Interaktion ist Trumpf

Damit sich die Mitglieder untereinander sowie mit dem jeweiligen Trainer austauschen können und damit die Übungsleiter korrigierend eingreifen können, greifen Fitnessstudios im Raum Vaihingen vorwiegend auf Videokonferenzplattformen für ihre Online-Kurse zurück.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 20. Februar 2021
Interaktion ist Trumpf Statt vor Kursteilnehmern macht Nina Kern vom Gesundheitszentrum & Sportschule Frech die Übungen nur vor Streming-Equipment vor. Die Mitglieder sind nur online zugeschaltet. Foto: Leitner

Vaihingen/Sersheim. Seit Anfang November steht das öffentliche Leben in Deutschland still – zunächst teilweise, seit Mitte Dezember dann fast komplett. Besonders betroffen vom Lockdown sind auch die Fitnessstudios. „Die meisten Mitglieder haben wir drei bis vier Mal pro Woche zum Training gesehen. Das fällt seit Wochen weg“, berichtet Martin Kühnl, Juniorchef des Vaihinger Fitnesstreffs in der Kernstadt. Um wenigstens etwas den Kontakt zu ihren Mitgliedern zu halten, bieten die meisten Fitnessstudios schon seit geraumer Zeit Online-Kurse an. „Das gibt allen Mitgliedern die Möglichkeit, während des Lockdowns Sport vor allem auch in der Gruppe und unter Anleitung zu treiben“, berichtet Nina Kern, Übungsleiterin beim Gesundheitszentrum & Sportschule Frech in Sersheim. „Denn es ist ganz wichtig, dass die Menschen einen gesunden Körper haben.“

Von Anfang an auf interaktive Plattformen für Videokonferenzen hat dabei das Gesundheitszentrum & Sportschule Frech in Sersheim gesetzt. „Im ersten Lockdown im Frühjahr und Frühsommer des vergangenen Jahres haben wir Instagram-Livestreams ausprobiert“, berichtet Kern. „Aber ich habe nur mich gesehen und musste hoffen, dass die Leute auf der anderen Seite mitmachen und nicht nur auf der Couch sitzen. Es gab keine Interaktion.“

Nur durch Videokonferenzen kann man korrigierend eingreifen

Denn der Anspruch des Teams um Inhaberin Petra Frech und ihrer Tochter Nina Kern ist, „dass wir die Kunden anleiten können. Dazu müssen wir aber die Teilnehmer sehen. Denn nur dann können wir korrigierend eingreifen“, berichtet Kern. Dasselbe wie ein Kurs in den eigenen Räumlichkeiten in Sersheim sei es allerdings nicht. „Bei einem Live-Kurs kann man auch mal zu dem Trainierenden hingehen und Hilfestellung geben. Nun muss man alles verbal korrigieren“, erklärt Frech.

Angeboten vom Gesundheitszentrum & Sportschule Frech wird das gesamte Gymnastikprogramm. „Es nehmen quasi genau die gleichen Leute zu den gleichen Stunden an unseren Online-Kursen teil wie vor der Pandemie, als unsere Angebote in Sersheim stattgefunden haben“, erzählt Frech. Zusätzlich bietet das Team um Frech und Kern sonntags kostenlose Kursstunden an. „Damit auch Nicht-Mitglieder unser Angebot ausprobieren können – oder damit Leute Sport treiben können, deren eigenes Studio nichts anbietet, ohne bei uns Mitglied werden zu müssen“, berichtet Kern. „Diese Stunden sind für alle offen. Das Einzige, was man machen muss, ist, sich kurz bei uns per Mail zu melden. Dann bekommt man einen Link zum Kurs zugeschickt.“

Darüber hinaus hat das Gesundheitszentrum & Sportschule Frech auch Beiträge für die Plattform vaihingen.tv produziert. „Wir waren schon lange mit den beiden Geschäftsführern der Soundlight Company, Tino Cafaro und Markus Michels, die hinter vaihingen.tv stehen, in Verbindung. Irgendwann haben sie uns angeboten, dass wir was senden können, worauf wir dann Filmaufnahmen produziert haben“, erzählt Kern. „Unser Angebot auf vaihingen.tv ist aber nur eine Art Reinschnuppern-lassen – wie sieht beispielsweise eine Stunde Pilates, Chi Balance oder Zumba aus. Die Übungen sind simple gehalten, damit jeder mitmachen kann, ohne dass ein Trainer korrigieren muss.“

Auf vaihingen.tv hat auch das Team des Vaihinger Fitnesstreffs Kurse gesendet. „Markus Michels und Tino Cafaro waren und sind immer auf der Suche nach Sendematerial. Da war es naheliegend, auch bei uns anzufragen“, berichtet Martin Kühnl. Vor allem, da es für das Team um den Juniorchef des Studios kein großer Aufwand war, einen Beitrag zur Verfügung zu stellen. Denn der Vaihinger Fitnesstreff hat bis jetzt ausschließlich auf Streaming-Angebote gesetzt. „Streaming war technisch einfacher und schneller umzusetzen. Und am Anfang hatten wir die Idee, dass wir eine große Bibliothek an Kursen erstellen, die unsere Mitglieder über unsere eigene App abrufen können“, erklärt Kühnl.

