„Strukturell deutlich effektiver und flexibler“

Kleineres Förderungssystem des Landessportverbands Baden-Württemberg zielführender als beim Deutschen Olympischen Sportbund

Von Ron Räpple Erstellt: 16. Mai 2019
„Strukturell deutlich effektiver und flexibler“ Der 400-Meter-Hürdenläufer Felix Franz ist einer der Leichtathleten, die von PAuLe profitieren sollen. Fotos: Archiv/Baumann, Küppers

Im Jahr 2016 wurde im Landessportverband Baden-Württemberg der Präsidialausschuss Leistungssport (PAuLe) gegründet. Sersheims Bürgermeister Jürgen Scholz hat dort den Vorsitz inne und erklärt, wieso PAuLe dem Deutschen Olympischen Sportbund in Sachen Förderung einiges voraus hat.

Stuttgart/Sersheim. „Es läppert sich schon zusammen“, sagte Jürgen Scholz. Denn neben seinem Amt als Sersheims Bürgermeister ist er Präsident des Württembergischen Leichtathletik-Verbandes (WLV) und Vorsitzender des Präsidialausschusses Leistungssport (PAuLe) im Landessportverband (LSV) Baden-Württemberg. Im Rahmen von PAuLe wird versucht, den Leistungssport in Baden-Württemberg zu steuern sowie das LSV-Präsidium hinsichtlich sportpolitischer Fragen im Bereich des Leistungssports zu beraten. Zu den sportpolitischen Fragen gehören unter anderem die Entwicklung eines Förderkonzepts sowie die Beratung für den investiven Bereich beim LSV. Im finanziellen Bereich geht es dabei um rund 16 Millionen Euro, die in die drei Bereiche Trainer, Athleten und Ressourcen aufgeteilt werden. Das Ziel ist es, den Leistungssport im Südwesten voranzubringen, indem die Verbände finanziell unterstützt werden. Dadurch soll die Förderung der Athleten optimiert werden. PAuLe mischt sich also nicht in die Arbeit der Verbände ein, sondern ermöglicht ihnen lediglich, ihre angestrebten Ziele durch finanziellen Rückhalt zu erleichtern.

Wer die Geldzuwendungen im Endeffekt erhält, hängt von mehreren Kriterien ab. Unter anderem von der Potenzialanalyse, die sich damit befasst, wie der Strukturplan des jeweiligen Landesverbandes aussieht – also wie die jeweiligen Sportler für nationale und internationale Wettkämpfe vorangebracht werden sollen. Oder wie die Verbände im nationalen Ranking abschneiden. In Baden-Württemberg hat der Ruderverband beispielsweise nur eine „Zulieferfunktion“ (Scholz), da die Ruderzentren in anderen Teilen Deutschlands liegen. Ein weiterer Aspekt ist, wie viel finanzielle Mittel der jeweilige Landesverband zur Förderung beisteuern kann. Außerdem spielt das Konzept der Verbände eine Rolle. Darüber hinaus gibt es noch diverse Bonuspunkte, die Verbände sammeln können. Dazu zählen die Ausbildung von Spitzenathleten, Erfolge bei internationalen Wettkämpfen oder wie viele Bundestrainer der jeweilige Verband stellt. Es ist aber auch durchaus möglich, dass einem Verband beim Scheitern bezüglich der angestrebten Ziele die Mittel gekürzt werden.

Doch wer sind die Personen, die die Kriterien beurteilen? Das Gremium des PAuLe setzt sich aus ehren- sowie hauptamtlichen Personen zusammen. Ebenso aus diversen Mitarbeitern der Olympiastützpunkte in Baden-Württemberg und des Kultusministeriums. Außerdem gibt es verschiedene Cluster, denen Plätze im Gremium zugesprochen werden. Diese Cluster vertreten die Interessen aus dem Bereich des Behindertensports, olympischer Individualsportarten, olympischer Individualsportarten mit Naturbezug (Rudern oder Schneesport), nichtolympischer Individualsportarten, Spielsportarten (Basketball oder Hockey) sowie Kampfsportarten und Rückschlagspielen (Judo oder Badminton). „Es bedarf schon einer Affinität zum Leistungssport. Man muss sich in diese Sportler schon hineinversetzen können“, sagte Scholz, für den die ganze Sache wie eine Herzensangelegenheit wirkt. Denn der ehemlige Sprinter weiß auch, dass es Leistungssportler oftmals schwer haben, ihr Training in Kombination mit Beruf und Alltag unter einen Hut zu bringen.

„Wir bei PAuLe sind strukturell deutlich effektiver und flexibler als beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB)“, ergänzt der Sersheimer. Aber nicht nur die Athleten profitieren von dem System, auch Bereiche wie die Trainerausbildung, die dualen Karrieren oder die Sportmedizin sind von PAuLe, einem „mächtigen Instrument“, wie es Scholz nennt, abhängig.

Entstanden ist PAuLe 2016. Nach dem bescheidenen ABschneider der deutschen Athleten bei den Olympischen Spielen von Rio de Janeiro – vor allem die Leichtathleten blieben hinter den Erwartungen zurück, und die Schwimmer gingen baden – war den Sportfunktionären bewusst, dass die Athletenförderung reformiert werden muss, will man vor allem in den Individualsportarten nicht noch weiter zurückfallen. „Bisher fahren wir aber nicht schlecht“, ist sich Scholz sicher.

Wie zielführend das System im Endeffekt ist, wird sich allerdings erst nach dem ein oder anderen olympischen Zyklus zeigen. Scholz setzt bei PAuLe auf die Zukunft: „2030 wird es dann interessant, wenn wir auch die entsprechenden Statistiken dazu haben.“

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