Beim Sport viel für den Beruf gelernt

Der ehemalige Tennisspieler und -trainer sowie Leichtathlet hat durch die eigene sportliche Laufbahn, aber auch durch die Erfahrungen mit anderen Sportlern und Übungsleitern unter anderem mitgenommen, wie wichtig es ist, wie man wahrgenommen wird.

Von Ingo Guttenson Erstellt: 4. Mai 2021
Beim Sport viel für den Beruf gelernt Ingo Guttenson bei der Saisonabschlussparty des Basketball-Bundesligisten MHP Riesen Ludwigsburg im Autokino Kornwestheim. Foto: Baumann

Stuttgart/Ludwigsburg. Sport war für mich bereits als Jugendlicher meine absolute Leidenschaft. Von klein auf begeisterte mich Sport und vor allem der Wettkampf. Zum Sport kam ich über meine Eltern, Siegfried und Monika Guttenson, die mich von klein auf immer zum Sport mitnahmen. Darüber hinaus trainierte vor allem mein Vater auch sehr viel mit mir. Er war begeisterter Fußballer und Tennisspieler, und 40 Jahre bei Porsche beruflich tätig sowie über 25 Jahre Sportfunktionär im Württembergischen Tennis-Bund (WTB) und im Deutschen Tennis-Bund (DTB). Er war auch mein erstes sportliches Vorbild.

Ich versuchte, möglichst lange Tennis und Leichtathletik parallel zu betreiben – eine schönere Kindheit kann man sich fast nicht vorstellen. Meine sportliche Laufbahn als ambitionierter Tennisspieler – unter anderem als Zweitligaspieler, Bezirks- und Württembergischer (Mannschafts-)Meister, Kaderspieler und -trainer – sowie Leichtathlet mit dem Schwerpunkt Mehrkampf und den Disziplinen Hoch- und Weitsprung endete wegen eines Knorpelschadens im Knie und nach zwei Operationen allerdings viel zu früh. Ich hatte in der Wachstumsphase Probleme bekommen, und der beginnende Knorpelschaden wurde viel zu spät erkannt. Durch das jahrelange, täglich mehrstündige Training war der Knorpelschaden im Knie bereits so groß, dass ich nach der ersten Operation ein Jahr in Reha war und mir die Ärzte von weiterem Leistungssport abrieten. Aus diesem Grund habe ich mich dann auf mein Studium, eine Tennis-Trainerausbildung (DTB-B-Trainer) und meine Laufbahn im (Sport-)Management konzentriert. Somit gibt es für mich in den vergangenen 25 Jahren auch nicht den einen Moment, sondern besondere Momente in unterschiedlichen Lebenssituationen die für mich sehr wichtig sind und waren.

Stars wie Becker, Stich, Edberg oder Agassi kennengelernt

Nach dem Abitur studierte ich BWL in Stuttgart und wurde Diplom-Betriebswirt. Während und auch noch nach meinem Studium war ich als Tennistrainer tätig. Sowohl in meiner Zeit als Spieler als auch als Trainer lernte ich viel für meine berufliche Zukunft. Der Sport hat mir immer sehr viel gegeben und fasziniert mich auch heute noch. Bis 2000 arbeitete ich fünf Jahre lang als Bereichsleiter Sport, Organisation und Sponsoring unter dem Vizepräsidenten und Verbandssportwart Rolf Schmid beim WTB am Olympiastützpunkt in Stuttgart.

Ich war unter anderem im Rahmen des Mercedes-Cups auf dem Stuttgarter Weissenhof für das sogenannte ATP-Fanfest zuständig. Dies fand in Stuttgart unter anderem im Hauptbahnhof, auf dem Marktplatz und später direkt neben der Anlage des TC Weissenhof statt. Hier lernte ich auch Stars wie Boris Becker, Michael Stich, Stefan Edberg, Andre Agassi sowie Pavel Slozil kennen. Mit Pavel Slozil, dem ehemaligen Weltklassespieler und Erfolgstrainer von Steffi Graf – der besten Tennisspielerin aller Zeiten –, durfte ich gemeinsam Kinder und Jugendliche trainieren und für den Tennissport begeistern. Er war trotz seiner großen Erfolge als ehemaliger Weltklassespieler und -trainer auf sehr sympathische Art und Weise eine absolute Führungspersönlichkeit, der sowohl die Kinder als auch uns Trainer sensationell motivierte und begeisterte.

Eine prägende Begegnung war für Ingo Guttenson die mit Bob Brett

Der Sportartikelhersteller Head lud seinerzeit die besten deutschen Jugendlichen im Tennis zu einem Trainingscamp nach Hannover ein. Und als Head-Vertragsspieler durfte ich als Trainer teilnehmen. Ich lernte dabei Bob Brett kennen. Eine prägende Begegnung, mit interessanten menschlichen und psychologischen Erfahrungen. Bob Brett war zu seiner Zeit einer der besten Trainer weltweit und schaffte es, Boris Becker zur Nummer eins der Welt zu coachen. Bob Brett war ein Psychologe auf dem Platz und konnte sehr gut analysieren, er war sehr zielorientiert, professionell und diszipliniert – und er strahlte als Trainerlegende sowie Leader eine unglaubliche Aura aus. Mir wurde klar, dass es wichtig ist, wie man auf andere Menschen wirkt.

