Ein Extremlauf als Geburtstagsgeschenk

Zum 60. Jahrestag spendiert sich Dieterle Transvulcania-Ultramarathon über 74 330 Meter – Weissinger absolviert 45-Kilometer-Distanz

Von Michael Nachreiner Erstellt: 16. Mai 2018
Ein Extremlauf als Geburtstagsgeschenk Die Landschaft rund um die Caldera des 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos auf La Palma (oben) konnten Karl-Heinz Dieterle (unten links) und Hugo Weissinger (unten rechts) kaum genießen, die Strecke war technisch zu anspruchsvoll. Fotos: privat

74,33 Kilometer vom Faro de Fuencaliente nach Los Llanos de Aridane, 4350 Höhenmeter gesamt hoch und 4057 Höhenmeter wieder runter – dieses Rennen hat sich Karl-Heinz Dieterle gegönnt. Der Läufer des TSV Nussdorf ist den Ultramarathon der Transvulcania auf La Palma gelaufen. Sein Vereinskamerad Hugo Weissinger absolvierte den Marathon im Süden der Atlantikinsel.

Puerto Tazacorte/Nussdorf. „Die Transvulcania hat sich direkt zu einem Kultlauf entwickelt. Beim Ultramarathon sind 2000 Läufer zugelassen. Doch bereits in der ersten vier Wochen der Anmeldefrist ist er ausgebucht“, schwärmt Karl-Heinz Dieterle. Zu seinem 60. Geburtstag in diesem Jahr hat sich der Langstreckenläufer des TSV Nussdorf einen Start bei dem Extremlauf im Süden der Kanareninsel La Palma geschenkt. „Ich habe ja schon einige Extremläufe gemacht. Und die Transvulcania habe ich schon seit zwei oder drei Jahren auf dem Schirm. Und ich werde ja nicht jünger. Es geht praktisch vom Start weg dauernd hoch auf den 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos“, erklärt der Leichtathlet.

Dieterle entschloss sich für die Hardcore-Variante: den Ultramarathon über 74,33 Kilometer mit einem Anstieg von insgesamt 4350 Höhenmetern und einem Abstieg von zusammengerechnet 4057 Höhenmetern. „Eigentlich muss man sagen: So etwas kann man sich nicht antun“, erklärt der 59-Jährige. „Ich habe allerdings die Ergebnislisten der vergangenen Jahre durchgeforstet. Dann habe ich geschaut, was der eine oder andere Teilnehmer der Transvulcania bei anderen Wettbewerben gelaufen ist, an denen ich auch teilgenommen habe. Dadurch konnte man die Anstrengung so ein bisschen einordnen.“ Und der Nussdorfer ist durchgekommen. In 16:10:40 Stunden erreichte er als 1333 der Gesamtwertung das Ziel auf der Plaza de España in Los Llanos de Aridane.

Noch bei Dunkelheit fällt um 6 Uhr der Startschuss an der Südküste

Den Sieg sicherte sich der Katalane Pere Aurell Bove in 7:37:26 Stunden vor dem Russen Dimitry Mityaev in 7:38:22 Stunden und und dem Franzosen Thibaut Garrivier in 7:42:49 Stunden. Schnellste Frau war Ida Nilsson. Die Schwedin, den Sieg schon zum dritten Mal in Folge für sich verbuchte, gewann in 8:40:43 Stunden vor der Spanierin Mònica Comas Molist in 8:46:57 Stunden und der US-Amerikanerin Kelly Wolf in 8:49:45 Stunden. „für mich ging es aber nicht darum, so schnell wie möglich im Ziel zu sein, sondern einfach nur durchzukommen“, berichtet Dieterle.

Morgens um 6 Uhr fiel am LeuchtturmFaro de Fuencaliente an der Südspitze von La Palma noch bei Dunkelheit der Startschuss. „Unbedingt vorgeschrieben waren eine Stirnlampe mit einem roten blinkenden Rücklicht, ein Handy, eine Notfallausrüstung und mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit“, erzählt der Nussdorfer. „Hat man irgendetwas davon vergessen, wurde man gar nicht erst in den Startbereich gelassen.“ Vom Faro de Fuencaliente ging es zunächst rund einen Kilometer auf einer asphaltierten Straße, bevor das Feld auf den Gran-Recorrido-Trail abbog. „Man musste die ersten 1000 Meter fast lossprinten wie bei einem 100-Meter-Lauf, damit man irgendwo im vorderen Mittelfeld auf den Bergpfad einbog. Dennoch habe ich rund zehn Minuten verloren, bis sich alles einsortiert hat. Denn auf dem Pfad konnten zu Beginn nur zwei Läufer nebeneinander laufen. Später ging es nur noch einzeln hintereinander“, berichtet Dieterle.

