zum richtigen Zeitpunkt die absolute Bestleistung abrufen zu können und alles aus ihrem Körper herauszuholen.

Wenn Sie nicht die Sportart treiben würden, für die Sie sich entschieden haben, welchem Hobby würden Sie nachgehen?

Fußball und Skifahren, da ich beide Sportarten von klein auf betreibe und sie mir viel Spaß machen.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Essen – denn ich habe immer Hunger. Ein Pferd. Und einen Ball. Warum ich die letzten beiden Dinge mitnehme, das ist selbsterklärend.

Wie charakterisiert Sie Ihre Familie oder Freunde?

Sie charakterisieren mich als sportlich, zielorientiert, ehrgeizig, teamfähig und charakterstark – wie mein Pferd.

Und was ist Ihre größte Schwäche?

Meine größte Schwäche ist meine Ungeduld. Ich hasse es, wenn etwas nicht gleich klappt, wie ich es mir vorstelle.

Wenn Sie eine Million Euro zur Verfügung hätten, was würden Sie damit machen?

Ein Haus in den Bergen mit einem kleinen Stall kaufen und verschiedene Länder bereisen. Ich bin gerne unterwegs und entdecke neue Orte.

Unabhängig von Geld: Welchen Wunsch würden Sie sich gerne einmal erfüllen?

Ein Jahr lang die Welt erkunden, weil ich gerne reise und neue Länder entdecken will.

Welchen Prominenten würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Felix Neureuther: Ich fahre sehr gerne Ski und finde toll, wie er seine sportlichen Ziele verfolgt hat und dabei immer positiv und meistens gut gelaunt geblieben ist.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich gerne einmal in der VKZ lesen?

„Distanzreiten wird Olympisch!“

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