„Ich war Mädchen für alles“

Witt zieht zwar positive Bilanz nach Premierensaison seines Mountainbiketeams – Nussdorfer aber oft am Limit der Leistungsfähigkeit

Von Michael Nachreiner Erstellt: 10. November 2018
„Ich war Mädchen für alles“ Wenn Wolf-Thorsten Witt selbst in die Pedale getreten ist, ist es für ihn als Teamchef richtig stressig geworden. Foto: marathon-photos.com

Als Wolf-Thorsten Witt das Mountainbiketeam Witttraining im vergangenen Herbst gegründet hat, war es eigentlich ein Versuchsballon. Doch der hat sich zu einem Erfolgsmodell etabliert. Eine Sache hat der Nussdorfer allerdings total unterschätzt.

Nussdorf. „Die größte Freude für mich ist, wenn die anderen Freude daran haben“, erklärt Wolf-Thorsten Witt. Und das hatten die Fahrer von Witttraining in der ersten Saison, in der das Mountainbiketeam bestanden hat. Zum einen, weil die Fahrer ihre sportlichen Leistungen jeweils deutlich steigerten. „Jens Böhmig war beim Gardasee-Marathon beispielsweise rund 20 Minuten schneller als im vergangenen Jahr“, berichtet Teamchef Witt, der 2013 sein Hobby Radsport zu seinem Beruf gemacht hat und in Nussdorf ein Trainingsstudio mit Leistungsdiagnostik und Trainingsbetreuung für Radsportler, aber auch Athleten aus anderen Sportarten aufgebaut hat. „Und selbst Patrick Krauth war in Kirchzarten deutlich schneller, obwohl man eigentlich davon ausgehen kann, dass die Entwicklung bei ihm irgendwann stagniert, weil er schon seit Jahren bei mir trainiert.“

Zum anderen, weil das Team Witttraining auch zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen ist. „Die Fahrer und ihre Familien machen auch privat etwas miteinander. Nachdem bei den Rennen oft die Familien dabei waren, sind auch über die Kinder Freundschaften entstanden“, berichtet der Nussdorfer. „Und man spricht sich bei Hotelbuchungen für die Rennen ab, damit man am Abend davor oder danach Zeit miteinander verbringen und sich austauschen kann.“

Eine Fahrerin hat Teamchef Witt wieder nicht gefunden

Das ist aus Sicht des Teamchefs sogar der größte Anreiz, für ein Team wie Witttraining zu fahren. „Wenn man mit sieben oder acht Leuten gemeinsam am Start steht, dann ist man jemand, hat ein gewisses Standing“, berichtet Witt. „Und danach kann man sich austauschen. Schließlich hat man beim Rennen etwas erlebt, über das man sprechen möchte.“

Und weil sich herumgesprochen hat, wie gut der Zusammenhalt im Team Witttraining ist, hat der Nussdorfer bereits im Sommer Anfragen von anderen Fahrern bekommen, die sich gerne dieser Gemeinschaft anschließen wollten. Letztlich hat Witt auch sechs neue Fahrer aufgenommen – Thomas Georg, Florian Klapper, Stefan Rattinger, Christian Reiter, Marvin Schönamsgruber und Daniel Thomalla. „Vor allem die Fahrer, die bisher als Einzelkämpfer bei Rennen am Start waren, wollen das nicht mehr. Es geht um den Austausch. Und irgendwie ist man wie bei einem Mannschaftssport ein Team, das ein Ziel verfolgt, auch wenn man auf der Strecke wieder auf sich alleine gestellt ist“, berichtet Witt. „Zum anderen wollen sich die Fahrer auf ihren Sport konzentrieren und sich nicht um die Trainingsplanung kümmern.“