In der Zwischenzeit hat der Vaihinger Fitnesstreff sein technisches Equipment erweitert, so dass „wir interaktive Kurse anbieten können“, berichtet Kühnl. „Unsere Kursleiter vermissen die Teilnehmer. Und allen gefällt es sowieso besser, wenn man Interaktion hat.“ Zwar seien auch die Streams gut angenommen worden, wie die Klickzahlen bewiesen haben, doch je länger der Lockdown dauerte, desto variabler wurden die Mitglieder des Vaihinger Fitnesstreffs mit der Nutzung der Streams. „Wir haben zum Beispiel über unsere Messengergruppe mitbekommen, dass Leuten zwar bewusst war, dass jetzt ein Kurs läuft, dass sie aber noch anderweitig beschäftigt waren und dann sich den Kurs-Stream erst später angesehen haben“, berichtet der Fitnesstreff-Juniorchef.

Der Neustart mit interaktiven Kursen durch Videokonferenzen findet am 1. März statt. „Wir mussten mit unseren Online-Angeboten leider zwei Monate pausieren. Zum einen haben wir geschaut, dass wir unsere Kosten rigoros reduzieren, nachdem ewig keine Hilfszahlungen vom Staat bei uns eingegangen sind. Und unsere Online-Angebote wollten und wollen wir kostenlos anbieten. Zum anderen hatten wir mit unserer App ein paar kleinere Probleme – besonders, was die Überprüfung angeht, ob jemand Mitglied ist oder nicht“, erklärt Kühnl.

Angeboten werden zunächst sieben Stunden pro Woche – mal am Vormittag mal am Abend. Kühnl: „Das Programm ist ein Querschnitt unserer Kurse: Da ist was für die Mobilität dabei, ein Rückentraining oder auch was zum Auspowern.“ Und eines steht jetzt schon fest: Das Angebot des Vaihinger Fitnesstreffs soll auch nach Beendigung des Lockdowns weitergeführt werden. „Damit sich Live-Kurse rechnen, müssen eigentlich viele Teilnehmer mitmachen. Wir haben zwar die Zahl aufgrund der Corona-Pandemie gedeckelt und bleiben unter der Auslastung von 100 Prozent. Aber manche fühlen sich unsicher, an einem Live-Kurs teilzunehmen“, berichtet der Juniorchef.

Der finanzielle Aufwand, die technischen Voraussetzungen für die Übertragung von Online-Kursen zu schaffen, hielt sich dabei in Grenzen. Die größten Kosten verursachten vornehmlich die Anschaffung eines Beamers samt Leinwand oder eines Großbildfernsehers. „Damit wir die Teilnehmer nicht nur in einem drei mal zwei Zentimeter großen Fenster sehen“, erklärt Kern. Der Rest war zumindest im Fall des Sersheimer Studios Frech Learning by Doing, also das Dazulernen durch die Rückmeldung von Teilnehmern. So wurde zum Beispiel das Sound- und auch das Lichtequipment noch weiter aufgerüstet.

Dazu hat das Team des Gesundheitszentrums & Sportschule Frech einigen Mitgliedern geholfen, ihren Computer oder ihr Tablet technisch so einzurichten, dass sie an den Kursen zu Hause teilnehmen können. „Uns hat besonders begeistert, dass selbst unsere ältesten Mitglieder – der Älteste ist 86 Jahre – bereit waren, dazuzulernen“, erklärt Kern. „Und ganz wichtig ist auch der Austausch in der Gruppe. Viele chatten noch in der Videokonferenz weiter, nachdem der Kurs beendet ist“ – fast so, als würden sie sich im Studio noch unterhalten.

Thommy Sports bietet wegen des Geschäftsmodells keine Kurse an

Kein Online-Training bietet dagegen Thommy Sports in Vaihingen an. Das liegt aber vor allem am Geschäftsmodell. „Unser Ansatz ist, dass wir sehr gutes Equipment zur Verfügung stellen und auch eine gute Betreuung durch Trainer bieten – zum kleinen Preis. Ich kenne zum Beispiel kein anderes Studio, das so viele verschiedene Geräte für das Training ein und derselben Muskelgruppe hat. Dafür verzichten wir auf Kurse und Sauna – und können so den Preis drücken“, berichtet Thomas Gabriel.

Dementsprechend wollte das Team um den Thommy-Sports-Inhaber auch das Rad nicht neu erfinden, als der Lockdown in Kraft trat. „Wenn man auf Youtube geht, findet man viele Fitnessvideos. Und beim Durchklicken habe ich nichts Schlechtes gefunden“, erklärt Gabriel. „Außerdem bin ich perfektionistisch. Ich würde es mir sehr zu Herzen nehmen, wenn ich dann auf selbstproduzierte Videos angesprochen würde, dass ich die Übung zum Beispiel nicht perfekt ausgeführt hätte.“

Außerdem hatte im ersten Lockdown der Geräte-Partner von Thommy Sports seinen Kunden den Zugang zu einer Datenbank mit Übungen samt Videos kostenlos zur Verfügung gestellt. „Aber die Rückmeldung von unseren Mitgliedern war gering. Deshalb habe ich es nicht weiterverfolgt“, zieht Gabriel Bilanz.

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