Nora Mork ist ihr großes Vorbild

: In der norwegischen Handballerin findet sich die Vaihingerin Ann Kynast vom Erstligisten Blomberg-Lippe auch ein wenig wieder: Hart für etwas arbeiten, wenn man ein Ziel vor Augen hat, ist eine Charaktereigenschaft, die beide vereint.

Erstellt: 30. Dezember 2020
Nora Mork ist ihr großes Vorbild Mit ihren 19 Jahren gehört Ann Kynast (vorne) beim Erstligisten HSG Blomberg-Lippe schon zu den Stützen. Foto: Baumann

Blomberg/Vaihingen (nac). Die Sportler aus der Region stehen im öffentlichen Fokus und werden meist nach ihren Leistungen beurteilt. Doch wie ticken sie wirklich? In einer neuen Interviewserie stellt die VKZ-Sportredaktion den Menschen hinter dem Sportler vor. Teil 6: Handballerin Ann Kynast (19) aus Vaihingen, die in der 1. Bundesliga für die HSG Blomberg-Lippe aktiv ist.

Wie geht es Ihnen?

Mir geht es soweit gut. Ich konnte die Weihnachtstage zu Hause bei meiner Familie genießen und bin jetzt wieder in Blomberg zur Vorbereitung auf unsere nächsten Spiele.

Für Otto Normalverbraucher und Amateursportler gelten viele Beschränkungen. Dürfen Sie noch trainieren?

Ja, da wir in der 1. Bundesliga zum Profisport zählen, dürfen wir ganz normal trainieren und auch spielen.

Hat sich das Training aber im Vergleich zur Vor-Pandemiezeit verändert?

Nein, das Training hat sich sowohl vom Umfang als auch vom Inhalt nicht verändert. Es ist für uns vom Ablauf her eine normale Saison. Deswegen haben wir nach wie vor normales Hallentraining. Zudem dürfen wir das Krafttraining mit einer Sonderregelung im Fitnessstudio durchführen. Die einzige Neuerung sind regelmäßige Corona- Testungen, die vor oder nach dem Training stattfinden.

Was fehlt Ihnen aktuell am meisten?

Am meisten fehlt es mir, auch außerhalb des Handballs etwas unternehmen zu können. Zusammen mit Freunden einen Kaffee trinken, zusammen kochen oder treffen innerhalb des Teams neben dem Training finden aktuell nicht mehr statt, um die Kontakte in dieser Zeit – so gut es geht – einzuschränken.

Und auf was können Sie generell nicht verzichten?

Generell würde ich nicht auf Reisen und den damit verbundenen Urlaub verzichten, um sich vor allem zwischen den Saisons bestmöglich zu erholen.

Blicken wir auf die bisher in dieser Saison absolvierten Wettkämpfe/auf die bisherige Saison zurück: Wie lief es?

Wir haben bisher insgesamt zwölf Spiele in der Bundesliga, dem DHB-Pokal und der Qualifikation für den Europapokal gespielt. Insgesamt würde ich sagen, dass es bislang gut läuft. Vor allem in der Bundesliga können wir mit dem aktuell vierten Platz sehr zufrieden sein, wobei uns noch zwei Spiele aufgrund von coronabedingten Absagen fehlen. Im DHB-Pokal stehen wir im Viertelfinale. Die Qualifikation zur Gruppenphase des Europapokals haben wir nach einem Sieg im Hinspiel, durch die höhere Niederlage im Rückspiel leider nicht geschafft. Aber allein die Möglichkeit, die ersten Spiele in einem internationalen Wettbewerb zu bestreiten, war für unser junges Team und auch für mich eine tolle Erfahrung.

Mit was sind Sie zufrieden?

Ich persönlich habe mich nach dem Sprung in die erste Liga im Sommer in Blomberg sehr gut eingelebt und fühle mich wohl hier. Ich freue mich vor allem darüber, wie gut unser Mannschaftsgefühl ist, obwohl wir zu Beginn der Saison mit vielen neuen Spielerinnen gestartet sind. Das macht es mir leichter, gute Leistungen zu zeigen und meine Spielzeiten zu nutzen. Generell bin ich mit dem gesamten Saisonverlauf bisher sehr zufrieden und bin froh, dass wir unseren Sport weiter ausüben dürfen.

Haben Sie noch die Hoffnung, dass die Saison zu Ende gespielt wird?

Bisher bin ich guter Dinge, dass unsere Saison zu Ende gespielt wird. Die bisherige Anzahl der abgesagten oder verschobenen Spiele lässt sich noch nachholen. Und mit dem Hygienekonzept und den regelmäßigen Testungen verläuft die Saison bis zum jetzigen Zeitpunkt auch gut.