Der größte Wunsch des Teamchefs ging allerdings nicht in Erfüllung. Eine weibliche Fahrerin im Trikot des Teams Witttraining wird es auch 2019 nicht geben. Zwar sei Witt mit drei Frauen im Gespräch gewesen. Es sah auch gut aus. „Doch eine der Aspirantinnen war einfach noch zu jung. Eine 19-Jährige in einem Team mit lauter 25- bis 50-jährigen Männern – das wäre nicht gutgegangen“, erklärt der Nussdorfer. Auch gegen eine Triathletin fiel das Votum des Teamchefs. Witt: „Für sie wäre es einfach zu viel gewesen. Sie macht ja eigentlich schon drei Sportarten. Außerdem hätten sich Überschneidungen zwischen ihren Triathlonwettbewerben und den Mountainbikerennen ergeben.“ Die dritte im Bunde war eine Hausfrau. „Ihr Ehepartner ist aber selbst ambitionierter Radsportler. Mit seinem Hobby und den gemeinsamen Kindern hat sie selbst eingesehen, dass sie eigentlich nicht die Zeit für ein eigenes zeitraubendes Hobby hat“, erzählt Witt.

Drei Fahrer werfen allerdings auch das Handtuch und werden 2019 nicht mehr für Witttraining starten. Achim Dirndorfer und Frank Riedel haben gemerkt, dass „das Mountainbikefahren nicht das Richtige für sie ist. Sie werden sich wieder auf die Straße konzentrieren“, erklärt Witt. Dirndorfer war vor seinem Engagement in dem Team des Nussdorfers vor allem Rennrad gefahren. Riedel kam von der Bahn. Und Christian Schramm will familiär bedingt etwas kürzer treten. „Außerdem wohnt er mit Bernroth recht weit weg von Nussdorf und hatte damit auch zu den Rennen in der Regel einen weiten Anfahrtsweg“, sagt Witt.

Team Witttraining für Saison 2019 auf 15 Fahrer aufgestockt

Damit wächst das Team Witttraining auf insgesamt 15 Fahrer inklusive des Teamchefs an. „Die Zahl bekomme ich gerade noch koordiniert. Darüber hinaus würde meine Kapazitäten übersteigen. Ich will auch nicht zu schnell zu groß werden, nicht damit es mir über den Kopf wächst“, berichtet der Nussdorfer. Denn an einigen Wochenenden im Sommer hätte er schon gemerkt, dass er an seine Grenze stößt, was den organisatorischen Aufwand betrifft. Der mentale Stress als Teamchef bei einem Rennen ist auch das, was Witt total unterschätzt hat. „Ich musste nicht nur nach meiner eigenen Startnummer schauen, ich war Mädchen für alles“, erklärt er.

Das fing damit an, dass er oft schon am Tag vor der Veranstaltung vor Ort sein musste, um mit den Organisatoren abzusprechen, wo er seinen Informationsstand aufbaut. Das ging weiter, dass er die Verpflegung seiner Fahrer an der Strecke in die Wege leiten musste. Und es hörte damit auf, dass er immer ein offenens Ohr für seine Teammitglieder haben musste. „Da kann man sich nicht wirklich auf seine eigenen Belange konzentrieren, weil alles auf einen einprasselt“, erzählt Witt. „Für einen selbst hat sich der Spaß an dem Event meist in Grenzen gehalten.“ Schließlich habe man den Anspruch „sein Bestes zu geben und das auch in einer Platzierung zu dokumentieren“, fügt der Nussdorfer hinzu.

Das A und O sei aber nicht nur bei Rennen die Organisation. „Man muss sich gut strukturieren, wenn man selbst trainieren will“, erklärt Witt. Zumal seine Firma gut laufe. Er betreut rund 50 Athleten. Zum Glück aus seiner Sicht sei seine Familie sehr tolerant. „Unter der Woche kann ich eigentlich nur stundenweise trainieren. Nur am Wochenende kann ich längere Einheiten einstreuen“, erzählt er. Dafür nutze er die Urlaube, um sich fit zu machen. Witt: „Da kann ich auch mal in Blöcken trainieren. In den Herbstferien waren wir in den Niederlanden. Da habe ich rund 25 Stunden in der Woche, also etwa doppelt so viele wie zu Hause, trainiert.“

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