Im Zweifel gilt immer Rücksicht aufs Team

Haben Sportler einen positiven Corona-Test oder wohnen sie mit einem Erkrankten zusammen, können Ausbreitung und Quarantäne schnell weite Kreise auf Mannschaften und Spielbetrieb ziehen. Wer sich nicht sicher ist, soll daheim bleiben.

Von Ralph Küppers Erstellt: 9. September 2020
Im Zweifel gilt immer Rücksicht aufs Team Das Coronavirus Sars-Cov-2 wird beim Niesen und Husten ausgestoßen und verteilt sich im Raum. Wer sich direkt unterhält oder küsst, hat ein entsprechend höheres Ansteckungsrisiko. Foto: ddp

Vaihingen. Die Covid-19-Pandemie bringt den organisierten Sport in große Bedrängnis – nicht nur mit den Saisonabbrüchen im ersten Halbjahr, sondern auch mit den vielfältigen Einschränkungen bei der Wiederaufnahme des Trainings- und Spielbetriebs. Eine zweite Welle soll unbedingt verhindert werden, außerdem machen Urlaubsrückkehrer die Situation unübersichtlich. Doch wie sollen sich Sportler verhalten, die sich selbst nicht ganz sicher sind, ob sie ein Risiko für ihre Mannschaftskameraden darstellen?

Fürs Training, aber auch für die anstehenden Spiele haben die Sportvereine flächendeckend große Anstrengungen unternommen, die Infektionsgefahr so gering wie möglich zu halten. Kleine Gruppen, große Abstände, wenig Zuschauer, kurze Nutzung neuralgischer Punkte wie Kabinen – die Zahl der Vorkehrungen ist lang, und je nach Sportverband verlangen die Hygienekonzepte noch deutlich mehr. Zu den selbstverständlichen Maßnahmen gehört auch, dass Sportler mit dem Verdacht oder auch nur dem erhöhten Risiko einer Covid-19-Infektion sich vom Rest der Mannschaft oder Trainingsgruppe fern halten.

Wer gilt als potenzieller Corona-Übertrager?

Es gibt viele Möglichkeiten, in die Kategorie der Kontaktpersonen zu fallen, die aus Rücksicht auf ihre Mitmenschen eine Zeitlang sehr zurückhaltend sein sollten. Denn besonders tückisch am Virus Sars-Cov-2 ist, dass es sich schon längst von Mensch zu Mensch ausbreiten kann, bevor überhaupt die Anzeichen der Krankheit auftreten – falls sie das überhaupt tun, denn ein großer Teil der Infizierten bleibt weitestgehend symptomfrei.

Wer gilt jetzt aber als potenzieller Überträger und muss vorsichtshalber in Isolation? Dafür gibt es klare Anhaltspunkte, die vom Robert-Koch-Institut (RKI) erstellt wurden und unter anderem auf der Internetpräsenz des Landratsamts Ludwigsburg zu finden sind. Natürlich müssen all jene in Quarantäne, die an Covid-19 erkrankt sind oder bei denen die Infektion über ein positives Testergebnis festgestellt wurde. Dazu kommen diejenigen, die im Amtsdeutsch als Kontaktpersonen der Kategorie I zusammengefasst werden. Dazu zählen Personen, die sich mindestens eine Viertelstunde Aug’ in Aug’ mit einem Infizierten unterhalten haben oder Kontakt zu Körperflüssigkeiten hatten – beispielsweise beim Kuss mit dem Urlaubsflirt. Aber insbesondere auch alle, die mit einem Covid-19-Patienten im häuslicher Gemeinschaft leben.

