Krieger: „Guter Rennkalender für ein drittklassiges Team“

Straßenradprofi verlängert bei Leopard Pro Cycling um weiteres Jahr – Traum wäre Start bei Deutschlandtour im nächsten Jahr

Erstellt: 7. Dezember 2017
Krieger: „Guter Rennkalender für ein  drittklassiges Team“ Alexander Krieger tritt auch im Jahr 2018 für Leopard Pro Cycling in die Pedale. Foto: Sven Grandl

Alexander Krieger hat seinen Vertrag beim Continentalteam Leopard Pro Cycling um ein weiteres Jahr verlängert. Mit Michael Nachreiner spricht der Straßenradprofi über sein neues altes Team, den nächsten Schritt in der Karriere und seine Ziele für 2018.

Gratulation zum neuen Vertrag mit Leopard Pro Cycling. Was hat Sie zur Unterschrift bewogen?

Für mich war klar, dass ich bei Leopard bleibe, wenn ich nichts höherklassiges finde. Das Klima im Team ist echt gut. Ich fühle mich wohl – das ist ganz wichtig für mich, dass ich im Team Freunde habe und dass es Spaß macht zu den Rennen und den Trainings zu kommen. Das Wohlfühlpaket stimmt. Es bringt ja nichts, wenn ich zweitklassig fahre, nur damit ich zweitklassig auf meinem Resümee stehen habe, alles aber einfach nur sch… ist.

Du bist 2017 für Deutschland das Straßenrennen bei der EM gefahren. Wäre nicht jetzt der richtige Zeitpunkt gewesen, den nächsten Schritt zu gehen?

Da muss ich vielleicht auch mal neue Wege einschlagen und mir einen Manager suchen, weil es alleine echt schwer ist. Sich gegen gleichstarke Fahrer durchzusetzen, wenn der andere auch noch Vitamin B hat, ist immer schwierig. Die Ergebnisse waren ganz gut und ich habe mit einigen Teamverantwortlichen gesprochen. Es kam aber nichts Zählbares zustande.

Sie haben sich aber umgehört?

Es kommt vor allem darauf an, wie viele der ganz großen Teams Interesse haben. Die Kategorie ist 2.1, also nicht ganz so hoch, glaube ich. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass sich gleich alle erstklassigen Teams darum streiten, dort zu starten. Der Veranstalter füllt die Teilnehmerliste aber top down. Er wird erst einmal schauen, wen er von den erstklassigen Teams bekommt, um Stars wie Kittel, Greipel oder Degenkolb am Start zu haben – einfach, um das Rennen gut zu vermarkten. Dann hängt es auch von unseren Leistungen in den ersten zwei Monaten ab. Wenn wir uns da gut schlagen und ein paar Ergebnisse als Team holen, wäre das gut.

Wie lange läuft der neue Kontrakt?

Ich habe für ein Jahr, also bis Ende 2018 unterschrieben.

Welche Perspektive bietet Ihnen Leopard?

Für ein drittklassiges Team fahren wir einen ziemlich guten Rennkalender. Für mich persönlich wäre es natürlich ein bisschen besser, wenn noch ein paar von den höherklassigen Rennen dazukommen. Aber das ist ausreichend. Für einige der jüngeren Fahrer – ich bin schon einer der ältesten im Team – ist das Programm schon zu anspruchsvoll. Wenn die Leistung stimmt, bin ich bei den meisten Rennen der Mann, für den gefahren wird. Und bei den belgischen und holländischen höherklassigen Rennen, die meine Lieblingsrennen sind, kann ich auf eigene Kappe zu fahren. Ansonsten ist meine Aufgabe, die Jungen zu führen und das Team zusammenzuschweißen.

Sie haben sich in den drei Jahren bei Leopard zu einem konstanten Fahrer entwickelt. Das einzige, was 2017 gefehlt hat, war ein Sieg. Wie ärgerlich ist das?

Sehr. Zumal ich mir die Jahre zuvor vorwerfen musste, dass ich es mental nicht auf die Reihe bekommen habe. Dieses Jahr hatte ich aber das Feeling, auf Sieg zu fahren und es wirklich zu wollen. Ich habe es mir auch zugetraut. Ein paar Mal war es richtig knapp. In Holland wurde ich zum Beispiel erst auf der Ziellinie abgefangen. Da muss man aber nach vorne schauen und es in Motivation für die nächste Saison umwandeln. Ich ziehe das Positive heraus, dass ich mich in die Lage gebracht habe, um Siege mitzufahren. Das Mentale macht oft den Unterschied. Da bin ich aber aktuell gut drauf.

Lag es auch daran, dass Sie sich im Frühjahr mit einem Infekt herumgeschlagen haben und erst spät richtig in die Saison einsteigen konnten?