Der Pfad wand sich dann durch den Parque Natural Cumbre Vieja einen Grat bis zur Caldera des 2426 Meter hohen Roque de los Muchachos hinauf. „Von Anfang an ging es nur bergauf“, erklärt der 59-Jährige. „Und die ersten rund 19 Kilometer waren richtig anstrengend. Da ist man quasi auf losem Lavasand gelaufen. Hat man zwei Schritte vor gemacht, ist man einen wieder zurückgerutscht. Das war technisch sehr anspruchsvoll zu laufen.“

Zeit durfte man aber keine verlieren. Kontrollpunkte musste man nach einer bestimmten Zeit erreicht haben, sonst wurde man aus dem Rennen genommen. „Da waren die Veranstalter rigoros“, sagt Dieterle. „Man hätte noch auf eigene Gefahr weiterlaufen können. Aber was hätte es gebracht. Man wäre in keiner Ergebnisliste, in keiner Statistik aufgetaucht.“ Und bei der ersten Station, El Pilar, war es richtig knapp für den Nussdorfer. Für die 24,28 Kilometer vom Start bis dorthin durften die Läufer maximal fünf Stunden benötigen. Dieterle passierte den Kontrollpunkt nach 4:55:43 Stunden.

Die Strecke wurde aber irgendwann besser, so dass das Laufen leichter fiel. Beim nächsten Kontrollpunkt rund drei Kilometer vor dem Gipfel des Roque de los Muchachos auf 2420 Metern hatte Dieterle bereits knapp 53 Minuten Puffer vor der Cut-off-Zeit. Das war aber auch notwendig. „Im letzten Teil des Rennens ging es zwar fast nur runter. Es gab nur noch wenige Zwischenanstiege. Aber auch das war technisch so anspruchsvoll zu laufen, so dass es fast genauso lang gedauert hat wie der Anstieg“, erzählt der 59-Jährige.

Auf letzten fünf Kilometern noch einmal 340 Meter Anstieg

Bei der nächsten Station in Puerto de Tazacorte an der Westküste war sein Puffer sogar auf knapp über eine Stunde angewachsen. Die Freude darüber verflog aber auf den letzten fünf Kilometern. Denn bis zum Ziel in Los Llanos de Aridane mussten die Läufer noch einmal 340 Höhenmeter klettern. „Für die Strecke habe ich noch einmal mehr als eine Stunde gebraucht, so dass es nach 22 Uhr war, als ich auf der Plaza de España über die Ziellinie gelaufen bin“, berichtet Dieterle.

Sein Körper hat die Strapazen aber gut weggesteckt. Er zog sich ein paar Schürfwunden zu, als er kurz nach dem Roque de los Muchachos gestürzt war. „Da hat es mir einfach die Beine weggezogen“, erklärt der Nussdorfer. Und am Sonntag und am Montag hat er es sich am Pool im Hotel bequem gemacht. „Aber jetzt, da ich wieder in Bewegung bin, geht es wieder. Schwere Beine habe ich aber natürlich noch“, berichtet Dieterle. Um seinen Geburtstag zu feiern, hat er seine Familie samt Kindern und Enkelkindern für eine Woche in eine Finca auf La Palma eingeladen.

Die Transvulcania war aber vielleicht sein letztes Abenteuer. „Man muss unheimlich viel Zeit für das Training in der Vorbereitung für so einen Extremlauf aufwenden. Ich habe mehrere Vier- bis Fünf-Stunden-Läufe absolviert. In der Woche kam ich so auf ein Pensom von 120, 130 Kilometern“, erzählt der 59-Jährige. Trainiert hat er dabei vor allem im Stromberg, um die An- und Abstiege zu simulieren. Dieterle: „Rauf, runter – pro Laufeinheit kamen bestimmt so um die 1500 Höhenmeter zusammen.“

Weissinger kommt bei Marathon über 45 Kilometer an seine Grenzen

Weissinger startete auf der Marathondistanz mit Start in El Pinar und Ziel in Puerto de Tazacorte. Und damit war der Läufer des TSV Nussdorf bedient. „Er hat hinterher erzählt, dass er an seine Grenzen gekommen ist. Den Ultramarathon hätte er nicht geschafft“, berichtet Dieterle. „Der Marathon ging fast nur bergab. Das ging extrem auf die Knochen.“ Für die 45 Kilometer mit insgesamt 1884 Höhenmetern Anstieg und zusammengerechnet 3329 Metern Abstieg benötigte Weissinger 9:17:05 Stunden, was ihm den 649. Platz bescherte. Den Sieg sicherte sich Danilson Silva Pereira in 4:05:33 Stunden vor Wilson Gabriel Cardoso Cabral in 4:06:07 Stunden und Juan Esteban las Peñas Romano in 4:06:23 Stunden. Schnellste Frau war María Zorroza in 4:51:22 Stunden vor Montse Martínez Guerrero in 4:53:52 Stunden und Paloma Lobera Grau in 5:15:34 Stunden.

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