Krieger macht vor allem hohe Wattzahlen

Straßenradprofi mit Auftakt der Saison in Türkei zufrieden – Teamkollege Rekita, für den Vaihinger viel arbeitet, gewinnt Tour of Antalya

Von Michael Nachreiner Erstellt: 28. Februar 2019
Krieger macht vor allem hohe Wattzahlen Meist in der Nähe von Teamkollege Szymon Rekita wie hier direkt am Hinterrad hielt sich Alexander Krieger (Dritter von rechts) auf der Schlussetappe der Tour of Antalya auf. Foto: Haumesser

Das Ergebnis mit Platz 69 im Gesamtklassement und Rang fünf als bestem Einzelergebnis auf der zweiten Etappe ist nicht herausragend. Dennoch zeigt sich Straßenradprofi Alexander Krieger mit seiner Leistung bei der viertägigen Tour of Antalya zufrieden. „Dass mein Teamkollege Szymon Rekita die Rundfahrt gewonnen hat, ist für alle ein Sieg, weil wir viel investiert haben.“

Antalya/Vaihingen. Der Einstieg in die Saison ist geglückt. Nicht so sehr wegen der Ergebnisse bei der viertägigen Rundfahrt Tour of Antalya. Sondern vielmehr wegen der Leistung. „Wichtig ist vor allem, dass man die Kilometer in die Beine bekommt“, erklärt Alexander Krieger vom Team Leopard Pro Cycling. „Gut war aber auch, dass ich so viel gearbeitet habe. Darauf kann man aufbauen.“

Arbeit war es vor allem für den 27 Jahre alten Straßenradprofi aus Vaihingen, seinen Teamkollegen Szymon Rekita dazu zu befähigen, sich den Gesamtsieg zu sichern. „Auf der dritten Etappe mit der Bergankunft in Termessos – das waren eigentlich nur 91,8 Kilometer – bin ich auf dem Zahnfleisch angekrochen gekommen. Ich bin fast die gesamte Zeit Vollgas gefahren und habe richtig hohe Wattwerte abgeliefert.“

Die Früchte der Arbeit von unter anderem Krieger fuhr Rekita ein. Der Pole gewann die Etappe mit acht Sekunden Vorsprung auf die beiden Spanier Juan Pedro Lopez (Kometa Cycling Team) und Rubén Plaza (Israel Cycling Academy). Der bisherige Gesamtführende Maarten de Jonge (Monkey Town – à Bloc Cycling Team) aus den Niederlanden kam erst 55 Sekunden nach Rekita ins Ziel, so dass der Pole die Gesamtwertung übernahm – mit neun Sekunden Vorsprung auf den Italiener Giovanni Lonardi (Nippo Vini Fantini Faizanè) und elf Sekunden Vorsprung auf den Ungarn Attila Valter (CCC Development Team). „Das Ziel für diese Etappe war klar. Wir wollten für unseren Kanadier Jack Burke und für Rekita fahren. Dass dann nach bereits rund elf Kilometern 21 Mann weggefahren sind, hat uns zusätzlich voll in die Karten gespielt“, berichtet Krieger.

Bis zu anderthalb Minuten kam die Ausreißergruppe vom Hauptfeld weg. Bevor es in den Anstieg auf das 888 Meter hoch gelegene Termessos ging, war der Vorsprung zwar auf rund eine halbe Minute geschrumpft. „Aber wir haben ihn verteidigt“, ist der Vaihinger erfreut. „Szymon Rekita hat dann früh attackiert, ist weggekommen und hat die Etappe letztlich abgeschossen. Das ist auch für mich cool, da ich viel getan habe.“ Krieger kam dann als 76. ins Ziel. „Für mich war mein Job erledigt, als wir Szymon Rekita und Jack Burke mit Vorsprung in den Anstieg gebracht haben. Ich bin dann mein Tempo hochgefahren“, erzählt er.