Die ersten anderthalb bis zwei Monate waren nicht optimal. Ich bin aber gut zurückgekommen und hatte bis zu den wirklichen Höhepunkten den Trainingsrückstand wieder aufgeholt. Ich hatte ein gutes Fundament vor der Krankheitsphase gelegt. In einem Rennen, dem Prologue der Tour de Luxemburg, dem höchstklassigen Rennen, das wir gefahren sind, hat dann auch das Glück gefehlt. Da wäre ich sicher um den Sieg mitgefahren, hatte aber zu einem äußerst ungünstigen Zeitpunkt einen Radwechsel.

Und Sie haben auch die Saison früher als wahrscheinlich geplant abbrechen müssen. Was war passiert?

Ich bin in der letzten Augustwoche in Tschechien zu einem Rennen angetreten und bin auch trotz Halsschmerzen den Prologue gefahren. Die Schmerzen wurden aber schlimmer. Ich habe gemerkt, dass es keinen Sinn macht weiterzufahren. Deshalb bin ich nach Hause geflogen. Dort habe ich festgestellt, dass der Hals mega-angeschwollen ist. Und ich hatte schon einmal einen Abzess, weiß daher, dass man damit nicht scherzen soll, da er die Luftröhre zudrücken kann. Im Krankenhaus hat man sich dann dafür entschieden, nicht die Mandeln, sondern nur den Abzess zu entfernen, was im Nachhinein eine etwas dumme Entscheidung war. Denn vier Wochen später musste ich die Mandeln doch rausnehmen lassen. Dadurch hatte ich zum zweiten Mal einen einwöchigen Krankenhausaufenthalt. Und den zweiten hätte ich mir definitiv sparen können.

Damit haben Sie Ihren persönlichen Saisonhöhepunkt verpasst?

Die hochklassigen Spätherbstrennen in Belgien und den Niederlanden sind echt schön. Es ist immer eine geile Atmosphäre. Und mir liegen sie auch. Es war vielleicht nicht der Saisonhöhepunkt schlechthin, aber einer davon. Ich kann oft die Motivation und die Form über die gesamte Saison aufrechterhalten. Im Spätherbst fährt man dann bei den hochklassigen Rennen gefühlt gegen ein paar Fahrer weniger, die nicht mehr richtig motiviert sind, weil ihnen zum Beispiel die Tour de France in den Beinen steckt. Wenn man selbst immer noch heiß ist, die Motiviation hat und vom Kopf richtig eingestellt ist, kann man noch einmal etwas reißen.

Wie sehr beeinträchtigt die Pause die Saisonvorbereitung für 2018?

Ich konnte es erwarten, aber ich musste wieder ganz unten anfangen. Mein Niveau ist doch beträchtlich gesunken nach zehn Wochen kaum Sport, fünf davon überhaupt keinen. Die Muskeln und das Herz-Kreislauf-System haben ordentlich abgebaut. Die ersten drei Einheiten auf dem Rad bin ich jeweils anderthalb bis 1:50 Stunden gefahren und brauchte danach erst einmal jeweils zwei Ruhetage – und ich bin echt langsam gefahren. Es ist schon krass, wie schnell das zurückgeht. Es kommt aber auch schnell wieder. Das Grundniveau ist schon wieder ganz gut. Am Samstag fliege ich nach Mallorca.

Was genau steht auf der Balearen-Insel an?

Auf Mallorca mache ich ein privates Trainingslager auf eigene Faust. Es kommen aber noch zwei Teamkameraden dazu. Da steht lang und langsam auf dem Programm – Grundlagentraining. Wenn ich zurückkomme, will ich über den Jahreswechsel an der Kraftausdauer arbeiten.

Und 2018 – was sind Ihre Saisonziele?

Ich möchte auf jeden Fall die deutsche Meisterschaft fahren, die noch keinen Ausrichter gefunden hat. Dann habe ich die Tour de Bretagne in der letzten Aprilwoche ins Auge gefasst. Und dann wäre es megaschön, wenn es Leopard schafft, in die Deutschlandtour zu kommen, die nach ein paar Jahren Pause wieder stattfindet. Die Schlussetappe endet in Stuttgart. Es wäre traurig, wenn ich das verpassen würde. Außerdem will ich wieder zur Europameisterschaft. Und für uns als luxemburgisches Team ist die Tour de Luxemburg extrem wichtig.

Woran liegt es, ob Sie in die Deutschlandtour kommen oder nicht?

Es kommt vor allem darauf an, wie viele der ganz großen Teams Interesse haben. Die Kategorie ist 2.1, also nicht ganz so hoch, glaube ich. Deshalb ist es unwahrscheinlich, dass sich gleich alle erstklassigen Teams darum streiten, dort zu starten. Der Veranstalter füllt die Teilnehmerliste aber top down. Er wird erst einmal schauen, wen er von den erstklassigen Teams bekommt, um Stars wie Kittel, Greipel oder Degenkolb am Start zu haben – einfach, um das Rennen gut zu vermarkten. Dann hängt es auch von unseren Leistungen in den ersten zwei Monaten ab. Wenn wir uns da gut schlagen und ein paar Ergebnisse als Team holen, wäre das gut.

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