Wenn Sie Ihre bisherige Laufbahn Revue passieren lassen: Was war Ihr schönstes Sport-Erlebnis?

Zu meinen schönsten Sport-Erlebnissen gehören der Gewinn des Länderpokals mit dem Handball-Verband Württemberg 2018, sowie der zweite Platz bei der deutschen Meisterschaft mit der B-Jugend der SG BBM Bietigheim. Persönlich würde ich noch mein Bundesliga-Debüt 2017 – einen Tag vor Weihachten gegen Nellingen – als schönstes Erlebnis hinzufügen.

Und welches war das negative Highlight?

Ein negatives Highlight meiner bisherigen Laufbahn war meine bisher einzige größere Verletzung, bei der ich fast ein halbes Jahr Pause machen musste.

Es heißt: Hinter jedem erfolgreichem Mann steht eine starke Frau und hinter jeder erfolgreichen Frau steht ein starker Mann. Wer ist bei Ihnen verantwortlich, dass Sie sportlich so erfolgreich sind?

Neben einigen Trainern, die mich vor allem während meiner Jugendzeit im Verein und in den Auswahlmannschaften sportlich vorangebracht haben, habe ich meinen Eltern sehr viel zu verdanken. Vor allem zu Beginn haben sie viel Zeit damit verbracht, mich zum Training, zu Lehrgängen oder Spielen zu fahren – egal, wie weit der Weg war. Sie waren zudem bei so gut wie allen Spielen dabei, um mich zu unterstützen.

Und welches ist Ihr sportliches Vorbild?

Mein sportliches Vorbild ist Nora Mork, eine norwegische Nationalspielerin und Linkshänderin. Mich fasziniert an ihr vor allem ihr Ehrgeiz und Wille, besser zu sein als andere und niemals aufzugeben. Sie ist als Rückraumspielerin eher klein, hat sich aber durch ihr Spielverständnis und ihre Technik Möglichkeiten angeeignet, diesen Nachteil wettzumachen. Zudem musste sie sich nach zehn Knie-OPs immer wieder zurückkämpfen. Die meisten Sportler hätten spätestens nach der vierten OP ihre Karriere beendet. Aber für sie war das keine Option. Stattdessen kam sie immer stärker zurück und wurde bei der letzten EM Anfang Dezember erneut ins Allstar-Team gewählt und beste Torschützin des Turniers.

Wenn Sie nicht die Sportart treiben würden, für die Sie sich entschieden haben, welchem Hobby würden Sie nachgehen?

Sportliche Hobbys wären sicherlich andere Mannschaftssportarten wie Fußball oder Volleyball, da mir bei Einzelsportarten das Team und der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft fehlen würde. Ansonsten spiele ich in meiner Freizeit gerne Gesellschaftsspiele, lese Bücher oder gehe spazieren.

Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?

Ich würde auf eine einsame Insel meine Schwester, einen Picknickkorb und einen Lautsprecher mitnehmen. Um allerdings Musik hören zu können, bräuchte ich noch eine vierte Sache: Ein entsprechendes Medium, vermutlich aber nicht mein Handy.

Wie charakterisiert Sie Ihre Familie oder Freunde?

Meine Familie beschreibt mich als eine ehrgeizige und willensstarke Person, die – wenn sie einmal ein Ziel vor Augen hat – auch hart dafür arbeitet, um es zu erreichen. Meine Freunde charakterisieren mich als hilfsbereite Person, die für andere da ist und sich selber für das Wohl anderer hinten anstellt.

Und was ist Ihre größte Schwäche?

Ich bin selten mit etwas oder meiner Leistung zufrieden. Das kann gewissermaßen auch eine Stärke sein, weil man dadurch immer weiter an sich arbeitet und immer Dinge sieht, die verbessert werden können. Allerdings kann nicht immer alles perfekt laufen, und man sollte auch einsehen, dass Fehler dazugehören und die eigene Leistung im Gesamten trotzdem gut war.

Wenn Sie eine Million Euro zur Verfügung hätten, was würden Sie damit machen?

Mit einer Million Euro würde ich zunächst die Wünsche meiner Familie erfüllen, einen großen Teil für Reisen in verschiedene Länder ausgeben und den Rest wahrscheinlich sparen, um später zum Beispiel ein Haus finanzieren zu können.

Unabhängig von Geld: Welchen Wunsch würden Sie sich gerne einmal erfüllen?

Ich würde gerne einmal eine Rundreise durch Skandinavien machen, ohne vorher eine genaue Route zu planen. Mir gefallen dort vor allem die Landschaft und die Mentalität der Menschen.

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