„Ich hab’ ein Laufband daheim“

Karl-Heinz Dieterle könnte sogar bei Ausgangssperre weiter trainieren – Sportmöglichkeiten in der Region sind extrem ausgedünnt

Von Ralph Küppers Erstellt: 19. März 2020
„Ich hab’ ein Laufband daheim“ Füße und Luftballons in die Höhe! Familie Schwartz – von links Maira, Hanna und Liah – nutzt die Zeit ohne Wettkampfgymnastik für gezielte Übungen daheim. Fotos: privat (3), Rücker

Die Vorsichtsmaßnahmen zur Verlangsamung der Covid-19-Pandemie haben den Sportbetrieb in der Region praktisch zum Erliegen gebracht. Egal ob im Verein oder im Sportstudio – die Angebote ruhen. Lediglich in Eigenregie und in Minigruppen kommen Menschen hier und da noch ein wenig in Bewegung. Aber Not macht erfinderisch. So verschickt zum Beispiel Karin Geske sportliche Anregungen über die Whatsapp-Gruppen des TV Sersheim.

Vaihingen. Seit einigen Tagen sind die Sporthallen geschlossen, manche Vereine haben ihre Trainingsgruppen sogar schon kurz davor in Zwangsurlaub geschickt. Seit gestern dürfen auch die Fitnessstudios keine Sportler mehr reinlassen. So hatte die Sportschule Frech (Sersheim) zunächst angekündigt, nur die Kurse zu streichen – unter anderem sollte in dieser Woche die Aktion Aktiv & Fit in Zusammenarbeit mit der Vaihinger Kreiszeitung beginnen – aber das Gerätetraining weiter zu ermöglichen. Dann hat die Landesregierung die nächste Anordnung zum Infektionsschutz erlassen. „Diese Verordnung ordnet die Schließung aller Fitnessstudios und sonstigen Sportstätten in Baden-Württemberg bis zum 19. April 2020 an“, teilt Petra Frecht auf der Website ihrer Sportschule mit. Das gleiche Bild bietet sich auch bei Thommy Sports in Vaihingen. „Es tut uns sehr leid, dass wir euch euer Training in dieser Zeit nicht ermöglichen können“, lässt Thomas Gabriel wissen und schließt mit dem Wunsch „Bleibt gesund und auf eine hoffentlich baldiges Ende der Schließung“.

Dass gemeinsames Schwitzen in geschlossenen Räumen dem Infektionsschutz konträr gegenübersteht, ist leicht nachzuvollziehen. Doch auch Mannschaftstraining im Freien ist nicht mehr angebracht. Explizit heißt es im Text der Verordnung, die seit gestern in Kraft ist: „Untersagt sind Zusammenkünfte in Vereinen und sonstigen Sport- und Freizeiteinrichtungen.“ Karl-Heinz Dieterle, der beim TSV Nussdorf nicht nur für die Organisation des Volkslaufs zuständig ist, sondern auch für den Lauftreff, sagte dazu gestern: „Den Lauftreff mit Gruppengrößen von 15 bis 25 Teilnehmern gibt es gerade nicht.“ Allerdings träfen sich Minigrüppchen schon noch zum gemeinsamen Laufen – mal ein Ehepaar, mal drei oder vier Läufer, die mit einem entsprechenden Abstand zueinander kein größeres Infektionsrisiko darstellen sollten. „Manche gehen auch alleine auf die Strecke“, sagt Dieterle, der hofft, dass keine allgemeine Ausgangssperre verhängt wird. „Wenn so eine Phase drei, fünf, sechs Wochen dauert, wäre es eine extreme Stresssituation für die Familien“, sagt der Nussdorfer. Er selbst hätte allerdings auch in den heimischen vier Wänden die Möglichkeit, sich fit zu halten. „Ich hab’ ein Laufband daheim“, lässt der passionierte Ausdauerathlet wissen.

Karin Geske, die beim TV Sersheim für eine Vielzahl von Kursangeboten im Gesundheitssport, aber auch für Wettkampfgymnastik und Kinderturnen verantwortlich zeichnet, setzt bereits voll auf neue Medien. „Ich schicke meinen Sportlern jeden Tag eine Aufgabe“, verrät die Übungsleiterin. „Die habe ich aus dem Internet rausgesucht und am Handy gestaltet. Dann versende ich sie an meine Whatsapp-Gruppen.“ Dabei geht es um kleine Übungen zur Ganzkörperkräftigung ebenso wie um Zusatzaufgaben, um den Nachwuchs bei der Stange zu halten. „Darum verschicke ich auch Grafiken zum Ausmalen“, sagt Geske. Und ihr Angebot kommt an. Verschiedene Familien schickten postwendend zurück, wie in Wohnung oder Garten die Übungen gleich ausprobiert werden. Zum Beispiel vom Bauchmuskeltraining, bei dem Geske extra zwei Varianten zur Wahl stellte: „Wer keinen Luftballon hat, kann auch ein Kuscheltier oder Kissen nehmen.“ Zwischen die Füße klemmen und hoch damit. Nächste Aufgabe: Kuscheltier auf dem Bauch balancieren. Eine Antwort bekam die Sersheimerin sogar aus Luxemburg. „Von einer Kampfrichter-Kollegin“, sagt Geske.

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