Endlich geht es wieder los

Die Fitnessstudios in Vaihingen, der Fitnesstreff, Thommy Sports und Aviva, haben schon wieder geöffnet oder schließen ihre Türen demnächst auf. Für den Restart haben die Betreiber ihr Hygienekonzept noch mal verfeinert – unter anderem mit Luftfiltern, Scannern, die die Anzahl der Personen angeben, oder einem Außenbereich.

Von Michael Nachreiner Erstellt: 11. Juni 2021
Endlich geht es wieder los Sorgen im Fitnessstudio von Thomas Gabriel (von rechts), Thommy Sports, für die technische Umsetzung des neuen Hygienekonzepte: Christian Pichl und Fabian Degenhart Foto: Küppers

Vaihingen. Eine Wiedereröffnung ist frühestens 14 Tage nach dem Öffnungsschritt 1 erlaubt. Oder vielleicht doch, wenn die Inzidenz stabil – das heißt, fünf Tage am Stück – unter 50 liegt. Oder doch sofort, nachdem am vergangenen Wochenende eine neue Corona-Verordnung Sport des Landes Baden-Württemberg notverkündet worden war. Fitnessstudiobetreiber sind nicht zu beneiden, sich in diesem Dschungel zurechtzufinden. „In einer Verordnung hieß es, dass die Bundesnotbremse außer Kraft tritt, wenn der Inzidenzwert fünf Tage in Folge unter 100 ist. Dann greift der Stufenplan. Mit der neuen Verordnung kam dann die Voraussetzung, man darf öffnen, wenn die Inzidenz stabil unter 50. Da musste man sich aber erst mal nachlesen. Das war viel mit Suchen verbunden“, berichtet Thomas Gabriel, Inhaber von Thommy Sports in Vaihingen. Und Martin Kühnl, Juniorchef vom Vaihinger Fitnesstreff ergänzt: „Es war etwas Zahlenzählen. Das hat etwas zu Konfussion geführt. Denn nach allem, was in den letzten Wochen und Monaten passiert ist, traut man dem Braten nicht immer sofort.“

Die Planbarkeit war aber „ein Riesenproblem. Die Inzidenzwerte sind nunmal nicht planbar“, erklärt Gabriel. Martin Kühnl sieht das etwas entspannter: „Man konnte jeden Tag die Inzidenzwerte verfolgen. Aber unklar war zum Beispiel, ob die Wiedereröffnung erfolgen darf, wenn der Wert fünf Tage in Folge unter 50 ist, oder ob wir eine eine lokale Verordnung und Erlaubnis von der Stadt Vaihingen abwarten müssen.“ Das wurde aber schnell mit dem Ordnungsamt geklärt: Nur die Inzidenzwerte sind maßgebend. „Die Mitarbeiter auf dem Ordnungsamt tun mir aber auch fast leid. Sie haben es auch unheimlich schwer, durch die Verordnungen durchzublicken“, berichtet der Fitnesstreff-Juniorchef.

Dementsprechend hat jedes Fitnessstudio in Vaihingen sein eigenes Tempo beim Restart gewählt. Der Fitnesstreff ist bereits seit Mittwoch wieder geöffnet. Thommy Sports schließt die Türen am Montag wieder auf. Dagegen müssen die Kunden von Aviva noch eine weitere Woche warten. Im Fitnessstudio von Heiko Wurst geht es erst am 21. Juni wieder los.

Drei Monate lang immer wieder für den Restart geschuftet

So schnell wie möglich wieder Kunden empfangen wollte die Familie Kühnl im Fitnesstreff. „Mein Vater Wolfgang Kühnl, meine Schwester Daniela Hees und ich haben seit drei Monaten das Studio fitgemacht“, berichtet Martin Kühnl. Es wurden Virenfilter angeschafft. „Diese Luftfilter haben auch eine medizinische Zulassung. Wir lüften zwar andauernd. Aber so gibt es unseren Mitgliedern noch mehr Sicherheit“, sagt der Juniorchef. Außerdem wurden einige Trainingsgeräte umgestellt, so dass gewährleistet ist, dass immer überall genügend Abstand herrscht. „Wir haben geschaut, wie das in anderen Bundesländern geregelt ist, in denen die Fitnessstudios schon länger wieder geöffnet sind. Aber die Abstandsregeln sind in der Zwischenzeit ja auch Dinge, die unseren Alltag bestimmen. Aber im vergangenen Sommer konnten wir bei bestimmten Kardiogeräten nur jedes zweite benutzen“, erklärt Martin Kühnl.

Darüber hinaus haben die Betreiber des Fitnesstreffs den Außenbereich neu gestaltet. „Wir hatten schon vor Corona einen großen Außenbereich. Aber nun haben wir ihn so umgestaltet, dass er eine breitere Zielgruppe anspricht“, erzählt der Juniorchef. „Und wenn die Zahlen wieder anziehen, kann man dort dann gefahrlos trainieren. Zumindest kann man uns nicht mehr so leicht zumachen.“

Auch das Hygienekonzept wurde verfeinert. Und eine Abrechnung über die Krankenkassen eingerichtet. „Rehasport haben wir auch schon in der Vergangenheit angeboten. Aber jetzt haben wir die Stundenzahl aufgestockt. Und wir bieten jetzt Präventionstraining an. Das ist ein guter Einstieg ins Training im Fitnessstudio. Da kann man maximal zwei Monate zumindest zum Teil über die Krankenkasse abrechnen. Und das ist nicht nur Training, man lernt auch etwas darüber, warum das Training für bestimmte Muskelgruppen wichtig ist“, berichtet Martin Kühnl.

