„Ich rolle den Tag von hinten auf“

Beim Designen eines Springreitkurses orientiert sich Parcoursbauer Markus Rau immer am Hauptwettbewerb eines Tages

Von Michael Nachreiner Erstellt: 24. September 2016
„Ich rolle den Tag von hinten auf“ Auf den Zentimeter genau misst Parcourschef Markus Rau (links) die Abstände zwischen den Hindernissen aus. Der Aufbau eines Springparcours ist aber nicht nur Feinarbeit. In der Regel heißt es kräftig anpacken. Nicole Kachler (rechts oben), die Pressewartin des RFZV Nussdorf, schleppt Fangständer. Und Thomas Henig, der Assistent des Parcourschefs, befestigt die Schalen für die Stangen und legte diese auf. Fotos: Nachreiner

Einen Parcours für eine Springreitprüfung zu bauen ist eine Kunst, aber auch ein Handwerk. Wenn Markus Rau auf den Reitplatz des RFZV Nussdorf kommt, ist die halbe Arbeit schon erledigt. Am Computer hat er in der Theorie einen Parcours entworfen. Dieser muss dann in der Praxis auf dem jeweiligen Gelände nur noch umgesetzt werden.

Nussdorf. Theorie und Praxis passen nicht immer zusammen. Das musste Markus Rau aus Neubulach schon feststellen. „Die groben Ausmessungen eines Reitgeländes kennt man. Aber in Nussdorf zum Beispiel ist die Kurve der Trab- und Galoppbahn jedes Jahr etwas anders. Deshalb stimmt der zur Verfügung stehende Platz Jahr für Jahr nicht immer auf den Quadratmeter überein“, sagt der Parcourschef, der für das Reit- und Springturnier des RFZV Nussdorf verantwortlich zeichnet. Deshalb müsse die Theorie, also das Design eines Parcours, das er sich am Computer ausgedacht hat, erst einmal auf das Reitgelände gebracht werden. „Wir legen als erstes die Stangen aus, legen also den Platz in der Theorie aus, damit wir auch die Platzaufteilung optimal nutzen“, erzählt der Neubulacher. „Dann sehen wir ganz schnell, ob die Theorie mit der Praxis zusammenpasst.“

Beim Auslegen werden Stangen so auf dem Platz verteilt, dass die Hindernisse in Abstand zueinander und Ausrichtung grob zu erkennen sind. Was zunächst grob in Schritten ausgemessen wurde, wird dann mit dem Maßband nachjustiert. „Man geht davon aus, dass ein Pferd mit einem Galoppsprung rund dreieinhalb Meter überbrückt. Dazu muss noch die Absprung und die Landedistanz addiert werden“, berichtet Rau. „Im gewöhnlichen Sport misst man aber nur bis 28 Metern, was der Entfernung von sieben Galoppsprüngen plus Absprung und Landung entspricht.“

Genaue Abstände zwischen Hindernissen sind Hilfestellung

Die genauen Abstände sind gerade in Basis- und Aufbauspringen eine Hilfestellung für die Reiter. „Die sind oft so mit sich und dem Pferd beschäftigt, dass ich nicht verlangen kann, dass sie sich auch noch Gedanken machen, ob sie das Pferd eher halten müssen oder ob sie zureiten müssen, also etwas das Tempo forcieren müssen“, erzählt Rau. „Ab Klasse L kann ich aber von Reitern verlangen, dass sie so etwas abschätzen können.“

Beim Parcoursbau geht der Neubulacher bei seinem Grundkonzept vom Hauptspringen am jeweiligen Abend aus. „Das wird dann auf den gesamten Tag reproduziert. Ich rolle sozusagen den Tag von hinten auf“, erklärt Rau. „Das Ziel dabei ist, so viele Veränderungen wie möglich durchzuführen, ohne dass man einen großen Arbeitsaufwand damit hat. Denn bei Amateurveranstaltungen ist die Zahl der Helfer immer begrenzt. Meistens muss es auch flott gehen. Da hat man für die Umbaumaßnahmen gerade so lange Zeit, wie die Siegerehrung des vorhergehenden Springens läuft.“

Dabei wird von Tag zu Tag geplant. Denn ein Parcours für ein Basisspringen kann nicht unbedingt auf eine Prüfung der Klasse L oder S übertragen werden. „Die Hauptsprünge habe ich im Kopf. Ich setze mich an die Planung aber erst ran, wenn ich sehe, wie sich der Boden hält. An den Turniertagen ist immer genügend Zeit, mir dann konkret Gedanken zu machen“, berichtet Rau. „Außerdem möchte ich die weiteren Planungen zusammen mit meinem Assistenten Thomas Henig machen. Ich will auch seine Ideen hören.“ Das bringe Henef weiter. Und Rau würde aus seinen Denkmustern gerissen.

Denn ein Parcoursbauer falle immer wieder in gleiche Designmuster zurück, was das Layout eines Parcours bestrifft. „Natürlich möchte man jedes Jahr ein anderes Konzept verwirklichen. Der Sport soll abwechslungsreich sein und immer wieder andere Herausforderungen bieten. Ich möchte nicht von Reitern hören: ,Den Parcours kennt man doch vom letzten Jahr‘“, erzählt Rau, ergänzt allerdings: „Man findet jedoch immer wieder seine Handschrift wieder. Das heißt, auf manche Linien greift man immer wieder zurück, auch wenn man es nicht will.“

Das Material für die Sprünge kommt in der Regel aus den eigenen Beständen des ausrichtenden Vereins und aus benachbarten Reiterhöfen – je nachdem wo es eingelagert ist. „Ich hatte mal beim Pferdesportkreis (PSK) Ludwigsburg versucht, Material für sieben bis acht Sprünge als PSK-Parcours anschaffen zu lassen, auf das dann alle Vereine im PSK zurückgreifen können. Das ist aber gescheitert“, berichtet Eberhard Rapp. Deshalb müsse er externen Material immer wieder abholen. „Dann hoffe ich immer, dass zumindest ein Weg, als entweder das Abholen oder das Zurückbringen, entfällt. Sonst bleiben von den Sponsoreneinnahmen, die das Aufstellen eines gewissen Hindernisses mit sich bringt, kaum noch was übrig“, erklärt der Vorsitzende des RFZV Nussdorf.

Nicht jede Farbe der Stangen ist für jede Klasse geeignet

Doch nicht jedes Material ist auch für jedes Springen geeignet. „Es ist erwiesen, dass Pferde bestimmte Farben besser wahrnehmen als andere. Weiße Stangen mit farblichen Unterbrechungen sind überhaupt kein Problem. Anders sieht es beispielsweise bei dunklen Farben wie Schwarz aus. Die würde ich nie im Basissport verwenden. Schließlich will man die Pferde mit Spaß an den Sport heranführen“, erzählt Rau. Ebenso verhält es sich mit der Mauer. „Die gehört in Nussdorf im S-Springen am Sonntag einfach dazu, ist für Pferde aber eigentlich leicht zu springen. Da sie massiv ist, halten sie automatisch Abstand, wenn sie sie gewöhnt sind“, sagt der Parcourschef. „Da die Mauer aber Grün ist, würde ich sie nie in das Flutlichtspringen integrieren. Denn Grün setzt sich bei Dunkelheit kaum vom Gras ab.“

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