Regen führt beinahe zum Abbruch des Volkslaufs

Mit Zieleinlauf der 5030-Meter-Distanz öffnen sich Himmelsschleusen in Oberriexingen – Julian Großkopf verbessert Streckenrekord beim Einsteigerlauf um fünf Sekunden

Von Michael Nachreiner Erstellt: 27. Mai 2019
Regen führt beinahe zum Abbruch des Volkslaufs Beim Start des Schülerlaufs durch Bürgermeister Frank Wittendorfer (rechts) könnte man meinen, dass das Rennen direkt auf den ersten Metern entschieden wird. Fotos: Nachreiner

Das Regenchaos hat beinahe zum Abbruch des 20. Oberriexinger Volkslaufs geführt. Denn es waren gerade die Spitzenläufer des Einsteigerlaufs im Ziel, da ergoss sich ein heftiger Regenschauer. Die Verantwortlichen diskutierten, ob der Enztal-Zehner überhaupt stattfinden soll. „Es war die richtige Entscheidung, den Lauf zu starten“, sagt Siegerin Sabine Heubach. „Das Wetter war genau richtig nach dem Gewitter.“

Oberriexingen. „Heute hat es sich ausgezahlt, dass ich wasserdichte Schuhe habe“, berichtet Max Paschke (LAZ Ludwigsburg), der den Enztal-Zehner in 37:24 Minuten vor Jan Feiling (VfL Waiblingen) in 37:28 Minuten und Dainius Kuprys in 37:45 Minuten gewann. Der Hauptlauf des 20. Oberriexingers Volklaufs über 10 060 Meter war noch bei Regen gestartet worden. Doch während der ersten Runde riss die Wolkendecke auf. „Wegen des Wetters war es dennoch extrem hart. Vor allem in der ersten Runde musste man aufpassen, dass man auf den Feldwegen entlang der Enz nicht ausrutschte“, berichtet Paschke.

Am ersten Anstieg setzte sich der spätere Sieger von seinem schärfsten Konkurrenten Jan Feiling ab. „Da war Jan plötzlich weg“, erklärt der Ludwigsburger. „Es waren aber nur rund 50 Meter.“ Diesen kleinen Vorsprung verteidigte Paschke bis ins Ziel. „Ich habe immer wieder nach hinten geschaut“, berichtet er. Denn er spürte Feiling immer im Nacken. „Ich habe gewusst, wenn ich nachlasse, kommt er sofort wieder ran. Und wenn ich ihn ranlasse, macht er einen Schlussspurt“, erzählt Paschke.

Bei den Frauen feierte Sabine Heubach (VfL Ostelsheim) den Gesamtsieg. „Das hat mich sehr überrascht. Dass ich in der Altersklasse W 50 noch die schnellste Frau in einem Lauf sein würde, ist sehr ungewöhnlich“, berichtet sie. „Aber es ist gut gelaufen.“ Heubach setzte sich in 48:29 Minuten vor Beatrice Bopp in 49:17 Minuten und Melanie Seemüller (Wohnbau Oberriexingen) in 52:27 Minuten durch. Dass der Sieg letztlich so deutlich ausfällt, war allerdings lange nicht abzusehen. Sowohl in der ersten als auch in der zweiten Runde lief Bopp lange vor Heubach. „Ich dachte mir, ich warte hinter ihr ab und verbrenne möglichst wenig Körner“, berichtet die spätere Siegerin.

Am Anstieg der ersten Runde übernahm sie dann aber kurzzeitig die Führung. „Da musste die Zweitplatzierte schon ganz schön schnaufen“, erzählt Heubach. „Da wusste ich, das kann ich heute packen. Denn in der zweiten Runde wird es richtig schwierig. Beim Anstieg muss das Herz ganz schön pumpen.“

