Notbremsung vor dem eigenen Spiegelbild

Nicht alle Teilnehmer an den baden-württembergischen Mannschaftsmeisterschaften im Vielseitigkeitsreiten kommen an

Von Ralph Küppers Erstellt: 27. Juli 2016
Notbremsung  vor dem eigenen Spiegelbild Für Fair Play von Greta Faust aus Oberriexingen stellt das Wasser kein Problem dar.   Fotos: Küppers

Sie nehmen mächtige Hindernisse in elegantem Sprung und sie überwinden die Entfernungen dazwischen im gestreckten Galopp. Doch wenn sich Ross und Reiter dem Wassergraben nähern, kommt es zur Notbremsung. Als ob ein Bremsfallschirm gezogen würde: Bis hierher und keinen Schritt weiter. Oder doch?

Nussdorf. Der RFZV Nussdorf hat am Wochenende erstmals die baden-württembergischen Mannschaftsmeisterschaften im Vielseitigkeitsreiten ausgetragen. Am Start waren nicht nur Reiter und Pferde mit großer Erfahrung im Gelände. Entsprechend groß war dann aber die Herausforderung, wenn ungewohnte Aufgaben zu bewältigen waren. Die Geländeprüfung war der letzte von drei Bestandteilen der Vielseitigkeitsmeisterschaften. Und nur wer Dressur und Sprung schon bewältigt hatte, durfte zum Abschluss ins Gelände.

Bislang wurden diese Meisterschaften auf Landesebene in Altensteig ausgetragen. „Das geht jetzt aber nicht mehr“, sagt RFZV-Pressewartin Nicole Kachler. „Das Reitgelände dort ist zu Bauland geworden.“ Darum wagte der RFZV Nussdorf einen Versuch und übernahm für dieses Jahr die Ausrichtung – probehalber. Viele Vereine kämen nicht dafür infrage. Denn wo gibt es schon ein derart ausgedehntes und vielseitig modelliertes Gelände wie das am Ortsrand von Nussdorf? Dazu kommt, dass der Verein schon seit Jahren Wettbewerbe im Geländereiten in seine Turniere integriert.

Zur sauberen Ausführung kommt im Gelände noch die Ausdauerleistung hinzu

Im Gegensatz zur Dressur, wo es auf akribische Ausführung der Aufgaben und höchste Konzentration ankommt, oder zum Springreiten, bei denen ein anspruchsvoller Parcours möglichst fehlerfrei und schnell zu überwinden ist, kommen beim Geländeritt weitere Ansprüche an die Reiter und ihre vierbeinigen Sportkameraden dazu. Das ist die große Ausdehnung des Areals, auf dem die Sprünge verteilt sind, aber auch die Vielfalt der Aufgaben. „Es ist ganz schön anstrengend für die Pferde“, sagt Kachler. „Aber auch für die Reiter.“ Andere Prüfungen sind oft nach rund einer Minute bewältigt. Für jeden einzelnen Durchgang im Gelände waren am Wochenende vier bis fünf Minuten veranschlagt.

Auf diesem Weg mussten Baumstämme übersprungen werden, es ging über große Strecken und vor dem Sprung über die Hecke war das Gelände dahinter kaum einsehbar. „Besonders schwierig für die Pferde ist der Weg durch einen schmalen Graben, der von Gebüsch eingerahmt ist“, berichtet Kachler. „Da geht es steil runter und ist dunkel. Außerdem steht vom Regen in der Nacht auf Samstag noch ein bisschen Wasser an der tiefesten Stelle.“ Und danach geht es ebenso steil wieder hinauf, direkt anschließend folgt ein Sprung übers Hindernis.

Doch das alles ist noch nichts gegen die Überquerung des Wasserbeckens. Völlig unvermittelt führte die rasante Jagd die Pferde an eine glänzende und damit unheimliche Oberfläche. Noch dazu spiegelte sich darin ihr eigenes Bild. Erfahrene Vierbeiner kannten die Situation schon und unterbrachen ihr Eiltempo für keine Sekunde, so dass das Wasser hoch aufspritzte. Andere machten eine Vollbremsung und betrachteten scheu die Wasserfläche. Da sollten sie durch? Vorsichtig wurde das nasse Element mit einem Huf angetippt. Manche Tiere machten zwei Schritte vor und einen zurück, andere versuchten sich am matschigen Rand entlang zu drängeln. Meistens gelang es den Reitern aber doch, ihr Pferd zu überreden.

Sogar die Außenbereiche des ausgedehnten Reitgeländes in Nussdorf gehören zum Parcours

„Es gibt Pferde, die lassen sich nicht dazu bewegen, auch nur einen Schritt ins Wasser zu setzen“, berichtet Kachler. „Die können dann aber auch nicht Gelände reiten.“ Bei der Geländeprüfung der Klasse A musste das Wasser einmal schräg durchritten werden. Die Teilnehmer an der L-Prüfung mussten nicht nur schräg durch, sondern kurz vor Ende des Parcours auch noch einmal längs, wobei sie das Wasserbecken über ein Hindernis verließen. Auch auf dem übrigen Gelände waren die unterschiedlichen Anforderungen deutlich zu spüren. „Die Sprünge sind enger, die Strecke ist weiter“, zählt Kachler auf. Außerdem müssen Zuschauer, die sich eigentlich auf dem Nussdorfer Reitgelände auskennen, genau aufpassen – die Randbereiche werden voll in den Parcours mit einbezogen. Da geht es die Böschung hinauf und mit einem Sprung wieder herunter. Zwischen den Hindernissen wird, je nach Fähigkeit von Ross und Reiter, gern schon mal stark beschleunigt. „Dann ist es aber ganz wichtig, kurz vor dem nächsten Sprung wieder abzubremsen“, sagt Kachler. Seine Pferdestärke unter Kontrolle zu halten, ist für den Reiter die oberste Devise.

In der Mannschaftswertung sind gleich drei Reiter aus dem Raum Vaihingen auf den dritten Platz gekommen. Als Team des Pferdesportkreises Ludwigsburg zeigten Steffen Kraus und Daniel Rapp vom gastgebenden Verein sowie Greta Faust (Römerhof Oberriexingen) gemeinsam mit Sarah Schmierer und Franziska Schmierer (beide PSG Erdmannhausen) eine eindrucksvolle Leistung.

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