Durch den Tennissport lernte ich auch den ehemaligen Bundesliga-Tennisspieler Lutz Mieschke freundschaftlich kennen, der mit seinem Partner Ralf Hofmann im Mai 1996 in Karlsruhe-Ettlingen das Unternehmen Mieschke, Hofmann und Partner (Anmerkung der Redaktion: heute MHP – A Porsche Company) gründete. Im Jahr 2000 kam ich als Marketingleiter zu MHP und wir starteten eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte – von 60 auf 3000 Mitarbeiter und von zehn Millionen Euro auf 500 Millionen Euro Umsatz. Aktuell verantworte ich als Director die Bereiche Brand Strategy, Sponsoring und Corporate Social Responsibility (CSR).

Die besondere Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit erreichte unser Unternehmen, als es 2012 nach Ludwigsburg umzog und als Namensgeber der 2009 eröffneten Arena – heute MHP-Arena Ludwigsburg – für Aufsehen sorgte. Das Ganze war für uns ein wichtiger Schritt, um eine höhere Awareness und Bekanntheit als erfolgreiches und partnerschaftliches Unternehmen zu erlangen. Zeitgleich unterzeichnete MHP einen Partner- oder Sponsoring-Vertrag mit dem Basketball-Bundesligisten Neckar Riesen Ludwigsburg. 2013 wurden daraus – unter anderem, um auch die nationale Bekanntheit zu steigern – die MHP Riesen Ludwigsburg, die im vergangenen Jahr deutscher Vizemeister wurden und gerade erst den Hauptrundensieg in der 1. Bundesliga perfekt gemacht haben.

Sponsoring als wirkungsvolles Kommunikationsinstrument

Wir verstehen uns als „exzellente Teamplayer“, auch in Verbindung mit allen unseren Sponsoring-Teams. Seit 2015 ist MHP zudem Hauptsponsor des Fußball-Oberligisten Stuttgarter Kickers, die hoffentlich bald wieder höherklassig spielen werden. Zusätzlich unterstützen wir die Handballteams der SG BBM Bietigheim, deren Frauenteam 2017 und 2019 Deutscher Meister wurde sowie das Männerteam jeweils 2014 und 2018 in die 1. Bundesliga aufstieg und aktuell in der 2. Bundesliga spielt.

Sponsoring sehe ich als ein sehr wichtiges, wirkungsvolles und schönes Kommunikationsinstrument – und ich bin sicher, dass die besondere Erfolgsgeschichte von MHP weitergeht. MHP hat ein funktionierendes Geschäftsmodell. In Verbindung mit unserer Digitalisierungs- und Mobilitätsexpertise sind wir gut für die Zukunft aufgestellt. Und die Pandemie hat uns noch mehr gezeigt, wie wichtig Digitalisierung für unsere Zukunft ist.

Ich bin ein sehr positiver, dynamischer und kreativer Mensch. Meine Aufgabenbereiche sind anspruchsvoll, vielfältig und machen mir unheimlich viel Spaß. Vor allem unsere Sponsoringpartnerschaften sind oftmals mit viel zusätzlicher Arbeit, auch am Wochenende, verbunden. Aber die Arbeit im Sportumfeld und der partnerschaftliche Kontakt zu den handelnden Personen ist für mich etwas Besonderes. Früher war ich auf der aktiven Seite als Sportler und Trainer. Heute bin ich auf der anderen Seite. Über die Jahre sind viele Freundschaften entstanden, wie auch zu John Patrick, dem Trainer unserer MHP Riesen.

Man kann durchaus sagen, dass Sponsoring sowie unsere Sponsoringengagements nicht nur Teil meines Berufes sind, sondern für mich auch zur Berufung geworden sind. Dies zeigt sich auch darin, dass ich nebenberuflich seit vielen Jahren Dozent für Marketing und Sponsoring unter anderem an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) bin und den Marketing-Nachwuchs auf eine erfolgreiche berufliche Zukunft vorbereiten darf. Und natürlich verfolge ich während der Saison die Spiele unserer Teams oftmals auch live.

• Der Text ist im Rahmen der Serie „Mein Moment“ der Sport-Region Stuttgart entstanden, die im Jahr 2021 auf ihr 25-jähriges Bestehen blickt. In der Serie kommt jede Woche eine Person zu Wort, die im vergangenen Vierteljahrhundert einen besonderen sportlichen Moment erlebt hat.

 

ZUR PERSON

Ingo Guttenson

Ingo Guttenson ist Diplom-Betriebswirt (BA) und seit über 20 Jahren bei der Porsche-Tochter MHP Management- und IT-Beratung GmbH beschäftigt. Aktuell ist er Director Head of Brand Strategy, Sponsoring und CSR sowie nebenberuflich Dozent für Marketing und Sponsoring. Der in Vaihingen geborene ehemalige Tennisspieler und -trainer sowie Leichtathlet wohnt mit seiner Familie nach vielen Jahren in der Region Stuttgart nun in Spaichingen. (red)

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