Der große Traum von den Olympischen Spielen

Start beim größten Sportfest der Welt wäre für Kristen das Größte, ein Sieg beim Nussdorflauf wäre aber auch gut.

Erstellt: 21. April 2021
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Vaihingen (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 22: Julian Kristen (17). Der Nussdorfer konzentriert sich als Läufer vor allem auf die Strecken 1500 Meter, 3000 Meter und 5000 Meter, „selten laufe ich aber auch 800 Meter und zehn Kilometer“, berichtet der Athlet des TSV Ensingen. Dabei zählen die 800 Meter und die 1500 Meter zur Mittelstrecke, während die 3000 Meter, die 5000 Meter und die zehn Kilometer schon der Langstrecke zugeordnet werden. Darüber hinaus schwingt Kristen auch den Tennisschläger. In diesem Sommer wird er für die Junioren- und die Männermannschaft der TFR Nussdorf aufschlagen.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es gesundheitlich gerade ziemlich gut, worüber ich sehr dankbar bin. Trotzdem machen mir die Einschränkungen mit der Zeit immer mehr zu schaffen, und ich hoffe – wie sicherlich wir alle –, dass sich die Situation bald bessert.

Jetzt in der trainings- und wettkampffreien Phase: Wie halten Sie sich fit?

Als Läufer ist es für mich kein Problem, mein Training auch ohne Vereinstraining alleine oder mit einem Trainingspartner durchzuführen. Ich mache sowohl meine langen Läufe als auch meine schnellen Trainingseinheiten draußen in der Natur, auf Feldwegen oder im Wald. Ich bin also an keine Sportstätten gebunden. So konnte ich trotz der Einschränkungen in diesem Winter sehr gut trainieren und so viele Kilometer sammeln wie noch nie. Ich trainiere nach einem Trainingsplan, den mein früherer Vereinskollege Paul Jelden für mich erstellt. Pro Woche stehen fünf Laufeinheiten an, bestehend aus zwei Tempoeinheiten, zwei lockeren Dauerläufen und einem langen Dauerlauf. Zusätzlich mache ich pro Woche zwei Kräftigungseinheiten, die über die Videokonferenz-Plattform Zoom vom TSV Ensingen veranstaltet werden.

Anders sieht es beim Tennis aus. Da konnte ich den ganzen Winter nicht trainieren. Ich hoffe, dass Training erlaubt sein wird, wenn die Plätze Ende April wieder öffnen.

Und wie vertreiben Sie sich Ihre mehr-gewonnene Freizeit?

Bei mir steht in diesem Jahr das Abitur an. Die meiste Zeit geht also fürs Lernen drauf, so dass für mich in diesem Jahr weniger Freizeit als sonst übrig bleibt. Trotzdem bleibt genug Zeit für den Sport. Eine Laufeinheit an der frischen Luft – im Wald – ist für mich immer eine sehr gute Abwechslung, gerade wenn ich lange am Schreibtisch gesessen bin.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Definitiv die sozialen Kontakte und das, was man unter normalem Alltag versteht. Gerade in meinem letzten Schuljahr hätte ich mir mehr Normalität gewünscht, weil es das Ende eines wichtigen Lebensabschnitts ist, der eben nur ein Mal stattfindet.

Aus läuferischer Sicht fehlen mir natürlich die Wettkämpfe, weil die Motivation fürs Training deutlich höher ist, wenn man sich für einen bestimmten Wettkampf an einem bestimmten Tag vorbereitet.

Blicken wir auf die bisher in dieser Saison absolvierten Wettkämpfe/auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Die letzten Laufwettkämpfe waren vergangenen Oktober. Da konnte ich die einzigen Wettkämpfe des Jahres laufen, 3000 Meter und 800 Meter. Die liefen für das nicht optimale Training wegen einer Verletzung davor ganz gut.

Diesen Winter lief das Training dafür umso besser und um – wie oben erwähnt – die Motivation nicht zu verlieren, bin ich zum Test auch mal fünf und zehn Kilometer all out gelaufen, also so schnell wie möglich. Dabei konnte ich zumindest inoffiziell meine Bestzeiten auf diesen Strecken verbessern.

Im Tennis fiel im vergangenen Jahr die ganze Saison flach. Ich konnte im letzten Sommer also nur trainieren.

Haben Sie noch Hoffnung, dass im Sommer wieder Wettkämpfe und Spiele stattfinden?

Wenn sich die Lage bis dahin wieder etwas entspannt hat, denke ich auf jeden Fall, dass im Sommer wieder etwas stattfindet – gerade, weil sowohl das Laufen als auch Tennis draußen betrieben werden. Beim Tennis, das ja eine nahezu kontaktlose Sportart ist, sehe ich sehr gute Chancen, dass die geplanten Spiele im Sommer stattfinden. Beim Laufen denke ich, dass ähnlich wie im letzten Jahr wieder kleinere Bahnwettkämpfe mit begrenzter Teilnehmerzahl stattfinden werden. Die Chance, dass bald wieder Volksläufe mit großen Teilnehmerzahlen stattfinden, ist leider nicht sehr groß.

Welches ist Ihr sportliches Vorbild?

Roger Federer: Mich beeindruckt vor allem sein eleganter Spielstil und dass er trotz seines hohen Alters und vielen Verletzungen immer noch auf Top-Niveau mithalten kann. Ein weiteres Vorbild ist Sebastian Kienle, weil es einfach Wahnsinn ist, was die Triathleten auf der Langdistanz leisten, und er sehr authentisch und sympathisch rüberkommt. Unter den Läufern ist unter anderem auch der ehemalige Marathonweltrekordhalter Haile Gebrselassie ein Vorbild.

Wenn Sie nicht die Sportart treiben würden, für die Sie sich entschieden haben, welchem Hobby würden Sie nachgehen?

Wintersportarten schaue ich gerne im Fernsehen an. Vor allem Biathlon oder Skilanglauf würde ich als Ausdauersportler bestimmt regelmäßig betreiben, wenn ich in den Bergen zu Hause wäre. Ansonsten finde ich Tischtennis auch eine coole Sportart.

Welchen Prominenten würden Sie gerne einmal kennenlernen?

Albert Einstein, wenn er noch leben würde – einfach, weil es mich interessiert, wie der Mensch hinter den bahnbrechenden physikalischen Entdeckungen so tickt. Und mit Elon Musk würde ich gerne mal darüber sprechen, wie man ein so erfolgreicher Unternehmer werden kann, und es immer wieder schafft, ganze Branchen zu revolutionieren.

Welche Schlagzeile würden Sie über sich gerne einmal in der VKZ lesen?

„Julian Kristen qualifiziert sich für Olympia“. Aber wenn wir mal realistisch bleiben wollen: „Julian Kristen gewinnt Nussdorflauf“, würde mir auch schon gut gefallen.

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