Wegen der Umbaumaßnahmen hat sich Gabriel erst für einen Restart an diesem Montag entschieden. „Wir hatten bis zum Wochenende, an dem die Notverordnung kam, hatten wir einen festen Plan gemacht, an welchem Tag welcher Handwerker kommt und uns darauf eingestellt. Dass dann eine Verkürzung kommt, darauf war ich nicht eingerichtet“, berichtet der Thommy-Sports-Inhaber. „Ich möchte aber mit allen Luftfiltern aufmachen, ohne dass noch Handwerker durchs Studio wieseln.“

Nach Ende der Hallentennissaison nutzt Thommy Sports wieder einen Tennisplatz als Trainingsfläche. „Dadurch haben wir wieder unheimlich viel Platz – praktisch doppelt so viel wie vorher“, erklärt Gabriel. „Neu ist, dass der Zugang zu den Umkleiden optimiert haben. Wir müssen nicht mehr durchzählen, wie viele drin sind. Wir haben nun eine Lichtschranke installiert mit klarem Signalgeber, ob man rein darf oder nicht.“ Außerdem wurden Kameras angebracht. „Das dient zur besseren Übersicht. In welchem Bereich trainieren zu viele Personen, so dass man hingehen muss und sie darauf hinweisen, dass die Abstandsregeln nicht eingehalten werden. Außerdem kann man eine Kontaktnachverfolgung gewährleisten, sollte es einen Corona-Fall bei einem unserer Mitglieder geben“, berichtet der Thommy-Sports-Inhaber.

Das Gute daran sei, dass Gabriel sogar von jedem Ort der Welt das Monitoring übernehmen kann, ob die Umkleiden überfüllt sind oder die Kontaktnachverfolgung durch die Kameras machen. „Es soll keine Überwachung sein. Aber wir leben in einem digitalen Zeitalter. Alles funktioniert übers Internet“, erklärt Christian Pichl, Geschäftsführer der Firma Buildtelligent, die die technische Umsetzung gewährleistet. „Es sind digitale Hilfen, die Thomas unterstützen sollen, sein Hygienekonzept umzusetzen.“

Luftreiniger filtern alle Arten von Viren, Bakterien und Aerosole

Darüber hinaus wurden auch im Thommy Sports Luftfilter im Trainingsraum und den Umkleiden augestellt. „Die filtern zu 99,995 Prozent. Ganz wichtig sind vor allem auch die zwei Neunen nach dem Komma. Da kommt so gut wie nichts durch – weder Viren, Bakterien noch Aerosole. Die Dinger haben über Corona hinaus eine Daseinsberechtigung. In Zukunft in einem normalen Winter während der Grippesaison könne sie auch helfen“, berichtet Pichl.

Eine Extrawoche gibt sich dagegen Heiko Wurst im Aviva in Vaihingen, das erst am 21. Juni öffnet. „Das hat ein bisschen organisatorische Gründe. Zwei Mitarbeiter – darunter ich – sind nächste Woche noch auf einer Fortbildung. Zum anderen warte ich lieber noch etwas ab, nicht dass wir drei Tage öffnen dürfen und danach wieder schließen müssen. Außerdem habe ich die Hoffnung, dass ab nächster Woche vielleicht sogar die Testpflicht entfällt. Und von unseren vielen älteren Kunden kam auch die Rückmeldung, dass sie ihre zweite Impfung abwarten wollen, die demnächst ansteht“, erzählt der Aviva-Inhaber.

Für den Restart mussten er und sein Team aber gar nicht viel machen. „Wir waren schon im letzten Jahr hygienetechnisch gut aufgestellt. Wir haben Kunden, die von ihren jeweiligen Firmen zu Hygienebeauftragten ernannt worden sind, die bei uns nichts zu beanstanden hatten“, berichtet Wurst. „Und da wir rungsrum Fenster haben, lüften wir im Sommer sowieso rundum. Ich habe mir aber einen CO2-Messer angeschafft, um etwas im Blick zu haben, ob sich noch genügend frische Luft im Raum befindet.“

Außerdem hat die Firma, die die Trainingsgeräte herstellt, eine neue Software aufgespielt, die „das Training erleichtern soll“, erklärt Wurst. „Es werden nun Aufgabenketten angezeigt. Zum Beispiel erhalten wir Trainer Hinweise, wenn für einen Kunden Gewichts-, Beweglichkeits- oder Kraftmessungen anstehen oder wenn es mal wieder Zeit wäre, ihm ein Massageangebot zu unterbreiten.“

Eins eint aber alle Fitnessstudio-Betreiber. Dass sie wieder öffnen dürfen, hat eine Riesenlast von ihren Schultern genommen. „Als ich die Vorankündigungen für Social Media, unsere Homepage und Aushänge erstellt habe, standen mir die Freudentränen in den Augen. Wir konnte es nicht abwarten, wieder loszulegen“, berichtet Martin Kühnl. Und Gabriel ergänzt: „Die Hilfen waren da und gut gemeint. Aber als Selbstständiger muss man sein Unternehmen am Leben erhalten. Da ist man auf Einnahmen angewiesen.“ Und Wurst legt noch nach: „Mir langt es jetzt. Wir Fitnessstudio-Betreiber haben die letzten sieben, acht Monate sehr gelitten. Was am meisten an den Nerven gezehrt hat, war das Hinhalten der Politik. Wir haben nie die Chance erhalten zu zeigen, dass es bei uns funktioniert – das hat mich am meisten geärgert. Wir sind als Anbieter von Gesundheitssport links liegen gelassen worden.“

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