Die letzte Etappe über 158 Kilometer von Side nach Antalya war dann aber noch einmal ein Husarenritt. „Eigentlich hatten wir gedacht, dass es nicht so schwer wird, die Gesamtführung von Szymon Rekita zu verteidigen“, berichtet Krieger. „Aber auf der dritten Etappe hatten wir Gaëtan Pons verloren. Er hatte sich einen Platten eingefangen, als es im Hauptfeld schnell wurde und ist dann nicht mehr zurückgekommen. Letztlich hat er das Zeitlimit um rund 20 Sekunden verpasst. Er hat uns auf der Schlussetappe als zusätzlicher Helfer gefehlt.“ Denn mit nur neun Sekunden Vorsprung von Rekita auf Lonardi war klar: Der Italiener durfte nicht gewinnen und damit die Zeitgutschrift für den Sieger von zehn Sekunden einstreichen oder er durfte nicht Zweiter werden und die Zeitboni bei der Sprintwertung nach rund 62 Kilometern gewinnen.

Zumindest klappte es, dass Lonardi bei der Sprintwertung keine Rolle spielte. Nach vielem Hin und Her konnten Krieger und seine Mitstreiter nach rund einer Stunde eine dreiköpfige Ausreißergruppe mit James Fouche (Team Wiggins Lecol), Sebastian Kolze Changizi (dänische Nationalmannschaft) und Ziga Horvat (Adria Mobil) gefahrlos ziehen lassen. Doch bei einem Berg, „über den wir schon auf der zweiten Etappe rüber mussten, ging es richtig zur Sache. Da wurden wir aus allen Rohren attackiert“, berichtet Krieger. „Am Ende waren nur noch Jan Maas und ich als Helfer an der Seite von Szymon Rekita. Da musste auch er mal selbst fahren, weil wir beide oft über dem Limit waren.“ Weil die Attacken aber nicht nur dem Polen, sondern ebenfalls Lonardi schadeten, half auch das Team des Italieners bei der Führungsarbeit.

Rund 15 Kilometer vor dem Ziel war es Leopard Pro Cycling gelungen, das Feld immer noch zusammenzuhalten. „Ab da waren dann auch die Sprinterteams interessiert, dass ihre Fahrer in eine gute Ausgangsposition gebracht wurden und haben bei der Führungsarbeit geholfen“, erzählt Krieger. „Wir mussten damit nur noch Szymon Rekita sicher ins Ziel bringen. Ob Lonardi gewinnt oder nicht – darauf hatten wir keinen Einfluss mehr.“ Doch Rekita hatte Glück. Im Zielsprint fing Roy Jans (Corendon – Circus) den Italiener noch ab. Rekita, der mit der gleichen Zeit als 60. ins Ziel kam, verteidigte einen Vorsprung von drei Sekunden auf Lonardi.

Sein persönlich bestes Ergebnis erzielte Krieger auf der zweiten Etappe über 111 Kilometer rund um Antalya. „Eigentlich wollte ich auf der Etappe den Sprint für meinen Teamkameraden Konrad Geßner anfahren. Doch es gab viele Stürze – selbst auf der Zielgeraden noch. In der Vorbereitung auf den Sprint habe ich noch mal nach ihm gerufen, habe ihn aber nicht mehr gehört. Deshalb habe ich selbst durchgezogen“, berichtet der Vaihinger. „Ich war aber eingeklemmt“, sonst wäre vielleicht sogar mehr als Platz fünf herausgesprungen.

Generell gab es auf der Tour of Antalya viele Stürze. „Es wurde sehr aggressiv gefahren. Oftmals wollten einige Fahrer ohne Rücksicht mit dem Kopf durch die Wand“, berichtet Krieger. „Ich bin froh, dass ich unbeschadet durchgekommen bin.“

Ohne größere Blessuren beendete auch Nikodemus Holler (Bike Aid) aus Eberdingen die Tour of Antalya. Der 27-Jährige wurde 13. der Gesamtwertung. Vor allem auf der dritten Etappe mit der Bergankunft in Termessos hatte er sich mehr erwartet als Platz 21. Denn das Profil kam ihm entgegen. „Wären die Gesamtumstände etwas besser gewesen, hätte er vielleicht weiter nach vorne fahren können“, ist auch Hollers Freund Alexander Krieger überzeugt.

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