Ziemlich deutlich fiel am Ende der Sieg von Julian Großkopf (LAZ Ludwigsburg) im Einsteigerlauf aus. Nach 5030 Metern siegte der Oberriexinger in 17:35 Minuten vor Seriensieger Sven Kratochwil, der in 17:40 Minuten auf den letzten Zentimetern noch den Zeitgleichen Jens Haller (Team Sport AR) abfing. Damit verbesserte Großkopf den Streckenrekord von Kratochwil aus dem Jahr 2015 um fünf Sekunden. Dabei hatte es der diesjährige Sieger „etwas langsamer angehen lassen, weil morgen ein Triathlon-Landesliga-Wettbewerb stattfindet“, berichtet Großkopf. „Die Vorbereitung lief aber gut, auch wenn die Beine etwas angeschlagen waren vom Triathlon-Wettkampf vor einer Woche.“

Großkopf, Kratochwil und Haller waren fast die gesamte Distanz zusammen gelaufen. „Einen Kilometer vor dem Ziel habe ich es dann versucht“, berichtet der Sieger. „Ich wollte schauen, ob von den anderen etwas kommt.“ Doch die beiden Konkurrenten konnten nicht mehr zulegen.

Bei den Frauen trug sich Svenja Groß (TSV Ensingen) zum fünften Mal in Folge in die Siegerliste ein. „Das ist schon etwas Besonderes“, erklärt die Vaihingerin, zeigt sich aber sofort kritisch: „Mit der Zeit von 21:10 Minuten bin ich aber nicht zufrieden. Ich wollte eigentlich unter 21 Minuten laufen.“ Dass zu diesem Ziel am Ende zehn Sekunden gefehlt haben, hatte seine Gründe, ist sich Groß sicher. „Irgendwie war die Puste weg. Außerdem waren meine Beine vom Intervalltraining in der letzten Woche noch schwer. Nach dem zweiten Anstieg konnte ich nicht mehr zulegen.“ Dennoch ist sie froh, den Einsteigerlauf vor Annika Metzger (Stromberg-Gymnasium) in 21:42 Minuten und Meike Lemke (Realschule Bissingen) in 21:47 Minuten gewonnen zu haben. „Als ich die Liste der gemeldeten Läuferinnen durchgegangen bin, dachte ich, das wird nichts“, berichtet Groß. Vor allem die letztlich Drittplatzierte Lemke schätzte sie stärker ein als sich.

Wie anstrengend die Strecke ist, musste Oberriexingens Bürgermeister Frank Wittendorfer am eigenen Körper erfahren. „Mir tut alles weh“, sagte das Stadtoberhaupt nach dem Einsteigerlauf, den er in 29:09 Minuten bewältigte. „Die Anstiege sind nicht ohne. An den Steigungen bin ich sogar gegangen. Da musste ich etwas langsamer machen. Aber es hat Spaß gemacht.“ Bei seiner Volkslaufpremiere war Wittendorfer aber mit seiner Leistung zufrieden. „Ich bin sogar unter 30 Minuten geblieben“, freut sich der Bürgermeister.

Der heimliche Star des Oberriexinger Volkslaufs war aber Markus Mann. Der Neunjährige von der Grundschule Oberriexingen hat sich an die fünf Kilometer des Einsteigerlaufs gewagt und diese in 31:59 Minuten absolviert. „Vor zwei Jahren hat sein älterer Bruder Lukas auch den Einsteigerlauf absolviert, als er in der vierten Klasse war“, berichtet Markus Manns Vater Klaus, der zeitglich mit seinem Filius Hand in Hand über die Ziellinie lief. „Da hat Markus der Ehrgeiz gepackt.“ Der Neunjährige zeigte sich sehr zufrieden. „Das Ziel war, unter 40 Minuten zu bleiben“, berichtet der Nachwuchskarateka. Nur am Anstieg hatte er zu kämpfen. „Da hat Papa mich gezogen“, erklärt er. Doch der Vater widerspricht sofort: „Ich habe nur Deine Hand genommen.“

Weiterlesen
Rennvorbereitung auf der Uferpromenade

Rennvorbereitung auf der Uferpromenade

Drucken Nizza/Illingen. Wenn an diesem Wochenende in Nizza die Ironman-70.3-Weltmeisterschaften ausgetragen werden, ist mit Thomas Fritsch auch ein Illinger mitten im Geschehen. Der Triathlet geht in der Altersklasse 45 bis 49 Jahre an den Start. Von den insgesamt... »