Im Zweifelsfall, so stellt das Gesundheitsamt des Landkreises Ludwigsburg unmissverständlich fest, ist immer auf Nummer sicher zu gehen. „Wenn jemand positiv auf Corona getestet worden ist, müssen alle für 14 Tage in Quarantäne, die mit dieser Person in häuslicher Gemeinschaft leben“, unterstreicht Frank Wittmer, Sprecher des Landratsamts. Da gebe es erst einmal keine Ausnahmen, sagen die Experten für die Pandemiebekämpfung. Gerade in den heimischen vier Wänden ergeben sich in der Regel so viele Berührungspunkte, dass eine Ansteckung sehr viel wahrscheinlicher ist als bei kurzzeitigen Kontakten in der Bahn, beim Einkauf oder auch beim Sport.

In der Quarantäne sollte aus Rücksicht auf andere Personen im Haushalt möglichst Abstand gehalten werden, auch beim Essen, Duschen und allem anderen. Schnellstmöglich sollte ein Corona-Test erfolgen, eine Woche nach dem Erstkontakt mit dem Infizierten ein zweiter. Alles Weitere ist für den jeweiligen Einzelfall direkt mit dem Gesundheitsamt abzuklären.

Doch wo es eine Kategorie I für Kontaktpersonen gibt, da gibt es auch eine Kategorie II. Hierunter fallen diejenigen, die beispielsweise mit Infizierten in einem Raum waren, sich aber nicht direkt unterhalten haben – oder nur für wenige Minuten. Doch auch dieser Personenkreis hat die klare Handlungsempfehlung, nicht nur die eigene Gesundheit besonders im Blick zu behalten, sondern Kontakte zu Dritten zu vermeiden. Also kein Trainingsbesuch, kein gemeinsames Feierabendbier – und beim Auftreten von Symptomen sofortige Selbstisolation und Information des Gesundheitsamts.

Frist muss unbedingt eingehalten werden

„Der Sinn der Absonderung besteht darin, dass man in dieser Zeit beobachten kann, ob sich eine Infektion entwickelt“, sagt der Sprecher des Landratsamts. Erst nach der Frist, die aktuell auf 14 Tage festgelegt ist, können sich der Betroffene und sein Umfeld sicher sein, kein Risiko der Covid-19-Ausbreitung einzugehen. Doch diese Zeit braucht viel Disziplin, vor allem wenn keine Symptome auftreten – so wie zum Glück in der Mehrzahl der Fälle.

 

INFO

Fußballspiele fallen Covid-19-Vorsichtsmaßnahmen zum Opfer

Praktische Erfahrungen, wie schnell sie von der Covid-19-Pandemie eingeholt werden, haben schon am ersten Spieltag der neuen Fußballsaison einige Vereine aus dem Raum Vaihingen gemacht. Für die SGM Roßwag/Mühlhausen und den TSV Ensingen war es nur der Ausfall, weil der jeweilige Gegner coronabedingt absagen musste. Voll getroffen hat es aber den SV Iptingen mit einem Verdachtsfall sowie den SV Illingen und den FV Markgröningen mit bestätigt Covid-19-Infizierten in ihren Teams oder deren Umfeld.

So ist auch das ursprünglich für heute Abend angesetzte Pokalspiel des TSV Kleinglattbach beim FV Markgröningen abgesagt, bis die Situation in Markgröningen geklärt ist. Immerhin darf der SV Iptingen, nachdem ein negatives Testergebnis vorliegt, heute den Bezirksligisten NK Croatia Bietigheim zum Zweitrundenspiel des Bezirkspokals empfangen – wenn nicht kurzfristig wieder etwas dazwischenkommt.

Und auch beim SV Illingen haben die Verantwortlichen kurz nach der ersten Meldung mitgeteilt: „Es gibt keine weiteren bestätigten Fälle geschweige denn Verdachtsfälle. Die Mannschaft befindet sich nicht in Quarantäne. Der SVI hat sich nichts zu Schulden kommen lassen, im Gegenteil.“ Die Absage der Aktiven – betroffen war ein Jugendspieler – am Wochenende erfolgte nur vorsorglich, um für größtmögliche Sicherheit zu sorgen. (rkü)

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